Wenn man nicht kriegt, was man liebt, muss man lieben, was man kriegt

Einmal mehr ist das Programm der fränkischen Bühnen für die Monate Dezember und Januar breit gefächert

Wenn man nicht kriegt, was man liebt, muss man lieben, was man kriegt

Schauspiel/Sprechtheater

Eine „Burleske mit Musik“ wartet gleich am 1. Dezember auf das Publikum des ETA Hoffmann Theaters Bamberg: Johann Nestroys „Häuptling Abendwind oder Das gräuliche Festmahl“, das letzte Stück des Wiener Autors aus dem Jahre 1862. In dieser Burleske karikiert Nestroy die zivilisierte Wiener Gesellschaft als die eigentliche Menschenfresserbande. Er verlegt das Stück in die Südsee, um sich über die Arroganz der so genannten Zivilisation gegenüber den kolonisierten Völkern lustig zu machen, also letztlich über die arrogante Haltung der „westlichen Welt“ gegenüber dem „Rest“. Im Neuen Jahr steht zunächst eine Uraufführung ins Haus: Bettina Erasmys „Brand“, eine westdeutsche Familiengeschichte, die über den Zeitraum eines halben Jahrhunderts hinweg erzählt wird. Premiere ist am 19. Januar. Eine Woche später steht ein preisgekröntes Stück auf dem Programm, dessen Titel für sich spricht: Stefano Massinis „Lehman Brothers“, inszeniert von der Hausherrin Sibylle Broll-Pape.

Ein Lustspielklassiker steht am Landestheater Coburg ab dem 13. Januar auf dem Programm: Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“. Johannes Zametzer inszeniert die Komödie um den Dorfrichter Adam, den alten Schwerenöter, der tolldreist das Recht verbirgt, um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Diese Partie gilt als deutsche Schauspiel-Paraderolle schlechthin, und mit jeder Schauspielergeneration wachsen neue Dorfrichter heran…

Das Theater Dinkelsbühl offeriert ab 10. Januar nichts weniger als „Schillers sämtliche Werke… leicht gekürzt“. Michael Ehnert hat für alle, die Zeit und Geld sparen sowie nebenbei noch die Lachmuskeln trainieren wollen, ein vergnügliches Schiller-Potpourri zusammengestellt. Vier Schauspieler machen sich auf die Suche nach dem ganzen, wahren Schiller. Sie begegnen der schönen Luise und ihrem Ferdinand, dem spanischen Infanten Don Carlos, der englischen Königin Maria Stuart und vielen anderen. Zugegeben: Leichte Kürzungen mussten am Gesamtkunstwerk vorgenommen werden, doch geschadet hat ihm das keineswegs…

Am Markgrafentheater Erlangen hat das Dokumentartheater „#Meinungsmacher“ seine Premiere am 19. Januar. In dem Stück von Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura geht es um die Frage, wie sehr wir von digitaler Meinungsmache auf Facebook, Twitter und Co. abhängig geworden sind. Das Internet verspricht Hoffnung und Schrecken zugleich. Immer lauter wird deshalb die Diskussion über Chancen und Risiken des digitalen Fortschritts. Die Autoren zeichnen auch für die Inszenierung verantwortlich.

Das Stadttheater Fürth beginnt den Dezember saisongemäß mit der „Weihnachtsgeschichte“ nach Charles Dickens, bevor die Eigenproduktion „Judas“ wieder aufgenommen wird. „Als ich ein kleiner Junge war…“ am 14. Dezember wird als „vorweihnachtliche Geschichte für Erwachsene“ angekündigt, tags drauf stellt das Metropoltheater München das Schauspiel „Wie im Himmel“ von Kay Pollak vor. Bertolt Brechts Klassiker „Mutter Courage und ihre Kinder“ wird ab dem 13. Januar gleich acht mal gezeigt. Es handelt sich um eine Eigenproduktion des Stadttheaters Fürth in der Inszenierung von Werner Bauer. Die Musik Paul Dessaus wird von Norbert Nagel interpretiert.

