Tohuwabohu Kulturpolitik - Teil 2

QUA VADIS KULTURPOLITIK BAMBERG - FRAGENKATALOG ZUR WAHL

Tohuwabohu Kulturpolitik - Teil 2

Frage: Können Sie entlang einer Zeitachse darlegen, welche kulturpolitischen Maßnahmen Sie in der kommenden Legislaturperiode wann umsetzen werden, falls Ihre Politik dann in dieser Hinsicht mehrheitsfähig ist?

 

CSU: Eine feste Zeitachse erscheint kritisch, da derzeit noch eine zu große Unsicherheit in Bezug auf die Konversion des US-Geländes besteht. In den Haushaltsberatungen für den städtischen Haushalt für das Jahr 2014 wurden jedenfalls Mittel zur Einführung eines Kulturstipendiums (mit-) beschlossen. Dieses stellt daher für uns einen ersten Arbeitsschwerpunkt dar.

 

SPD: k.A.

 

GAL: Zeitachse: 2014 bis 2016 Erstellung einer Kulturentwicklungsplanung, nicht im stillen Kämmerlein, sondern mit einer spannenden BürgerInnenbeteiligung, die alle Generationen und Kulturen berücksichtigt. Kesselhaus bespielbar machen; Zukunft des Historischen Museums anpacken: Entscheidungen treffen, ob und wie es weiter geht; Freie Theaterszene und städtisches Theater verbandeln, wenn gewünscht; Wertschätzung der Freien Szene verbessern durch Respekt, Interesse und gerechtere Mittelvergabepraxis; Theatergagen erhöhen; E.T.A.-Hoffmann-Biennale etablieren; internationale und interkulturelle Kontakte aufbauen, Kunst und Kultur in Bambergs Stadtraum viel mehr zulassen, alle Stadtteile miteinbeziehen; eine bambergspezifische documenta ; Geldgeber aus der freien Wirtschaft gewinnen für eine Kulturbürgerstiftung. 2016: haben wir dann ein Kunstfieber in dieser Stadt, dass uns bis 2022 weiterträgt. Jedes Kind erzählt dann mit Begeisterung von der “Bamberger Apokalypse” und will gar nicht mehr raus aus den Bamberger Museen.

 

FDP: Die unter II.3 genannten Schwerpunkte sollen alle bis 2020 erreicht werden. Sie müssen letztlich alle gleichzeitig begonnen und schrittweise umgesetzt werden. An dieser Stelle sind Detailangaben aber wenig zielführend.

 

FW: Im Zuge der Konversionsdiskussion müsste bis 2016 deutlich werden, ob ein Stadt- und Jugendkulturzentrum räumlich und finanziell darstellbar ist.

 

 

Frage: Wie wollen Sie das Thema Kulturpolitik in der Stadtverwaltung künftig strukturell verankern? (Kulturreferent/Kulturdirektor/Kulturelle Fachämter/Aufgabenerfüllung und so weiter). Sehen Sie Veränderungsbedarf?

 

CSU: Über die Struktur der Verwaltung entscheiden der Oberbürgermeister und der neue Stadtrat in der neuen Geschäftsordnung nach der Wahl am 16. März 2014. Aus unserer Sicht hat es sich bewährt, dass ein Bürgermeister zugleich Kulturreferent ist, der – mit dem Rückhalt einer großen Fraktion – eigene Akzente in der Kulturpolitik setzen kann, im Gegensatz zu einem Referenten, der gegenüber dem Oberbürgermeister weisungsgebunden ist.

 

SPD: Wir könnten uns durchaus vorstellen, das Amt der Bürgermeisters nicht unbedingt mit dem des Kulturreferenten zu koppeln. Auch hier sei nochmals der wünschenswerte „Kulturnewsletter“ genannt.

 

GAL: Veränderungsbedarf ja; ich halte eine fachlich versierte Besetzung für überfällig. – Das Kulturamt würde ich gerne umbauen in ein Kulturmanagementbüro, das im Team Projektziele formuliert und den Stadtrat für seine Projektideen gewinnt beziehungsweise den Stadtrat aktiviert. – Motivation des Personals bekommt man nur hin, wenn Aufgabenstellungen nicht über- oder unterfordern und das Budget passt.

