Zeitgenössische Kunst im Bamberger Hain

Die Künstlergruppe Monopteros in Pavillons

Zeitgenössische Kunst im Bamberger Hain

Die Kunst ins Offene, ins Freie hinaus holt die Bamberger Künstlergruppe Monopteros. Zum elften Male in Folge verwandelt sich der Bamberger Hain, durch welchen bereits E. T. A. Hoffmann gern nach Bug spazierte, zum Ausstellungsraum und führt in fünf historischen Pavillons vor Augen, dass diese sich nicht nur zu einem abendlichen Stelldichein eignen. Am ersten Augustsonntag stellen die Monopteros-Mitglieder Sabrina Catowiez, Thomas Johann Dennerlein und Hans Günter Ludwig ihre Arbeiten aus. Eingeladen sind zudem zwei Künstler aus der Metropolregion Nürnberg, zum einen die aus Korea gebürtige Anna Bien, zum anderen Sven Weihreter.

 

Der Zauber dieser seit 2004 immer im Sommer wiederkehrenden Eintagsausstellung besteht vor allem darin, dass Altes auf Neues, Zeitgenössisches auf die Antike trifft, und dies in einer reizvollen, stadt- und bürgernahen Naturlandschaft. Inzwischen zieht sie Besucher aus ganz Deutschland an, im vergangenen Jahr waren es deren fünfzehnhundert.

 

Im sogenannten Ruhetempel präsentiert Anna Bien ein Ensemble aus Skulpturen. Der Hase steht im Zentrum dieser Rauminstallation. Das auch in Märchen und Fabeln verbreitete Säugetier aus der Familie der Leporidae, dem man in Eppelheim bei Heidelberg gar ein ganzes Museum gewidmet hat, symbolisiert in der bildenden Kunst zwischen Dürer, Modersohn-Becker, Polke und Hörl häufig Fruchtbarkeit und Sinneslust. Bei Bien horcht der Hase „hinein ins Zentrum zweier Kreise, die geschlossen und somit ohne Anfang und Ende sind, er lauscht zur Mitte, der das Entstehen vorbehalten ist“, wie die Künstlerin mitteilt. Bien, 1958 in Seoul geboren, hat zunächst in ihrem Heimatland Musik und chinesische Malerei studiert, hernach hat sie sich an der Nürnberger Akademie der bildenden Künste der Kunst der westlichen Moderne ausgesetzt. Vertreten war Bien beispielsweise 2007 bei der Gruppenausstellung „Sex in Fürth“, eine ihrer Einzelschauen war „Poesie“ betitelt (Kunstraum Sterngasse, Nürnberg, 2011).

 

Im Musikpavillon versucht Sven Weihreter, der tieferen Bedeutung der kleinen Dinge des Alltags nachzuspüren. Geboren 1967 in Nürnberg, hat er in München Industriedesign studiert und lebt seit einer Dekade als freischaffender Künstler in seiner Geburtsstadt. Zu seinen Werkzyklen zählt etwa „Engel – Überhöhung des weiblichen Akts“ (2003), eine seiner Einzellausstellungen galt „Amor und Psyche“ (2009, Galerie Zeitgeist, Nürnberg). Im Roten Pavillon, der auch als Monopteros bekannt ist und der Bamberger Gruppe den Namen gab, stellt Hans Günter Ludwig seine bebilderte Poesie vor. Der 1963 in Bamberg geborene Ludwig versteht sich auf Scherenschnitt, Tusche, Ölkreide, auf Farb- und Bleistifte. E. T. A. Hoffmann, Hesse, Kafka und der vor einem Jahrhundert verstorbene Christian Morgenstern haben ihn heuer zu seinen an Fantasie reichen Arbeiten inspiriert.

 

Im Steinernen Pavillon sind die abstrakten Werke des in Bamberg vor vier Dekaden geborenen Thomas Johann Dennerlein zu bewundern. Fäden, Wolle und Schnüre überlagern sich, verstricken sich in und miteinander und resultieren in einer, wie Dennerlein sagt, „geschlossenen Bildeinheit, in der das sensible Gleichgewicht aller zusammenhängenden Dinge dieser Welt veranschaulicht“ werde. Den Besucher am Steinernen Pavillon erwarte im wahrsten Wortsinn eine „spannende Kunst“. Im Hölzernen Pavillon stellt Sabrina Catowiez neuere Arbeiten in Collage- und Acryltechnik auf Leinwand aus, die Lebensstrukturen zum Inhalt haben sowie die „Vereinbarkeit des menschlichen Daseins mit dem natürlichen Raum“ in unserem Jahrhundert, so die 1967 in Bamberg geborene Catowiez. Außerdem zeigt sie ihr multiples Werk „KUNSTKUBUS“. Die neun Holzwürfel beleuchten die Geschichte des Turms als „Symbol und Zentrum menschlicher Lebensarchitektur“.

 

Am 3. August kann man sich im Bamberger Hain von der Vielfalt der zeitgenössischen Kunst ein Bild verschaffen und, auch das lohnt gewiss, zwischen 10 Uhr bis gegen 19 Uhr mit den Ausstellenden ins Gespräch kommen. Postscriptum: Unter einem Monopteros – die Bezeichnung rührt von den griechischen Worten „monos“ (einzig, allein) und „pteron“ (Flügel) – versteht man, das sei noch gesagt, einen kleinen, überdachten, antiken Säulenrundbau sowie dessen neuzeitliches Pendant in Parks. Beispiele finden sich im Englischen Garten, im Hofgarten zu Bayreuth und eben im Bamberger Hain.

 

Coypright Foto: Pressefotos Kunstpavillion 2014, Foto © Kunstpavillion Bamberg

Jürgen Gräßer
04.08.2014

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