Guitar Heroes

Joscho Stephan (MGL)

Guitar Heroes

Innerhalb unseres Verbreitungsgebietes war Joscho Stephan jüngst beim Mozartfest Würzburg und beim Tanz- und Folk-Fest Rudolstadt zu erleben, Mitte September wird er im Jazz Point in Wangen/Allgäu zu Gast sein. Wer so weit nicht fahren möchte, kann sich mit Stephans jüngster CD trösten. Entstanden ist eine lange schon angedachte Hommage an seine persönlichen Helden der Gitarre, von denen drei Größen hier mit dem Mönchengladbacher Gypsy-Jazz-Gitarristen gemeinsam musizieren: der australische Fingerstyle-Gigant Tommy Emmanuel, der Niederländer Stochelo Rosenberg und der begnadete Elsässer Biréli Lagrène. Neben Eigenkompositionen wie dem entspannten und entspannenden „Song for Biréli“, der sich seinerseits vor Lagrènes Album „Acoustic Moments“ von 1990 verneigt, findet sich das nicht weniger entspannte Stück „Love’s Melody“ (alias „Mélodie au crépuscule“ von Django, oder Joseph, Reinhardt; hier zusammen mit Rosenberg) und George Harrisons „Something“ (1969; inspiriert von Harrisons damaliger Frau, Pattie Boyd, der wir auch „Layla“ und „Wonderful Tonight“ verdanken), nämlich im superben Duett mit Emmanuel, während sich in „Hey Joe“ Gypsy Swing und Rock begegnen. Mit dem munter-rasanten „Bye Bye Blues“ zollt Stephan Les Paul und seinen Freunden aus der Fingerstyle-Szene Tribut. Luiz Bonfás Bossa Nova „Black Orpheus“ (im Original „Manhã de Carnaval“ geheißen, von 1959) ist wieder so ein Titel zum Sich-Zurücklehnen, und da Carlos (Augusto) Santana (Alves) neben dem unvermeidlichen Django Reinhardt derjenige Gitarrist ist, der Joscho Stephan am meisten beeinflusst hat, darf „Samba Pa Ti“ zum Finale nicht fehlen. Kaufen, einlegen, auf Track sechzehn gehen, Augen schließen – und abheben, endlich.

Jürgen Gräßer
28.07.2015

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