 

FDP: Es besteht Veränderungsbedarf dahingehend, dass die Funktion des Kulturreferenten künftig auch ausgefüllt werden muss und nicht nur auf dem Papier bestehen darf. Ein Kulturreferent muss Impulse setzen, Ideen einbringen und mit voller Kraft für die Umsetzung von Projekten kämpfen. Hier besteht massiver Veränderungsbedarf.

 

FW: Die bisherige Struktur könnte prinzipiell beibehalten werden. Veränderungen könnten aus der personalen Besetzung entstehen.

 

Frage: Halten Sie eine fachlich versierte Besetzung kulturpolitischer Schlüsselpositionen für längst überfällig, für nicht nötig oder auch für schlichtweg nicht leistbar?

 

CSU: Führende Positionen sollten grundsätzlich nach fachlichen und persönlichen Qualitäten besetzt werden. Zu einer „fachlich versierten Besetzung“ gehört für uns vor allem auch Verwaltungskompetenz.

 

SPD: k.A.

 

GAL: k.A.

 

FDP: Die Position des Kulturreferenten muss neu besetzt werden mit einer Persönlichkeit, die sowohl Kompetenz im Kulturbereich als auch Verwaltungserfahrung mitbringt. Beides zusammen ist notwendig, um die Kulturpolitik in der Stadt Bamberg voranzubringen. Insofern muss diese Schlüsselfunktion künftig nach Fachkompetenz und nicht nach parteipolitischer Zugehörigkeit besetzt werden.

FW: Das ist eine der zentralen politischen Fragen in der Bamberger Kommunalpolitik. Aus unserer Sicht ist der von der CSU/SPD-Koalition vorgesehene zukünftige Kulturreferent ungeeignet für diese Aufgabe.

 

Frage: Sehen Sie einen Veränderungs- und/oder Professionalisierungsbedarf bei den bestehenden Strukturen Doppelfunktion: Bürgermeister/Kulturreferent; Mehrfachamt: Amt für Kultur, Sport und Schulen; Doppelfunktion: Verwaltungsleitung Theater/Kulturamtsleitung und Anderes?

 

CSU: Wir meinen: Die bestehende Struktur hat sich grundsätzlich bewährt. Zum Beispiel im Betrieb des Theaters hat es sich bewährt, dass der Leiter des Kulturamts zugleich Verwaltungsleiter ist, weil es sich beim Theater um einen budgetierten Betrieb handelt, für dessen finanzielles Handeln nicht der Intendant, sondern der Kulturamtsleiter verantwortlich ist.

 

SPD: k.A.

 

GAL: k.A.

 

FDP: Die Bündelung der drei Aufgabenbereiche „einziger Stellvertreter des Oberbürgermeisters“, „Kulturreferent“ und „Referent für Schulen und Sport“ ist nicht sinnvoll. Die Aufgabenbereiche müssen deshalb zukünftig so zugeschnitten werden, dass dem neuen Kulturreferenten genug Zeit und Energie bleibt, um Impulse im Kulturbereich zu setzen. Über die Trennung Bürgermeister (im Sinne von Stellvertreter des Oberbürgermeisters) einerseits und Schul- und Kulturreferent andererseits sollte deshalb ernsthaft nachgedacht werden.

 

FW: Bamberg ist eine größere Kleinstadt. Eine Professionalisierung im Sinne von entsprechender Ausbildung ist deshalb schwierig, weil zwangsläufig teuer. Falsch wäre es aber, aus Koalitionsgründen jemanden mit der Chefaufgabe zu betrauen, der/die eigentlich ungeeignet ist. Auf Amtsebene ist es definitiv schwierig, jemanden zu finden, der eine spezielle Ausbildung oder Affinität hat. (Hat es aber schon gegeben.)

