TABEA ZIMMERMANN, VIOLA

Artist in Residence in der Saison 2012/13

TABEA ZIMMERMANN, VIOLA

 Sie ist ein Ausnahmetalent, hat ein ausgezeichnetes Musikverständnis und eine natürliche Art zu spielen. TABEA ZIMMERMANN ist eine der führenden zeitgenössischen Bratschistinnen weltweit. Als Artist in Residence gastierte sie bereits in Köln und der Philharmonie Luxemburg, beim Kunstfest Weimar sowie beim Bozar Festival in Brüssel und bei den Elbphilharmonie Konzerten.

 

In der Saison 2012/13 ist sie Artist in Residence bei den Bamberger Symphonikern, bei denen sie seit 1988 gern gesehener Gast ist und seitdem das Orchester-Repertoire für Viola für das Bamberger Publikum erschließt. Längst gehört sie zur ersten Liga der Orchestermusik (Berliner Philharmoniker, London Symphony Orchestra, Tschechische Philharmonie, Salzburger Festspiele u.a.), aber auch die Kammermusik nimmt eine bedeutende Rolle für sie ein. Mit dem Arcanto Quartett, das sie zusammen mit den Geigern Antje Weithaas und Daniel Sepec sowie dem Cellisten Jean-Guihen Queyras bildet, hat sie in den letzten Jahren mit großem Erfolg Bühnen weltweit bespielt.

 

Tabea Zimmermann hat das Interesse vieler zeitgenössischer Komponisten für die Bratsche geweckt und zahlreiche neue Werke in das Konzert- und Kammermusikrepertoire eingeführt. Ihre Aufnahmen sind ausnahmslos gelungen und beliebt und ziehen sich quer durch Musikgeschichte und -repertoire. Für ihr Album „Suiten für Viola“ (J.S. Bach/M. Reger) erhielt sie 2010 den Echo-Klassik-Preis. Mit „Suiten für Viola und Klavier“, aufgenommen mit Kirill Gerstein knüpft sie daran an. Insgesamt dokumentieren über 30 CDs, die unter anderem bei myrios, Teldec und Deutsche Grammophon erschienen sind, Tabea Zimmermanns musikalisches Schaffen.

 

Für ihr künstlerisches Wirken ist Tabea Zimmermann sowohl in Deutschland als auch im Ausland mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Frankfurter Musikpreis, dem Hessischen Kulturpreis, dem Rheingau Musikpreis, dem Internationalen Preis der Accademia Musicale Chigiana in Siena und dem Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau. 

 

Ihre Biographie verwundert nicht. Erstes Geigenspiel im Alter von drei Jahren. Nur zwei Jahre später begann sie mit Klavier. Nach der Schule studiert sie an der Hochschule für Musik in Freiburg sowie am Mozarteum in Salzburg. Durch zahlreiche Preise verschaffte sie sich schnell ein hervorragendes Renomme. 1982 erhält sie den ersten Preis bei der Concours de Genève - International Music Competition, 1984 in Budapest und 1983 beim damals ganz neuen Wettbewerb Maurice Vieux International Viola Competition. Dort gewann sie eine Viola, die vom zeitgenössischen Geigenbauer Etienne Vatelot gebaut wurde und auf der sie seitdem spielt. 1987 bis 2000 gab sie regelmäßig Konzerte mit David Shallon, dem Vater ihrer Söhne. Nach Lehraufträgen an der Hochschule für Musik Saar und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, unterrichtet sie seit Oktober 2002 als Professorin an der Hochschule für Musik Hans Eisler in Berlin. 

In der anstehenden Saison gibt sie in Bamberg Kammermusik und Orchesterkonzerte und auch die Saison des Musikvereins Bamberg wird von ihr, zusammen mit Silke Avenhus, eröffnet. Wir haben uns im Vorfeld mit der Ausnahmekünstlerin über ihr musikalisches Schaffen und ihre Pläne für Bamberg unterhalten:

 

Interview

 

Ihnen wurde die Musik quasi in die Wiege gelegt. Und sie hat Ihnen eine Bilderbuchkarriere beschert. Hat Ihnen Ihr Beruf stets Spaß gemacht, sowohl das Unterrichten wie auch das Spielen? Oder gab es auch einmal Zweifel?

