Aller guten (Bauhaus)Dinge sind Drei!

Neueröffnung des Bauhaus-Museum Weimar, des Neues Museum Weimar und des Haus am Horn

Aller guten (Bauhaus)Dinge sind Drei!

Nachdem wir uns in unserer letzten Ausgabe bereits generell mit der Geschichte des Bauhaus befasst haben, möchten wir dieses Mal gerne einen etwas engeren Blick nach Weimar werfen und die ab April 2019 mit den Neueröffnungen des Bauhaus-Museum Weimar und des Neues Museum Weimar beginnenden Festlichkeiten. Das von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründete Bauhaus, enstand durch die Zusammenlegung der ehemaligen Großherzoglichen Kunsthochschule mit der von Henry van de Velde begründeten Großherzoglich Sächsische Kunstgewerbeschule. Gropius gab dem Konstrukt einen neuen Namen und schon war das Staatliche Bauhaus Weimar geboren. 100 Jahre ist dies nun her und aus diesem Grund feiert nicht nur Weimar, sondern auch ganz Deutschland dieses Gründungsjubiläum.

In Weimar speziell passiert dies unter dem Motto „Ein Jubiläum | Drei Museen“. Rechtzeitig zu diesem Anlass eröffnet die Klassik Stiftung Weimar am 5. April, im Beisein des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und der Kultur- und Medienbeauftragten des Bundesregierung, Monika Grütters, das Bauhaus-Museum Weimar mit der Ausstellung „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ sowie, am Gründungsort der legendären Kunsthochschule, das Neue Museum Weimar mit der Ausstellung „Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900“. Beide Häuser stehen im Zentrum eines Kulturquartiers, das die wechselvolle Geschichte der Moderne im Weimarer Stadtgefüge vermitteln wird.

Das Bauhaus-Museum Weimar wird in zeitgenössischer Architektur und mit innovativer Ausstellungsgestaltung die Exponate der weltweit ältesten Bauhaus-Kollektion erstmals umfassend inszenieren. Die von Walter Gropius bereits 1925 angelegte Sammlung von 168 Werkstatt-
arbeiten ist mittlerweile auf 13.000 Objekte angewachsen. Dazu zählen Gegenstände wie die berühmte Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker, der Lattenstuhl von Marcel Breuer und Teppiche von Gunta Stölzl und Gertrud Arndt. Eindrucksvolle Gemälde wie Lyonel Feiningers »Kirche von Gelmeroda XI« und Paul Klees »Wasserpark im Herbst«, herausragende Möbel von Mies van der Rohe und die Sammlung Ludewig bieten einen hervorragenden thematischen Überblick über die Entwicklung der einflussreichsten Design- und Kunstschule des 20. Jahrhunderts. Neben Designikonen und bislang nicht gezeigten Zeitdokumenten stehen die großen Fragestellungen, Utopien und Experimente zur Lebensgestaltung des frühen Bauhauses und der zwanziger Jahre im Mittelpunkt der Ausstellung.

In der Ausstellung „Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900“, die zeitgleich im Neuen Museum Weimar gezeigt wird, werden herausragende, internationale Werke des Realismus, Impressionismus und des Jugendstils präsentiert. Sie spiegeln eine gleichsam glanzvolle wie widersprüchliche Epoche mit vielen Bezügen zu unserer Gegenwart. Von Friedrich Nietzsche als Vordenker und Kultfigur ausgehend, werden wichtige Positionen der frühen Moderne in Weimar vorgestellt. Hierzu zählen die Werke der Weimarer Malerschule und die von Harry Graf Kessler geförderte Avantgarde von Claude Monet bis Max Beckmann. Mit zahlreichen Exponaten wird das funktionale wie elegante Design Henry van de Veldes präsentiert.

Etwa vier Wochen später, am 18. Mai 2019, eröffnet die Klassik Stiftung Weimar anlässlich des Geburtstags von Walter Gropius (* 18. Mai 1883) zudem das restaurierte Musterhaus Am Horn, die erste realisierte Bauhaus-Architektur von 1923. Es gilt als Vorläufer moderner Wohnideen. Hier materialisierten sich zum ersten Mal die revolutionären Ideen des Bauhauses in einer eigens gestalteten Architektur. Das von Georg Muche entworfene Musterhaus, dessen komplettes Mobiliar aus den Bauhaus-Werkstätten von Bauhäuslern wie Marcel Breuer, Theodor Bogler oder Alma Siedhoff-Buscher stammte, entstand zur ersten Bauhaus-Ausstellung 1923. Als einzige in Weimar realisierte Bauhaus-Architektur gehört es zum UNESCO-Welterbe „Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau“. Das Bauhaus-Museum Weimar präsentiert gleichzeitig den »Neuen Alltag«, der mit neuen Techniken, der neuen Rolle der Frau und neuen Materialien in den 1920er-Jahren Einzug hielt – und schlägt damit wiederum eine Brücke zum Haus am Horn.

Copyright Fotos:

 

 

 

Foyer mit dem Kunstwerk »Sundial for Spatial Echoes« von Tomás Saraceno / Foyer with Tomás Saraceno’s artwork »Sundial for Spatial Echoes«, Visualisierung / visualization, 2018, ©Tomás Saraceno

Oskar Schlemmer, Spiel mit Köpfen, Foto © Oskar Schlemmer

Neues Museum Weimar, Foto © Jens Hauspurg, Klassik Stiftung Weimar


05.04.2019

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