 

Frage: Wie möchten Sie politische Rationalität und Verwaltungsrationalität im Bereich Kulturpolitik miteinander verzahnen? Das heißt, in welcher Systematik sollen politische Zielsetzungen und Verwaltungshandeln im Bereich Kultur miteinander verbunden werden (etwa Berichtswesen, Kontraktmanagement, formulierte und gegebenenfalls messbare Zielsetzungen). Oder halten Sie Kultursenats- und Stadtratssitzungen in ihrer derzeitigen Ausprägung für hinreichend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Politik und Verwaltung im Bereich Kultur)?

 

CSU: Eine Umstellung der derzeitigen Praxis ist erst dann möglich, wenn im städtischen Haushalt flächendeckend die Doppik eingeführt wird. Bis dahin sind wir der Meinung, dass der Kultursenat die politischen Ziele formuliert, welche die Kulturverwaltung umsetzt.

 

SPD: k.A.

 

GAL: k.A.

 

FDP: Bamberg braucht keine Verfahren, die die Gefahr in sich bergen, Papiertiger zu sein. Bamberg braucht gute Ergebnisse im Bereich der Kulturpolitik. Diese gilt es mit effizienten Mitteln zu erreichen.

 

FW: Die Freien Wähler hatten sich vor der Stadtratswahl 2008 dafür eingesetzt, ehrenamtliche Mitglieder des Stadtrats in bestimmten Bereichen (etwa. Kultur, Jugend, Verkehr und so weiter) zu Ko-Referenten zu machen (gibt es woanders). Dem derzeitigen OB Starke ist aber mehr daran gelegen, einen schwachen Stadtrat zu haben, was der Gesamtentwicklung des Bamberger Stadtrats entspricht. Wir halten diese Idee unter dem Aspekt, dass die Stadtratstätigkeit insgesamt attraktiver wird, für richtig. Derzeit aber zwecklos.

 

Frage: IV. Einige Detailfragen –
1. Sehen Sie ein kulturpolitisches Ungleichgewicht in dem Sinne, dass aufgrund der finanziellen Ausstattung der großen Kulturinstitutionen die sogenannte „freie Szene“ benachteiligt ist? Wenn ja, welche Maßnahmen planen Sie, um das zu ändern?

 

CSU: Aufgrund der besonderen Bedeutung beispielsweise der Bamberger Symphoniker oder des Theaters ergibt sich, wie oben festgestellt, in der Tat eine Bindung eines Großteils der Finanzmittel des Kulturhaushalts. Wie oben ausgeführt, reagieren wir darauf durch eine Verstetigung undgegebenenfalls Erhöhung der Mittel für die „freie Szene“.

 

SPD: Wir werden uns auch künftig dafür einsetzen, dass die „freie Kulturszene“ gefördert wird, etwa durch eine Erhöhung des Globalbetrages zur Kulturförderung.

 

GAL: k.A.

 

FDP: Es besteht ein gewisses Ungleichgewicht. Dieses sollte möglichst auf dem Wege der Gewinnung zusätzlicher Finanzmittel aus den Bereichen „staatliche Zuschüsse“, „Zuschüsse von Stiftungen“, Spenden und Sponsoring beseitigt werden.

 

FW: Benachteiligt ist relativ. Wir meinen eher, dass die „freie Szene“ (siehe oben) kreativer gefördert werden müsste.

 

Frage: 2. Seit über zehn Jahren gibt es die Zielsetzung, die Museen der Stadt Bamberg großspurig auszubauen. Mangels Ressourcen (die Mittel, die noch vom Kultursenat empfohlen werden, werden seit Jahren in den Haushaltsberatungen gestrichen) bewegt sich hier wenig bis nichts. Wie stehen Sie zu dieser Zielsetzung und zum Versäumnis, diese durchzusetzen?

 

CSU: Wir werden den Weg, das Museum Schritt für Schritt auszubauen, fortsetzen. So sollen beispielsweise nach dem Ende der Ausstellung „Jüdisches Leben in Bamberg“ im nächsten Jahr weitere Räume im Historischen Museum dauerhaft begehbar sein.