 

 

Tabea Zimmermann:

Wenn es solche Zweifel gab, liegen sie sehr lange zurück. Besonders tiefgreifend waren sie auch nicht. Damals musste ich lernen die eigenen Kräfte einzuschätzen. Nachdem ich bei einigen Wettbewerben Preise gewonnen hatte, kamen viele Angebote, die ich gerne angenommen habe. Ich merkte dann, welche Verpflichtungen ich damit eingegangen war und was ich alles zu bewältigen hatte. Das war damals nicht ganz einfach. Aber je länger ich spiele, umso größer ist meine Freude an der Musik. Sie ist eine prima Möglichkeit sich vom Alltag abzugrenzen. Diese Normalität ist mir sehr wichtig. Ich will meine Zeit als Mutter haben. Und brauche auch Phasen, in denen ich mich auf die Musik konzentrieren darf.

 

Familie, Lehrtätigkeit und eine große Karriere als Solistin - wie bewältigen Sie das alles?

Tabea Zimmermann:

Es ist schwer. Wirklich schwer. Es bedarf dafür täglich einen Balanceakt, der schon auch richtig problematisch sein kann. Hierbei muss ich Prioritäten setzen. Die liegen bei meiner Musik und meinen drei Kindern. Um die Bedürfnisse mit den Kindern mit den eigenen zu vereinbaren, muss ich klare Grenzen ziehen: Ich spiele maximal 50 Konzerte pro Jahr und wähle diese nach strengen Kriterien aus. Zwar ist die Versuchung groß, mehr zu tun, aber das normale Leben darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Erst einmal Mensch, dann auch Musiker - und nicht umgekehrt. Daher mache ich keine großen Tourneen mehr, seit ich Kinder habe und sehe ganz bewusst auf die Rahmenbedingungen bei Engagements. Inzwischen spiele ich nur noch Konzerte, die inhaltlich interessant sind und mit ausgewählten Partnern. 

 

Wann war klar, dass es die Bratsche werden wird? Sehen Sie heute Vor- oder Nachteile, die Ihnen durch diese Wahl entstanden sind? Bewerten Sie auch selbst Ihr hochgeschätztes Verdienst um das Instrument und seine Literatur?

Tabea Zimmermann:

Ich bekam die Bratsche, da meine Geschwister bereits Geige, Cello und Klavier belegten. Ich denke ich wollte ihnen mit der nötigen Portion Trotz zeigen, dass die Viola das schönste aller Instrumente ist.

 

Unterrichten ist ein großer Bestandteil Ihrer musikalischen Karriere. Unabhängig von Lehrstunden für Studenten - unterrichten Sie auch Ihr Publikum bei Ihren Konzerten auf eine Weise? Im Spiel mit der Partitur vielleicht? Durch Interpretation und Meinungsfreiheit durchaus weniger geläufiger Werke zum Beispiel? Oder auch durch zahlreiche Uraufführungen, die Ihnen zu verdanken sind?

 

Tabea Zimmermann:

Nein, ich belehre mein Publikum nicht. Ich denke, man soll so spielen, dass es sich selbst erklärt. Erklärte Konzerte können zwar auch großartig sein, aber das ist nicht meine Stärke. Ich will meine Interpretation gefühlsmäßig deutlich machen. Das Spielen kann eine Qualität haben, so dass es sich selbst erklärt. Wenn überhaupt, würde ich ein Gespräch mit dem Hörer einer klassischen Einführung, also einem Vortrag meinerseits, vorziehen. Insgesamt möchte ich die Erfahrungen weitergeben, die ich mache, möchte ich durch meine Interpretationen wirken. Es geht nicht darum irgendwelche Literatur zu erschließen und dazu die richtige Art und Weise zu unterrichten. 

 

Sie sind seit 1988 immer wieder in Bamberg zu Gast. Viele der großen Violakonzerte wurden gemeinsam mit den Bamberger Symphonikern aufgeführt. Wie würden Sie die Entwicklung zwischen Ihnen und dem Orchester den Dirigenten hier bezeichnen? Gibt es etwas, was Sie hier ganz speziell schätzen?