Am Theater Schloss Maßbach hat am 15. Dezember die Komödie „Venedig im Schnee“ von Gilles Dyrek Premiere. In diesem Stück, das bis Ende Januar auf dem Spielplan steht, werden Verwirrungen, Missverständnisse und Verwechslungen mit phantasievollem Sprachwitz auf die Spitze getrieben. Die Regie führt Susanne Pfeiffer.

Im Staatstheater Nürnberg hat am 16. Dezember Joel Pommerats „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ Premiere. Dabei geht es weniger um eine fiktive Wiederöffnung der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea, sondern um die Liebe in Zeiten des Individualismus und unbegrenzter Wahloptionen. Zwei Dutzend Männer und Frauen treffen in diesem Stück in unterschiedlichsten Konstellationen aufeinander, sprechen Wahrheiten aus, geben Geheimnisse preis, kämpfen für die Liebe und scheitern an ihr.

Für die Kinder zeigt das Theater der Stadt Schweinfurt ab 5. Dezember „Bambi“ in einer Fassung der Unterfränkischen Landesbühne – Theater Schloss Maßbach. Weihnachtlich wird’s am 21./22. Dezember mit der „Christmas Carol“ nach Charles Dickens, während im Neuen Jahr im Schauspielbereich zunächst ein Drama auf dem Programm steht. Die Komödie am Kurfürstendamm Berlin gastiert am 18./19. Januar mit Tennessee Williams’ „Die Glasmenagerie“. Entspannter wird’s ab dem 21. Januar, wenn der BR-Komödienstadl „Göttinnen in weißblau“ vorstellt, ein Lustspiel in drei Akten von Cornelia Willinger.

Musiktheater I: Oper

Das Landestheater Coburg lässt sich bis zur nächsten Opernpremiere noch bis Anfang Februar Zeit, aber schon jetzt darf man bezüglich der alarmierenden Pläne für die Zeit während der Generalsanierung aufatmen: ein Verzicht auf die Interimsspielstätte hätte die ganze Musiktheatersparte gefährdet!

Am Stadttheater Fürth gibt es am 27. Januar eine Aufführung von Otto Nicolais Oper „Die Lustigen Weiber von Windsor“, die vom Anhaltischen Theater Dessau als Gastspiel angeboten wird. Die Inszenierung stammt von Benjamin Prins, die musikalische Leitung obliegt Elisa Gogou.

Die Staatsoper Nürnberg pausiert mit Neuinszenierungen bis zu Mozarts „Idomeneo“, der Anfang Februar aus der Taufe gehoben wird. Aber die Wiederaufnahmen von Verdis „Othello“ und Bizets „Carmen“ am 14. bzw. 27. Januar sind eine Vormerkung im Kalender wert.

Gioacchino Rossinis „Barbier von Sevilla“ ist am 20. Dezember im Theater der Stadt Schweinfurt zu sehen, präsentiert von der Kammeroper München.

Mit Giuseppe Verdis Oper „Die sizilianische Vesper“ setzt das Mainfrankentheater Würzburg die Auseinandersetzung mit der Gattung der „Grand Opéra“ fort. Die selten zu sehende Historienoper ist in Würzburg in der französischen Originalfassung zu sehen. Es dirigiert GMD Enrico Calesso, die Regie führt Matthew Ferraro, Premiere ist am 20. Januar.

Musiktheater II: Operette und Musical

Am Landestheater Coburg ist ab 2. Dezember eine Charmeoffensive angesagt, denn dann steigt die Premiere von Franz Lehárs „Das Land des Lächelns“, seiner unsterblichen Operette, die in ihrer erfolgreichen zweiten Fassung ganz auf den legendären Tenor Richard Tauber ausgelegt war. Magdalena Fuchsberger wird das Werk inszenieren und es dabei wohl mit aktuellen Anspielungen bereichern.