 

SPD: Zum Ausbau der Museen sei die Initiative „Museen am Domberg“ genannt, für uns ein Schritt in die richtige Richtung. Der Kultursenat ist kein beschließender Senat, das heißt, er kann nur Empfehlungen aussprechen.

 

GAL: ...es kann nicht so weiter gehen

 

FDP: Das Historische Museum der Stadt Bamberg muss weiter ausgebaut und attraktiviert werden. Wir wollen den eingeschlagenen Weg des schrittweisen Ausbaus fortsetzen. Im Jahr 2014 wird der Bereich „Jüdisches Bamberg“ hinzukommen. Wir wollen innerhalb von drei Jahren einen weiteren, möglichst anschaulich zu gestaltenden Bereich über bedeutende Persönlichkeiten der Stadtgeschichte hinzufügen (von Kaiserin Kunigunde über Adalbert Friedrich Marcus bis hin zu einem Raum über Bamberger Vertreter des Widerstandes im Dritten Reich). Darüber hinaus wollen wir durch Zusammenarbeit mit dem Förderverein „Kunstraum Jetzt“ (Kunstraum Kesselhaus) Ausstellungsmöglichkeiten für Wechselausstellungen im Bereich moderne Kunst sichern.

 

FW: Das ist tatsächlich eine Frage der Finanzen. Das ist zu bedauern; dem oben Genannten würde ich aber den Vorzug geben. Wir sind mit der Arbeit unserer Museen zufrieden. Ihre Tätigkeit muss unseren Erachtens im Zusammenhang mit dem Tourismus gesehen werden.

 

Frage: Seit vielen Jahren gibt es stetige Forderungen zur Errichtung eines öffentlich mitgetragenen Kulturzentrums in Bamberg. Ebenso lange die klare Linie der amtierenden politischen Entscheidungsträger, lediglich ein privat getragenes Kulturzentrum zu begrüßen. Die eigentlich von den Bürgern gewünschte Lösung eines von öffentlichen Mitteln finanzierten/kofinanzierten Kulturzentrums wird abgelehnt.Wie stehen Sie zu dieser Debatte? Treten Sie für ein öffentlich (mit-) getragenes Kulturzentrum ein und ebenfalls für die Durchsetzung der dafür nötigen Mittel (Investivkosten wie laufenden Betriebskostenzuschuss)?

 

CSU: Wie oben ausgeführt, verfolgen wir das Ziel, auf dem Gelände des US-Standortes ein „Haus der Kunst“ zu etablieren. In welcher Betriebsform, wollen wir im Zuge der CSU-Kulturforen direkt mit den Kulturschaffenden diskutieren. Bis sich eine solche Lösung abzeichnet, halten wir den Vorschlag, für eine Übergangszeit ein Kulturzentrum in der ehemaligen Jugendherberge Wolfschlucht einzurichten, für unterstützenswert.

 

SPD: Was meinen Sie mit „Kulturzentrum“, das von den Bürgern gewünscht wird und dessen öffentliche Finanzierung abgelehnt wird? Wenn damit die Initiative “Kunstraum jetzt“ gemeint ist, so darf ich Ihnen mitteilen, dass wir diese tatkräftig unterstützen.

 

GAL: Kulturzentrum: als Initiatorin der Idee „Kulturhaus Jacob“ bin ich überzeugt, dass wir so etwas brauchen....ich kann mir ein Gebäude vorstellen, das die unterschiedlichsten Kulturformen vereint...ein Kulturcafé bringt Geld ein, ein Youthhostel ebenso, eine Jugendsporteinrichtung ebenso...dies kann dazu führen, dass andere Räume davon finanziert werden können, die Stadtbau sollte sich beteiligen bei den Gebäudlichkeiten; für den Start sollte die Stadt finanzielle Mittel zur Verfügung stellen und später bei einer Kostenpauschale landen.

