Bamberger Literaturfestival

Gegenentwurf oder Ergänzung zu

Bamberger Literaturfestival

 Was in der letzten Ausgabe noch als Gerücht daherkam, ist nun offensichtlich zur Tatsache gereift; die Domstadt erhält, neben dem bereits etablierten „Bamberg liest“, noch ein weiteres Literaturfestival. Um „ein wenig Fleisch an den Knochen zu bekommen“ hat unser Herausgeber Ludwig Märthesheimer mit einem der Veranstalter des geplanten Festivals, Wolfgang Heyder, ein Gespräch geführt.

 

 

Herzlichen willkommen Herr Heyer und besten Dank dafür, dass Sie die Zeit gefunden haben für ein Gespräch.

Wolfgang Heyder: Sehr gerne, vielen Dank für die Einladung und für die Gelegenheit, einige Fakten zu dem neuen Literaturfestival darlegen zu können.

 

 

Wie kam es denn zu der Idee, ein weiteres Literaturfestival in Bamberg zu veranstalten?

Wolfgang Heyder: Die Idee hatte eigentlich Paul Maar anlässlich des Neujahrsempfangs. Er war der Meinung, dass Bamberg, so gut es auch kulturell bereits aufgestellt sei, noch ein großes Literaturfestival vertragen könne. Kurz darauf kam Landrat Johann Kalb auf mich zu und fragte, ob ich denn nicht daran interessiert sei, diese Idee umzusetzen. Ich meinerseits habe daraufhin Klaus Stieringer angesprochen und gefragt, ob wir uns die Vermarktung und Organisation eines solchen Festivals nicht teilen könnten, erfahren genug in der Umsetzung großer Events sind wir allemal.

 

 

Hat einer von Ihnen auch einen engeren Bezug zu dem Thema Literatur?

Wolfgang Heyder: Da ich mal Germanistik studiert habe, ist mir das Thema sicherlich nicht ganz fremd, aber einen wirklich engeren Bezug zu dieser speziellen Thematik haben wohl weder Klaus Stieringer noch ich. Aus diesem Grund haben wir uns vier Wochen Zeit genommen, in denen wir intensive Gespräche mit Personen geführt haben, die über die nötige Fachkenntnis aus diesem Bereich verfügen, unter anderen Nora Gomringer, Tanja Kinkel, dem Karl May Verlag, dem C.C. Buchner Verlag und auch den Geschäftsführern der Buchhandlungen Collibri und Hübscher. Danach haben wir einen ersten Kontakt zum Kulturamt der Stadt Bamberg gesucht, unter anderem, um zu sondieren, ob eine Zusammenarbeit mit dem bereits etablierten Festival „Bamberg liest“ möglich sei.

 

 

Wie ist dieses Gespräch gelaufen, gab es konkrete Ergebnisse?

Wolfgang Heyder: Das Gespräch gestaltete sich relativ schwierig, und wiewohl wir an einer Zusammenarbeit mit „Bamberg liest“ bereit waren, sah man unseren Plan in der Kulturverwaltung und bei Dr. Martin Beyer (Veranstalter von „Bamberg liest“) wohl eher als Konkurrenz denn als sinnvolle Ergänzung. Nach diesem Gespräch waren wir doch recht ernüchtert, hielten aber an unserem Plan fest. Zeitlich haben wir das Bamberger Literaturfestival in die Monate Januar und Februar gelegt, zum einen, um es terminlich von „Bamberg liest“ zu trennen und zum anderen, weil diese beiden Monate in Bamberg auch eher ruhigere Veranstaltungsmonate sind.

 

 

Wie ging es dann weiter?

Wolfgang Heyder: Ich erhielt dann einen Anruf von Dr. Thomas Kraft, der mit seiner Agentur deutschlandweit Literaturfestivals organisiert. Kraft ist Bamberger, ich hatte ihn in seiner Jugend einmal trainiert (Basketball), insofern hatten wir gleich einen guten Draht zueinander. Und nun ist er in die Programmatik und Ausgestaltung des Bamberger Literaturfestivals fest eingebunden. Für das Organisationsteam eine sehr gute, fachliche Bereicherung, die uns geholfen hat, wirklich große Namen an den Start zu bekommen.

 

 

Womit wir beim Thema wären. Wen dürfen die Bamberger denn erwarten?

Wolfang Heyder: Bestätigt sind bislang unter anderen Martin Walser, Doris Dörrie, Konstantin Wecker, Dirk Rohrbach, Donna Leon und die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2009, Herta Müller. Die Veranstaltungen finden an den verschiedensten Orten statt, darunter das Theater, die Konzerthalle, der Spiegelsaal, Schloss Burgellern und der Rittersaal der Altenburg. Und wir haben eine Kooperation mit dem St. Michaelsbund (Medienhaus der katholischen Kirche) geschlossen, der allein in unserer Region 36 Büchereien betreibt. Dort werden wir circa zehn Lesungen speziell zum Thema Kinderliteratur, also für Kinder, anbieten.

 

 

Nun kostet das ganze doch sicher auch eine Menge Geld, insbesondere wenn man die Namen der Autoren liest, die am Festival teilnehmen werden. Wie finanziert sich denn diese Großveranstaltung?

Wolfgang Heyder: Nun, die Teilnahme an den Veranstaltungen wird kostenpflichtig sein, wobei sich die Eintrittspreise in einem sehr erträglichen Rahmen halten werden. Darüber hinaus haben wir Förderanträge gestellt, unter anderem an die Sparkassenstiftung, und wir versuchen über das Landratsamt Bamberg an sogenannte LEADER-Fördermittel zu gelangen. Dies ist auch nur deshalb möglich, weil wir bei diesem Projekt mit dem Landkreis Bamberg zusammenarbeiten und etliche Lesungen dort veranstalten werden. Insgesamt haben wir circa 80.000 € Fördermittel angefragt.

 

 

Warum genau machen Sie denn nun das Festival, oder kann jeder mit einer Idee zu Ihnen kommen und Sie setzen sie um? 

Wolfgang Heyder: Wie bereits erwähnt, habe ich früher einmal Germanistik studiert, konnte mich aber nie wirklich damit befassen. Das Thema Literatur an sich ist spannend und Schriftsteller sind sehr interessante Menschen. Außerdem sind Klaus Stieringer und ich „Macher“, das heißt, wir machen das jetzt, wir werden es gut machen, und dann sehen wir mal weiter.

 

 

Das heißt, es steht noch gar nicht fest, ob es mit dem Festival danach weitergeht? Und ist eine Zusammenarbeit mit „Bamberg liest“ endgültig ausgeschlossen?

Wolfgang Heyder: Ich sag‘ ja, wir machen das jetzt mal und dann sehen wir weiter. Eine Zusammenarbeit mit „Bamberg liest“ können wir uns weiterhin sehr gut vorstellen, denn trotz der Größenunterschiede bei den Festivals und auch der unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtung glaube ich, dass es durchaus Synergien zwischen „Bamberg liest“ und dem „Bamberger Literaturfestival“ geben kann.

 

 

Herr Heyder, vielen Dank für das interessante und offene Gespräch.

 

Foto Wolfgang Heyder, © 2mcon, Bamberg

Ludwig Märthesheimer

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