Das Stadttheater Fürth widmet den Dezember gleich zweimal dem Genre Operette und Musical, zunächst Anfang des Monats mit „Charleys Tante“, dem beliebten Stück aus der Feder von Brandon Thomas und mit der Musik von Ernst Fischer. Die Kammeroper München gastiert damit unter der Leitung von Nabil Shehata, die Inszenierung hat Dominik Wilgenbus besorgt. Vom 28. bis 31. Dezember steht das erfolgreiche Broadway-Musical „Hairspray“ als Gastspiel des Euro-Studios Landgraf auf dem Programm. Im Neuen Jahr geht es munter weiter mit den „Lustigen Weibern von Windsor“, doch die gehören eigentlich – zumindest offiziell – in die Opernsparte…

Am Theater Hof hat man lange warten müssen, bevor es Jacques Offenbachs großartige Operette „Die Großherzogin von Gerolstein“ zum ersten Mal in den Spielplan geschafft hat. Am 22. Dezember ist es so weit: unter der musikalischen Leitung von Walter E. Gugerbauer und in der Inszenierung von Ansgar Weigner feiert das recht satirische Stück seine Premiere. 1867 in Paris uraufgeführt, nimmt Offenbach aufgeblasene Machthaber und säbelrasselnde Militärs auf’s Korn. Der Plot ist recht einfach: ein weibliches Staatsoberhaupt muss von den umtriebigen Männern im Hofstaat kalt gestellt werden. Was passt da besser als eine Liebesgeschichte? Doch die Verwicklungen sind schon vorprogrammiert, und bald muss man sich mit der Weisheit begnügen, dass man lieben sollte, was man kriegt, wenn man schon das nicht kriegt, was man/frau eigentlich liebt.

Zum Jahresausklang präsentiert die Staatsoper Nürnberg eine Musical-Revue, die unter dem Titel „The Lights of Broadway“ den Glamour dieser Gattung ins Haus holen soll. Diese Revue aus berühmten Songs, gefühlvollen Balladen und mitreißenden Ohrwürmern ist Entertainment pur. Von George Gershwin bis Cole Porter, von „Cabaret“ bis „Singin’ in the Rain, von „Funny Girl bis zu „Sweet Charity“ reicht das Programm, für das gefeierte Stars wie Frederike Haas und Sophie Berner nach Nürnberg zurückkommen.

Ebenso wie in Fürth wird auch am Theater der Stadt Schweinfurt das Erfolgsmusical „Hairspray“ gezeigt, und zwar gleich viermal vom 14. bis 17. Dezember. Die Operette kommt erst im Neuen Jahr zu ihrem Recht. Emmerich Kálmáns unsterbliche „Gräfin Mariza“ wird von der Operettenbühne Wien Heinz Hellberg am 9./10. Januar aufgeführt.

Mit einer Operette aus der so genannten Silbernen Ära des Genres zu Beginn des 20. Jahrhunderts wartet das Mainfrankentheater Würzburg ab dem 2. Dezember auf: Emmerich Kálmáns „Die Csardasfürstin“. Während draußen der Krieg tobt, hebt sich am 17. November 1915 der Vorhang im Wiener Johann-Strauß-Theater für große Gefühle, die den Standesdünkel des Adels ins Wanken bringen…

Ballett und Tanztheater

Das Ballett Forum Franken stellt im Stadttheater Fürth in seiner Abschlussgala am 28. Januar die Laureaten des Ballettnachwuchs-Wettbewerbs „Der Goldene Schuh“ vor. Seit knapp 20 Jahren schlägt dieser Talentwettbewerb hohe Wellen in der Region und ist darüber hinaus zu einem Muss auf europäischer Ebene geworden.

Am Theater Hof gibt es auch in der Ballettsparte eine Erstaufführung: Sergej Prokofjews Ballett „Romeo und Julia“ wurde hier noch nie aufgeführt und kommt deshalb am 26. Januar zum ersten Male auf die Hofer Bühne. Der große Ballettabend der Spielzeit 2017/18 präsentiert eine tänzerisch herausfordernde Fassung, die das Publikum im Sturm zu erobern trachtet. Die Choreographie besorgt Ballettchefin Barbara Buser, die musikalische Leitung obliegt Daniel Spaw.

Die Compagnie des Staatstheaters Nürnberg präsentiert am 9. Dezember ein neues Tanzstück von Ballettchef Goyo Montero als Uraufführung. „Dürer’s Dog“ lautet der Titel des Werkes, dessen Beziehung zu Nürnberg nur allzu offensichtlich ist. Es wird eine Hommage an den Künstler und an seine Stadt zu erwarten sein. Die Rätselhaftigkeit und der Facettenreichtum von Albrecht Dürers Kupferstich „Melencolia I“ aus dem Jahre 1514 – wie auch das gesamte graphische Werk des Meisters – bilden für Goyo Montero einen Ideenfundus für seine neue abendfüllende Ballettkreation.