 

FDP: Ein öffentlich gefördertes Kulturzentrum ist zwar wünschenswert und sollte auch langfristig das Ziel sein. Politik muss aber ehrlich sein: In den nächsten sechs Jahren (Wahlperiode des Stadtrats) ist der Neubau bzw. der Kauf bzw. die Sanierung eines Gebäudes für ein solches Kulturzentrum aus öffentlichen Mitteln angesichts der riesigen Herausforderungen „Konversion“, „Schulsanierungen“ und „ICE“-Ausbau nicht möglich. Alles andere ließe sich nur über einen massiven Schuldenanstieg machen, den wir als FDP klar ablehnen!

 

FW: Unser bereits oben erwähntes Konzept geht von einer „Mischfinanzierung“ aus. Auszug:“ Ziel sollte es sein, dass das Zentrum sich zu mindestens 80% selbst trägt. Die Erlöse aus eigenen Veranstaltungen, Vermietungen, Dienstleistungen und Gastronomie sollen der Finanzierung der Jugend- und Sozialarbeit dienen.“ Eine vollständige Trägerschaft oder Finanzierung mit öffentlichen Mitteln ist nicht mehr darstellbar.

 

Frage: Die Forderung nach einem „Raum für zeitgenössische Kunst“ ist auch schon viele Jahre alt und momentan wieder sehr aktuell und laut (Stichwort Kesselhaus). Hier lässt sich die gleiche Abwehrhaltung beobachten, wie diese auch beim Thema „Kulturzentrum“ eingenommen wird. Politisch vorstellbar scheint ausnahmslos eine rein private Initiative, die die Trägerschaft komplett leistet. Wie stehen Sie zu dieser Debatte?

 

CSU: Wir haben uns mehrfach für den Erhalt des „Kesselhauses“ als Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst ausgesprochen und unterstützen deshalb die Bestrebungen, die brandschutztechnischen Problemstellungen schnellstmöglich zu lösen. Wie oben ausgeführt, unterstützen wir langfristig den Ansatz eines eigenen „Hauses der Kunst“.

 

SPD: k.A.

 

GAL: Kesselhaus..ich finde es großartig und habe auch selber schon ehrenamtlich die Aufsicht gemacht....wenn der Wille da ist, ginge es.

 

FDP: Die bereits bestehende Initiative „Kunstraum Kesselhaus“ sollte von der Stadt stärker unterstützt werden. Es sind die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das Gebäude des Kesselhauses auch künftig als Ausstellungsort genutzt werden kann. Der laufende Betrieb sollte aber auch in Zukunft durch einen privaten Trägerverein erfolgen.

 

FW: Als großer Freund moderner Kunst stehe ich einem Kunstraum Kesselhaus sehr positiv gegenüber. Ich halte das Kesselhaus für ausgesprochen geeignet. Die Realisierung des diskutierten Konzepts erscheint möglich; auch wegen der Leute, die dahinterstehen und sich engagieren. Bei den Freien Wählern habe ich für meine Position keinen Widerspruch erhalten (wurde auch ins Wahlprogramm 2014 mit aufgenommen.)

 

Frage: Das Thema „Welterbe“ ist ein spezielles Thema, das die Kulturpolitik tangiert und zahlreiche andere Bereiche. Sehen Sie hier kulturpolitische Notwendigkeiten? Und wenn ja, wie sehen diese Ihrer Meinung nach aus?

 

CSU: Die Aufgabe des „Welterbe“ ist für Bamberg eine Chance und eine Aufgabe. Daher hat die Stadt Bamberg ein „Welterbezentrum“ eingerichtet, das eng mit den Bereichen Denkmalpflege und den städtischen Kultureinrichtungen vernetzt ist.

 

SPD: k.A.

 

GAL: Welterbe..., da müsste auch Tempo 10 bis 30 in der ganzen Stadt gelten, gehört für mich zur Kultur....wie gehe ich mit der alten Bausubstanz um.

 

FDP: Zum einen sollte ein öffentliches „Welterbezentrum“ eingerichtet werden. Zudem muss das Thema „Welterbe“ auch Verpflichtung bei städtebaulichen Fragen sein. Das bedeutet zum Beispiel beim Thema „Quartier an der Stadtmauer“, dass eine Lösung gefunden werden muss, die die wertvolle historische Bausubstanz (Häuser in der Hellerstraße, Reste der Mikwe, Stadtmauer) komplett erhält.

