Wahrheitsfindung in der Blauen Nacht

Zum 17. Mal lädt Nürnberg zur Langen Nacht der Kunst und Kultur ein

Wahrheitsfindung in der Blauen Nacht

 Wahrheit(en) gibt es viele auf dieser Welt, das ist eine Tatsache. Allein die Existenz des Plurals beweist das. Die EINE Wahrheit zu finden, ist deshalb mehr als nur schwierig und erweist sich als unmögliches Unterfangen. Gott sei Dank hat niemand ein Alleinrecht auf die Wahrheit, auch wenn man sich das insgeheim manchmal wünschen würde. Schwarz-weiß betrachtet wäre manches scheinbar so viel einfacher. Die politische Situation, nicht nur auf Europaebene, beweist das gerade wieder eindrücklich. Aber „einfach“ ist nicht gleich „richtig“, ergo nicht gleich die „Wahrheit“.

Stundenlang könnte man so weiterphilosophieren, sogar eine ganze Nacht hindurch. Das dachten sich wohl auch die Organisatoren der diesjährigen Blauen Nacht in Nürnberg, denn „Wahrheit(en)“ wurde zum Leitthema 2016 erkoren. Das verspricht interessant zu werden.

Auf 70 Einzelveranstaltungen und Kunstaktionen in der Nürnberger Innenstadt kann man der Sache in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai genauer auf den Grund gehen. Zahlreiche Institutionen beteiligen sich an der Langen Nacht der Kunst und Kultur – darunter unter anderem das Germanische Nationalmuseum, das Neue Museum, das Staatstheater Nürnberg, diverse Galerien und Kirchen – und stellen Künstlern von nah und fern Gebäude und Innenhöfe für Tanz- und Theaterveranstaltungen, Performances, Installationen und Führungen zur Verfügung. Sobald es so weit ist, wird die ganze Stadt in tiefblaues Licht getaucht, Straßenlaternen, Häuserwände und sämtliche Kunststationen werden königsblau gefärbt. Und dieses Jahr eben im Zeichen der „Wahrheit“.

Können sich Wahrheiten im Laufe der Zeit oder im Laufe eines Lebens verändern? Die Antwort ist ja. Vielleicht müssen sie das sogar. Wie genau das aussehen kann, zeigt das polnisch-deutsche Künstlerehepaar Katarzyna und Olaf Prusik-Lutz, die in diesem Jahr das Wahrzeichen der Frankenmetropole – die Kaiserburg und ihre Mauern – mit ihrer Projektion „Wahnheiten“ (in leichter Abwandlung zum Leitthema) zum Erstrahlen bringen. Sonst eher als Solokünstler unterwegs, eint sie bei diesem Gemeinschaftsprojekt jedoch das abstrakte Denken und die Liebe zu allem Surrealen. Mehr wird noch nicht verraten. Alle, die sich aber trotzdem schon vorher intensiver mit dieser Projektionsgeschichte befassen wollen, können sich die Entwürfe vom 28. April bis 25. Mai 2016 in einer Ausstellung im Glasbau des KunstKulturQuartiers ansehen.

Ein weiteres Highlight an diesem Abend ist mit Sicherheit auch die Installation der Light-&-Art-Spezialisten von Balestra Berlin auf dem Nürnberger Hauptmarkt. Die vielköpfige Crew installiert zu diesem besonderen Anlass sogenannte Kubik-Gebilde, ein architektonischer Aufbau aus 180 illuminierten Wassertanks im Baukastensystem, die über eine App gesteuert werden können und die Besucher via Smartphone zur Interaktion einladen wollen. Die Displays der Handys leuchten dann in denselben, ständig wechselnden Farben wie der Kubik und auf den vielen kleinen Lautsprechern der Handys sind zur selben Zeit verschiedene Klänge zu hören und lassen eine kleine „Symphonie“ entstehen. Damit wird das Bild perfekt.

Wie in jedem Jahr wurden beim Blaue-Nacht-Kunstwettbewerb bereits Anfang des Jahres 12 Künstler von einer Fachjury für die Ausstellung ihrer Projekte im Mai auserkoren. Die Künstler hatten bis Dezember vergangenen Jahres Zeit, sich zu bewerben. In der Blauen Nacht wird das Publikum dann kurzerhand selbst zur Jury und stimmt in geheimer freier Wahl darüber ab, wer den mit 5.000 Euro dotierten Publikumspreis mit nach Hause nehmen darf.

Weitere Informationen finden Sie unter www.blauenacht.nuernberg.de

 

 

Copyright Fotos:
Kaiserburg, Blaue Nacht in Nürnberg, Foto © Uwe Niklas
Staatstheater, Blaue Nacht in Nürnberg, Foto © Jutta Missbach
Lessingstraße, Blaue Nacht in Nürnberg, Foto © Heiko Stahl, DBmuseum



 

Franziska Gurk
24.03.2016

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