Das Theater der Stadt Schweinfurt startet mit einer „Russischen Weihnachtsrevue“ in den Dezember. Am 12./13. des Monats folgt mit „La Belle et la Bete“ Tanztheater aus Frankreich, genauer gesagt aus Biarritz (Mandalain Ballett). Das Rumänische Staatsballett gastiert am 29./30. Dezember mit einem klassischen Ballettmärchen nach Hans Christian Andersen: „Die Schneekönigin“. Tanztheater aus Spanien steht am 15./16. Januar auf dem Programm, wenn die Compagnie „DantzaZ“ ihre neueste Kreation „Aureo“ präsentiert.

Das Mainfrankentheater Würzburg setzt sein Format „Laboratorium Tanz“ auch in der neuen Saison fort, nämlich ab dem 18. Januar mit drei Tanzsequenzen, für welche Tänzer aus der Würzburger Ballettcompagnie als Choreografen verantwortlich zeichnen. Es ist eine Collage aus Kurzballetten zu erwarten, die sich im Spannungsfeld zwischen Tanz pur und Handlungsballett bewegen.

Blick nach Thüringen

Am Theater Erfurt steht ab 16. Dezember eine neue „Lustige Witwe“ Franz Lehárs an. Mal schauen, wie die Witwe diesmal die Männerwelt dazu bringt, nach ihrem Willen zu agieren… Obwohl es erst nach diesem Berichtszeitraum aktuell wird, wollen wir schon jetzt auf ein Gastspiel des Thüringer Staatsballetts hinweisen: das Tanztheaterstück „Dracula“ von Silvana Schröder, in dem es natürlich um den Mythos des transsilvanischen Prinzen geht. Dieses bildgewaltige Ballett mit Musik von Samuel Barber, Wojciech Klar und Wolfgang A. Mozart wurde erst vor kurzem in Gera uraufgeführt. Es verbindet einen hohen neoklassischen Anspruch an Choreographie und Tanz mit einer theatralen Intensität, die im Zusammenspiel mit Verena Hemmerleins Ausstattung in den Bann zieht. Zuvor, nämlich am 1. Weihnachtsfeiertag, wird es in Erfurt eine große Ballettgala geben.

Das Theater Meinigen bietet im Dezember zunächst zwei Klassiker ihrer Genres als Premieren an: in der Schauspielsparte Alan Ayckbourns Komödie „Die bessere Hälfte“ (am 14.12.), in der es um die Kunst geht, Affären vor dem anderen Teil des Ehepaares geheim zu halten, und in der Ballettsparte einen Tag später den Evergreen „Dornröschen“, das Handlungsballett von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Auch die erste Januarpremiere gilt einem bekannten Sujet, nämlich William Shakespeares Schauspiel „Der Sturm“, in dem Prospero, der ehemalige Herzog von Mailand, zum Alter Ego des Dichters wird. Am 25. Januar kommt unter der musikalischen Leitung Mario Hartmuths und in der Regie Lars Werneckes die einaktige Oper „Julie“ von Philippe Boesmans auf die Bühne. Das Libretto von Luc Bondy beruht auf August Strindbergs „Fräulein Julie“. Die letzte Januarpremiere gilt der Komödie „Sonny Boys“ von Neil Simon.

Das Deutsche Nationaltheater Weimar bringt ab dem 27. Januar eine Neuproduktion von Wolfgang A. Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ heraus, die den Auftakt zu einer Auseinandersetzung des Generalmusikdirektors Kirill Karabits mit der Mozarttradition in Weimar anhand der drei Da-Ponte-Opern bildet. Regie führt Michael Talke, der damit nach Massenets „Werther“ seine zweite Arbeit am DNT vorstellt.

 

Fotocredits:
Theater, Foto © pixabay.com
Theater Weimar bei Nacht, Foto © Thomas Müller
Stadttheater Fürth, Foto © Stadttheater Fürth

Martin Köhl
30.11.2017

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