 

FW: Welterbe ist gleich Kultur. Verknüpfungspunkte sehe ich speziell nur mit einem Kunstraum Kesselhaus – als Gegenprogramm und kulturelle Offenheit. Das Welterbe ist in Bamberg voll in das Marketing eingebunden. Man muss eher aufpassen, dass dieser Aspekt nicht die Oberhand gewinnt. Insgesamt machen unsere mit dem Welterbe betrauten Leute gute Arbeit.

 

 

Wie also ist es um die Kultur in Bamberg für die nächste Legislaturperiode bestellt?

Bezüglich der Finanzsituation gibt es zwar keine Einigkeit, aber die Vorbehalte ziehen sich durch alle Befragten. Von Handlungsunfähigkeit und kein wirklicher Spielraum für Kultur bis hin zu "Wo der Wille ist, ist auch ein Weg!" gibt es viele Schattierungen der Verzweiflung. Großprojekte der Stadt Bamberg, allen voran die Konversion, werden gleichermaßen als klares Hindernis für Investitionen in Kultur genannt, wie auch als Potential. Ein klares Bekenntnis für die Kultur im Sinne einer festen Quote im Haushalt wird von einigen begrüßt, von anderen dagegen abgelehnt. Die CSU sieht 8 % des Gesamthaushalts für Kultur (hierbei sind die Ausgaben für die städtischen Schulen enthalten, Anm. d. Red.) bereits als klare Aussage der Kulturstadt Bamberg und bezieht sich hierbei auf eine nur schlecht vergleichbare Größe für ein Kulturstadtranking. Die Freien Wähler setzen da anders an. Sie würden gerne die Schulkosten dorthin verschieben, wo deren Zuständigkeit liegt und folglich vom Freistaat Bayern übernommen wissen. Das setze Mittel für den Kulturhaushalt frei. Allen gemein ist, dass aufgrund weitgehend mittel- und langfristig gebundener Mittel eine gewissen Starre im Kulturhaushalt Bambergs eingeräumt wird. Mit anderen Worten – die von allen als Grundversorgung beschriebenen Einrichtungen wie Orchester, Theater, VHS, Museen, Stadtarchiv, Musikschule, Stadtbücherei und das verstetigte Kulturangebot der Kulturvereine binden einen großen Etat. Dennoch wollen sich alle Parteien bemühen, die Förderung der "freien Szene" etwas anzuheben und dort Handlungsspielräume für diejenigen zu erschließen, die bisher nicht in den Genuss eingefahrener Fördermodalitäten kamen. Dazu werden Profilthemen wie Jugendkultur und Welterbe immer wieder als wichtige Baustellen genannt und inhaltlich umrissen. Umschichtungen, neue Wege, ein kreativerer Umgang bei der Förderung und auch eine stärker strategisch geartete Ausrichtung der Bamberger Kulturpolitik werden also von allen Seiten begrüßt.

 

Insbesondere die Erstellung einer Kulturagenda ist parteiübergreifend Konsens. Eine neue Aufgabe der/des künftigen Kulturreferenten/in dürfte damit bereits vor der Wahl besiegelt sein, so sich die Akteure mehrheitlich darauf verständigen können so eine Maßnahme zu starten und auch zu finanzieren. Diese dürfte viel Klarheit und eine wesentlich bessere Grundausstattung für weitere kulturpolitische Debatten schaffen. Ein wahrlich positiver Konsens, der sich an dieser Stelle in Bamberg durchaus auch mit Nachdruck abzeichnet.

 

Gleiches gilt für das Projekt Kultur- und Schulservice Bamberg, das einhellig begrüßt wird. Zuletzt wurde die personelle Ausstattung des Projektes gefestigt. Auch gibt es von allen Seiten die klare Bereitschaft, das Projekt fortzuführen und sinnvoll auszubauen. Der GAL geht das noch nicht weit genug. Für die kulturelle Bildung schlägt sie Quoten vor, die den finanziellen Rahmen bestimmen, die die Kultureinrichtungen hierfür heranziehen sollen.

