Mozart, ein Romantiker?

Das Mozartfest Würzburg fragt heuer nach dem Verhältnis von Klassik und Romantik

Mozart, ein Romantiker?

75 Konzerte und Veranstaltungen diversen Charakters offeriert das Würzburger Mozartfest 2019 ab dem 24. Mai. Thematisch soll es heuer um die kontrovers diskutierte Frage gehen, ob Klassik und Romantik als Einheit verstanden werden können oder nicht, weshalb das Motto des diesjährigen Festivals lautet: „Mozart, ein Romantiker?“. Seit bald 100 Jahren hat sich Würzburg als einmaliger Ort der Mozartpflege etabliert und darf als ältestes bestehendes Mozartfest gelten. Dabei hat man sich nie auf der Tradition ausgeruht, sondern ist stets auf der Suche nach neuen Wegen, Themen oder – wie man jetzt sagt – „Formaten“ geblieben.

Schon zum Auftakt am 24./25. Mai lockt eine illustre Besetzung in den Kaisersaal der Residenz und an die Schnittstelle zwischen Klassik und Romantik: Das Freiburger Barockorchester mit Julian Prégardien (Tenor) und Lorenzo Borrani (Violine und Leitung) wird Werke von Haydn und Mozart den waschechten Romantikern Schubert und Méhul gegenüberstellen. Nach einem Open-Air-Mozarttag, einem Festgottesdienst in St. Stephan und dem „Festival der ARD-Preisträger“ geht es am 26. Mai weiter mit den „Vents francais“, die in Trio- bis Quintettbesetzungen Perlen der Bläserliteratur darbieten werden.

Anderntags reibt man sich ob des Titels „Lotte Reinigers Mozart“ zunächst die Augen. Aber dieser Beitrag ist sehr originell, erinnert er doch an die Kunst der Filmemacherin und Illustratorin Lotte Reiniger (1899-1981), die zu einer Pionierin des Silhouettenfilms wurde – und überdies einen „Mozart-Fimmel“ hatte. Das Central im Bürgerbräu zeigt ihren frühesten Tonfilm und darüber hinaus, wie ein Scherenschnittfilm entsteht. Im Anschluss an diese Veranstaltung heißt es „Mozart am Grün“, wenn das famose A-capella-Quartett „Ringmasters“ aus Schweden im Golf Club Würzburg Kostproben ihrer Close Harmony anbieten werden.

Am 28. Mai spricht Dieter Borchmeyer, musikalisch umrahmt vom „Saxofonduo Saxannah“, über Mozart zwischen Romantik und Biedermeier, anschließend geht es wieder in den Kaisersaal zu einem Abend mit dem Scottish Chamber Orchestra, das unter der charmanten Leitung von Nicola Benedetti zunächst Mozarts „Haffner“-Sinfonie und das Violinkonzert G-Dur interpretieren wird, anschließend unter dem Dirigat von Benjamin Marquise Gilmore ein weiteres Violinkonzert und ein modernes Werk der britischen Komponistin Anna Clyne. Die Dirigenten sind zugleich auch die Solisten.

Nach einer Hofgala mit Diner in der Hofkirche gastiert am 29. Mai die angesagte Pianistin Ragna Schirmer im Weißen Saal der Residenz mit Werken Mozarts, Beethovens, Chopins und Schumanns. Eine musikalisch-literarische Wanderung folgt am nächsten Tag als Matinee, abends dann zunächst das „Sollazzo Ensemble“ mit Musik der Renaissance in der Thüngerheimer Michaelskirche und anschließend das Münchner Kammerorchester mit Lise de la Salle als Solistin. Sie wird u.a. Mozarts Klavierkonzert d-moll und Clara Schumanns Klavierkonzert a-moll spielen.

Eine Nachtmusik im Hofgarten der Residenz beschließt den Mai mit dem Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau unter Leitung von Johannes Moesus. Dabei wird Simon Höfele, einer der Shooting Stars der Blechbläserszene, die Trompetenkonzerte Hummels und Haydns interpretieren. Am 1. Juni steht man vor der Qual der Wahl: Es locken sowohl der Weiße Saal mit dem Klavierabend Kristian Bezuidenhouts als auch der Kiliansdom mit großer Orchestermusik. Die Bamberger Symphoniker setzen dort nämlich ihre Reihe der Aufführungen von Bruckners Symphonien fort mit der Nummer 4 Es-Dur, der „Romantischen“. Chefdirigent Jakub Hrusa steht selbst am Dirigentenpult. Danach können noch „Nachklänge im Echoraum“ genossen werden, genauer gesagt im Museum am Dom. 

Der 2. Juni sieht das David Orlovsky Trio mit einem Klezmer-Programm in der Würzburger Hofbräu vor, dann „Le concert spirituel“ (Chor und Orchester) mit Mozartmessen unter der Leitung von Hervé Niquet im Kaisersaal. Nach einer Serenade in Himmelspforten am 3. Juni heißt es abends „In Search of Mozart“. Anderntags gastieren Isabelle Faust und Heinz Holliger mit dem Basler Kammerorchester im Kaisersaal, am 5. Juni kommen Julian Prégardien und Kit Armstrong.

Nach dem Auftritt von „La Stagione“ aus Frankfurt folgen einige Tage mit dem MozartLabor, Auftritte des Ostrobothnian Chamber Orchestra und der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker, zwei Quartettabende und ein Gastspiel des Orchestre de la Suisse Romande unter dem Dirigat von Jonathan Nott. Auch dessen ehemaliges Orchester, die Bamberger Symphoniker, gastieren noch zweimal (15./16. Juni), außerdem kommt das Münchner Kammerorchester mit dem Pianisten Pierre-Laurent Aimard zurück an den Untermain (19.6.). Die Oper lockt Erwachsene mit Don Giovanni, die Jüngeren mit „Die kleine Opernwelt“. Den Auftritt von Corinna Harfouch am 15. Juni wollen wir nicht vergessen, ebenso wenig den des inspirierenden Auryn-Quartetts am 23. Juni. Anschließend beschließt eine „Jupiternacht“ im Vogel Convention Center das diesjährige Mozartfest.

Copyright Fotos:

Mozartfest Residenz und roter Teppich © Schmelz Fotodesign

Kaisersaalkonzert © Schmelz Fotodesign

Nachtmusik © Christian Schwab

 

Martin Köhl
05.04.2019

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