Vom beliebten Volksschwimmbad zum geschätzten Kunstpalast

Die Kunsthalle Schweinfurt feiert zehnjähriges Jubiläum mit einer weiteren gelungenen Gunter Sachs Ausstellung

Vom beliebten Volksschwimmbad zum geschätzten Kunstpalast

Natürlich ist sie schon viel älter (86 Jahre), nur eben nicht als Kunsthalle. Oder vielleicht doch? 1933 von dem Schweinfurter Industriellen Ernst Sachs (dem Großvater von Gunter Sachs) der Stadt Schweinfurt als Hallenbad geschenkt, soll dem großzügigen Stifter schon bei der Einweihung des Bades aufgefallen sein, dass dieses eher „wie eine Festhalle, in der Kunstausstellungen stattfänden“ aussähe. Roderich Fick, der damals verantwortliche Architekt soll geantwortet haben: “Das sei gerade beabsichtigt“. Im Krieg durch Luftangriffe schwer beschädigt, wurde das Bad 1949 wiedereröffnet und auch bis 2004 seiner Zweckbestimmung entsprechend genutzt. Bereits 2003 hatte sich der Schweinfurter Stadtrat allerdings für eine Umnutzung als städtische Galerie entschieden, die hierzu erforderlichen Umbaumaßnahmen begannen 2007. Im Mai 2009 wurde die Kunsthalle Schweinfurt dann feierlich (wieder-)eröffnet. Seitdem werden dort auf knapp 2.000 Quadratmetern, die sich über drei Stockwerke verteilen, die städtischen Kunstsammlungen, die Exponate des Kunstvereins Schweinfurt und die Sammlung Joseph Hierling ausgestellt. Aber es sind auch die regelmäßigen Wechselausstellungen, die aufgrund ihrer Qualität der Kunsthalle Schweinfurt zu einem Ruf in der kunstinteressierten Gemeinde verholfen hat, der weit über die Grenzen Frankens hinausreicht. Kernstück der Kunsthalle ist sicherlich die große Halle im Erdgeschoß (die ehemalige Schwimmhalle), die dank ihrer Größe aber auch ihrer Schlichtheit perfekt in den Hintergrund tritt und so ihren eigentlichen Zweck offenbart, die Präsentation der in ihr platzierten Kunstwerke.

Eine ganz besondere Ausstellung haben sich die Verantwortlichen für ihr zehnjähriges Jubiläum ausgesucht und schlagen damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Ist es doch zum einen eine nette Geste, beim 10-jährigen Jubiläum eine Ausstellung mit Werken des Enkelsohnes des Stifters der Kunsthalle zu beherbergen und zum anderen setzt diese Exhibition die im Jahr 2013 gezeigte Ausstellung „Die Sammlung Gunter Sachs“, die vor sechs Jahren 65.000 Besucher in die Kunsthalle lockte, logisch und sachlich fort. Stand damals der Sammler Gunter Sachs und die von ihm erworbenen Exponate im Mittelpunkt, so zeigt die am 14. März eröffnete und bis zum 16. Juni laufende Ausstellung „Gunter Sachs – Kamerakunst“ einen Einblick in die Welt „seiner Fotografie“. 

Der auf Schloß Mainberg bei Schweinfurt geborene Gunter Sachs, den viele nur als Bobfahrer, Playboy oder Bonvivant zu kennen glaubten, war viel mehr als das. Sachs war ernsthafter Kunstsammler, Mäzen und Galerist und vor allem ein erfolgreicher Fotograf und Filmemacher. Die zu sehenden Arbeiten beleuchten Aspekte aus den Bereichen Mode, Stillleben, Portrait und vieles mehr. Präsentiert werden die Bilder im Kontext seiner eigenen, in diesem Umfang bisher nicht gezeigten Fotografiesammlung von Sachs. Diese umfasst Werke aus den 1930er-Jahren bis in die Gegenwart, von bekannten Größen wie Andreas Feininger, Andy Warhol, Irving Penn und Horst P. Horst sowie mehrere Arbeiten junger Künstler. Um die kunsthistorischen Einflüsse, denen sich Sachs zweifelsohne ausgesetzt sah, deutlicher zu machen, hängen in der Schweinfurter Ausstellung auch ausgewählte Arbeiten seiner Kunstsammlung, unter anderen Rene Magrittes „Colere des Dieux“ aus dem Jahr 1960, Ives Tanguys „Composition Surréaliste“ aus dem Jahr 1939 oder auch Michel-
angelo Pistolettos „Femme à la Pipe la Venere“ von 1973 um nur einige zu nennen. Surrealismus, Pop-Art und Nouveau Réalisme dürften die Kunstrichtungen sein, die Gunter Sachs maßgeblich beeinflusst haben.

Ein weiterer Teilbereich der Ausstellung widmet sich dem Phänomen, dass Sachs selbst eine von Paparazzi gejagte Berühmtheit war und dementsprechend oft als Fotomotiv dienen musste oder aber auch von befreundeten Fotografen wie beispielsweise Will McBride portraitiert wurde.

Die Präsentation des gesamten filmischen Werkes von Gunter Sachs rundet die ca. 170 Exponate umfassende Übersichtsausstellung „Gunter Sachs – Kamerakunst“ ab.

Die von der Kunsthalle Schweinfurt und dem Institut für Kulturaustausch Tübingen organisierte Ausstellung findet aber nicht allein in der Kunsthalle statt. Mit der Sparkassengalerie der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge gibt es einen ergänzenden Standort für diese Exhibition.

 

Kunsthalle Schweinfurt, Rüfferstraße 4, 97421 Schweinfurt, www.kunsthalle-schweinfurt.de

Öffnungszeiten: Täglich von 10 - 17 Uhr, Donnerstags von 10 - 21 Uhr, Montags geschlossen. Jeden 1. Donnerstag im Monat ist freier Eintritt in der Kunsthalle Schweinfurt.

 

Sparkassengalerie in der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, Rossmarkt 5-9, 97421 Schweinfurt

Öffnungszeiten: Täglich von 8.30 – 17 Uhr, Freitags von 8.30 – 16.30 Uhr

Copyright Fotos:

Jay Ullal, Portait Gunter Sachs, 1972, Foto © Kunsthalle Schweinfurt

Andreas Feininger, Brooklyn Bridge, 1940, Foto © Kunsthalle Schweinfurt

 

Ludwig Märthesheimer
05.04.2019

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