 

Das Amt des Kulturreferenten und seine organisatorische Anbindung und Ausgestaltung wird differenziert betrachtet. Ob mit oder ohne direkter politischer Anbindung und gemessen am Grad der hierfür fachlich nötigen Ausbildung sind sich die Parteien hier derzeit nicht einig, wie die optimale Anbindung und vor allem personelle Besetzung auszufallen habe, um die Stadt hierbei ideal aufzustellen. Insgesamt herrscht doch eher Unklarheit bezüglich der Personalressourcen in diesem Zusammenhang. Einige sind mit der aktuellen Version zufrieden, andere sind bestimmten Besetzungsplänen gegenüber skeptisch, wieder andere fordern dringend eine stärker fachlich orientierte Lösung.

 

Trotz der Verzweiflung mit Blick auf knappes Haushalten scheuen die Parteien sich nicht, sich als Verfechter größerer Ideen zu outen. Ob Kunstraum Kesselhaus oder Kulturzentrum – befürwortet wird beides von allen Parteien. Allerdings gehen die Vorstellungen der dauerhaften Finanzierung weit auseinander. Von einem hohen Anteil seitens freier Trägerschaft oder komplett privat getragenen Einrichtungen ist hierbei zumeist die Rede. Über kommerzielles Wirtschaften sollen nicht-kommerzielle Bestandteile ermöglich werden. Das ist ein Schicksal, das viele Kultureinrichtungen inzwischen trifft, aber auch schnell an die Grenzen einer inhaltlich sinnvollen Ausgestaltung bringt. Es befördert eine Entwicklung, die in Kulturkreisen natürlich nicht unkritisch gesehen werden kann, die einigen etablierten Kultureinrichtungen das Wasser komplett abgraben würde. Kultur ist gut, wenn sie Geld bringt und noch besser, wenn sie Geld verdient, das sie gleichzeitig für nicht-kommerzielle Zwecke einsetzt. Die doppelte Melkkuh Kultur ist wieder da. Wer mehr Kultur will, der wird verantwortlich gemacht. Der Kulturauftrag der öffentlichen Hand ist scheinbar ausgeschöpft. So nicht alle Meinungen, aber der große Tenor. Mindestens eine Partei hat erkannt und äußerst das klar, dass hier ein Umdenken überfällig ist.

 

Ein anderes, aber ähnliches Schicksal wird den Museen der Stadt Bamberg auferlegt. Vom sukzessiven Ausbau mit schleichender Kostenmehrung bis hin zum dringend nötigen, zeitnahen Ausbau mit gesondertem Augenmerk auf das Projekt "Museen am Domberg" unterscheiden sich die Ansätze. Für mehr als ein Schritt für Schritt in Dekaden allerdings reicht es bei den zur Wahl stehenden Gruppierungen kaum. Dennoch finden sich Ansätze bei einigen von ihnen weitere, ganz anders geartete Großbaustellen zu öffnen (etwa Erhalt der Sammlung Richard H. Mayer) oder kleinere Brötchen zu backen (zum Beispiel Kunststipendium in Bamberg). Die Gedanken sind frei. Kulturideen und Verschiebebahnhöfe sind willkommen. Das ist nicht das schlechteste. Lässt sich das in absehbarer Zeit noch in eine mehrheitsfähige Ordnung gießen und gibt es hier und da dann doch die Bereitschaft, öffentliche Gelder für die Kultur einzusetzen, könnte doch noch ein Schuh aus der Bamberger Kulturpolitik werden. So ganz ohne Struktur, Vergleichbarkeit und argumentativer Prioritätensetzung allerdings wird es nicht gehen. Die Alternative wäre das Stochern in kulturellen Parallelwelten, die dem Prinzip Zufall völlig und ganz ausgesetzt werden. Das klingt doch eindeutig nach einer weniger attraktiven Wahl und gerade nicht nach dem, was uns die Parteien diesmal "auf die Schnelle" zum Thema zu sagen hatten.

 

"To be continued"!


22.01.2014

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