„Ihre Kunst hat keinerlei Pathos, sie ist streng, programmiert und systematisch.“

Verleihung des Peter C. Ruppert Preises im Museum im Kulturspeicher Würzburg

„Ihre Kunst hat keinerlei Pathos, sie ist streng, programmiert und systematisch.“

Der diesjährige Peter C. Ruppert Preis für Konkrete Kunst in Europa geht an den Künstler Hans Jörg Glattfelder. Oberbürgermeister Christian Schuchardt überreichte den mit 15.000 Euro aus der Stiftung Peter C. Ruppert dotierten Preis bei einer Feierstunde im Museum im Kulturspeicher am 8. November 2016.

Zur Verleihung waren neben dem Ehepaar Rosemarie und Peter C. Ruppert auch die Schweizer Konsulin Sandra Chawla-Gantenbein vom Schweizerischen Generalkonsulat München und ein früherer Preisträger des Peter C. Ruppert Preises, Hejio Hangen, anwesend.

Glattfelder, geboren 1939 in Zürich, zählt zu den herausragenden, international angesehenen Schweizer Vertretern der Konkreten Kunst. Der Kunsthistoriker Serge Lemoine, Laudator der diesjährigen Preisverleihung und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der konstruktiv-konkreten Kunst und früherer Präsident des Musée d’Orsay in Paris, bezeichnete Glattfelder als Teil der „dritten Generation der Konkreten Künstler“ nach Max Bill und François Morellet“ und betonte die Einzigartigkeit seines Oeuvres: „Ihre Kunst hat keinerlei Pathos, sie ist streng, programmiert und systematisch. Und doch ist sie besonders, manchmal bizarr und sogar verstörend: Ist das eben oder wellig? Wo ist die Vertiefung, wo die Erhebung? Das Viereck ist nicht das Viereck, die gerade Linie nicht gerade und die Raute de-formiert.“

Die Sammlung Ruppert im Museum im Kulturspeicher verfügt über insgesamt drei Werke des Künstlers, darunter eines aus der Werkserie „nicht-euklidische Metaphern“. Gemälde dieser Serie stellen gekrümmte Räume dar, die der gewohnten Würfelform als Raumvorstellung widersprechen und eine große suggestive Kraft ausüben. Das Bild scheint über der Wand zu schweben. Hierbei wählt Glattfelder den Ausdruck „Metapher“ bewusst, denn er sieht sich als Maler, nicht als Illustrator der Mathematik. Mit diesen die Wahrnehmung verblüffenden und faszinierenden Werken schuf Glattfelder eine bis dato nicht gekannte Bildform in der Konkreten Kunst. Glattfelder betont den Stellenwert des wissenschaftlichen Denkens in der Kultur und greift für seine Malerei auf Theorien der Mathematik zurück. Hierbei sei auf sein „Glossar. Worte und Begriffe zur Konkreten Kunst“ hinzuweisen, das exklusiv auf der  Homepage des Museums im Kulturspeicher abrufbar ist.

Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro wird bereitgestellt durch die Stiftung Peter C. Ruppert. Der Preis wird in dreijährigem Turnus vergeben. Frühere Preisträger waren der Franzose François Morellet, der Deutsche Heijo Hangen und die Ungarin Dóra Maurer.

 

Copyright Foto:

Sandra Chawla-Gantenbein, Hans Jörg Glattfelder, das Ehepaar Rosemarie und Peter C. Ruppert, Oberbürgermeister Christian Schuchardt (v. l. n. r.), Foto © Achim Schollenberger

Hans Jörg Glattfelder, Relief 9x9 Pyramiden 343,1972, Museum im Kulturspeicher Würzburg, Bild © Hans Jörg Glattfelder           

 

pm/red
15.11.2016

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