 

Tabea Zimmermann:

Die Erfahrungen sind immer sehr unterschiedlich, egal wo ich auftrete. Ich hatte auch in Bamberg schon sehr gute und schlechte Erlebnisse gemacht. Zum Beispiel kann ich mich an einen Dirigenten erinnern, der seine Partitur bei der ersten Probe zum ersten Mal öffnete. Das war förmlich zu hören. Genauso kann es vorkommen, dass mal der 1. Mann nicht zum Orchester passt und alle erdenklichen anderen Konstellationen. Es ist immer ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Und Du machst mit den gleichen Menschen unter Umständen sehr verschiedenartige Erfahrungen. Schließlich wird man zunehmend wählerisch. Und ab und an probiere ich es auch einfach ohne einen Dirigenten und übernehme selbst die Leitung. 

 

In der kommenden Saison werden Sie als „artist in residence“ eine ganze Reihe von Konzerten mit dem Orchester spielen. Was bedeutet es Ihnen nach Weimar, Luxemburg und Hamburg nun nach Bamberg dazu eingeladen worden zu sein?

 

Tabea Zimmermann:

Bamberg habe ich sehr gerne angenommen. Immerhin verbinden mich über zwanzig Jahre Zusammenarbeit mit dem Orchester. Auch Wolfgang Fink kenne ich sehr gut. Ich bin sicher, dass es ein sehr angenehmer Aufenthalt werden wird.

 

Wie kam es zur Festlegung der Literatur, die Sie in Bamberg aufführen werden? Vorneweg Hindemith. Und schließlich Georges Lentz‘s Monh, das eigens für Sie geschrieben wurde. Es war für eine Aufführung in Bamberg nahe liegend und dürfte auf Ihrer Wunschliste ganz oben gestanden haben.

 

Tabea Zimmermann:

Das Repertoire festlegen war eine Gemeinschaftsarbeit. Wolfgang Fink war hierbei sehr offen und wir haben uns nach einigen Überlegungen auf das jetzige Programm verständigt. Das heißt, die Kammermusik haben wir noch offen gelassen. Die wählen wir dann bald im Laufe der ersten Begegnungen aus, wenn sich abzeichnet, was für die Konstellationen vor Ort am viel versprechendsten ist. Auch eine Aufführung ohne Dirigenten ist vorgesehen, wie dem Programm zu entnehmen ist. Zunächst wollte ich hierfür etwas anderes ausprobieren, mir einen Traum erfüllen. Das schien mir jedoch zu gewagt und jetzt bin ich froh, dass das Programm so ist, wie es ist. Hindemith ist „coole“ Musik. Was Georges Lentz Monh anbetrifft, so gibt es ja diese Verbindung von Georges Lentz und Bamberg. Auch habe ich es bereits in Sydney auf Einladung von Wolfgang Fink aufgeführt und ich freue mich darauf es mit Jonathan Nott gemeinsam aufzubereiten. 

 

Neben Orchesterwerken spielt auch die Kammermusik für Sie eine größere Rolle. Und auch in Bamberg werden wir Sie in den nächsten Monaten zweimal in kleiner Besetzung erleben dürfen. Zum einen eröffnen Sie zusammen mit Silke Avenhaus am Klavier die Saison des hiesigen Musikvereins. Zum anderen ist ein kammermusikalisches Sonderkonzert mit Musikern der Bamberger Symphoniker angekündigt, dessen Programm noch bedeckt gehalten wird. Ist es Zufall, dass Sie in der kommenden Saison auch Kammermusik in Bamberg machen oder steckt eine bestimmte Überlegung dahinter - ein Kontrast zu Ihren Konzerten mit dem Orchester womöglich? 

 

Tabea Zimmermann:

Das ist richtig. Die Kammermusik bedeutet mir viel. Und ich bin sehr froh, auch in kleineren Ensembles in Bamberg präsent zu sein. Es bietet natürlich andere Möglichkeiten, die aber ebenso spannend sind wie das Spiel mit dem Orchester.

 

Wir freuen uns sehr auf eine Saison mit Ihnen in Bamberg. Ich bedanke mich sehr für Ihre Zeit und die interessanten Antworten.

 

 


25.09.2012

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