Leuchtendes Messing – Die Kunst der Nürnberger Beckenschläger

Ausstellung im Nürnberger Fembo-Haus vom 22. März bis 18. August 2019

Leuchtendes Messing – Die Kunst der Nürnberger Beckenschläger

Als „Beckenschläger“ wurden die Handwerker bezeichnet, die sich seit der Mittel des 13. Jahrhunderts ursprünglich in Belgien auf die Herstellung von Schüsseln aus poliertem, golden leuchtenden Messing spezialisiert haben. Im 14. Jahrhundert kam dann dieses Handwerk erstmals nach Deutschland und siedelte sich zunächst in den Regionen um Braunschweig und Lübeck an, um dann später auch im Süden Deutschlands heimisch zu werden. Im 15. und 16. Jahrhundert waren die Produkte der Nürnberger Beckenschläger mit ihrer kostbaren Anmutung hoch begehrt und wurden als einer der Exportschlager der Stadt zu Hundertausenden in alle Welt vertrieben. Die Gemeinsamkeit der reichsstädtischen Schüsseln besteht darin, dass ihr zentrales Reliefmotiv von Negativformen, sogenannten „Matrizen“ abgeschlagen wurde. Der Sammler Prof. Dr. Klaus Tiedemann widmet sich seit vielen Jahren der Vielfalt dieser Motive, darunter Madonnen, Heilige, Ritter, Dirnen und edle Damen, die häufig auch auf Vorlagen Nürnberger Künstler zurückzuführen sind. Mit einer faszinierenden Auswahl von etwa hundert Exponaten aus der Sammlung zeigt das Stadtmuseum in der Reihe „Fremde Schätze“ den reizvollen Variantenreichtum der unterschiedlichen Dekore, Formen und Größen. Die Ausstellung thematisiert und erläutert aber auch den Symbolgehalt der Szenen und Schriftbänder. Doch werden ebenso Fälschungen und die oft mit Nürnberger Stücken verwechselten niederländischen doopschotels (Taufschüsseln) gezeigt. Sein über viele Jahre erworbenes Wissen hat Klaus Tiedemann in einem opulent bebilderten Sachbuch niedergeschrieben. Es enthält alle bisher ermittelten Motive, Schrift-und Ornamentkränze, Zierpunzen und grafischen Vorlagen. Die Publikation ist an der Museumskasse erhältlich und erläutert auch die in der Ausstellung gezeigten Stücke.

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Sogenannte „Umbo-Schüssel“, frühe Sonderform, bezeichnet nach der nabelartigen Wölbung im Zentrum des Tellers, Nürnberg, 2. Hälfte 15. Jh., 
Foto © Klaus Tiedemann

Ludwig Märthesheimer
05.04.2019

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