Das Meer, das Meer, das Mittelmeer

David Abulafias großartige Biographie

Das Meer, das Meer, das Mittelmeer

Es stellt sich die – hier noch dazu arg dringliche Frage – wie denn in gerade einmal 1500 Zeichen ein Buch von sage und schreibe knapp tausend Seiten (aus dem Englischen kompetent übersetzt hat es, wie immer, Michael Bischoff) – angemessen zu würdigen sei. Abulafia jedenfalls, der als Professor für die Geschichte des Mittelmeerraumes an der Universität Cambridge lehrt, ist der kundigste Begleiter, den man sich für eine Reise entlang der Küsten des „Mare Nostrum“, wie die Römer das Mittelmeer nannten, nur wünschen kann. Er schreibt und beschreibt die Geschichte der Menschen, die dieses Meer befuhren und in den Hafenstädten und auf den Inseln lebten. Sein Augenmerk gilt den Vorgängen und Ereignissen, die den Mittelmeerraum verändert haben, so der Gründung Karthagos, der Geschichte Dubrovniks, Amalfis, Smyrnas, oder dem Bau des Suezkanals. Chronologisch aufgebaut, durchmisst der gewichtige Band fünf mediterrane Zeitalter von den vorchristlichen Tagen (Kupfer und Bronze, Kaufleute und Heroen) über die Zeit der Purpurhändler, der Söldner und Missionare, der Störenfriede und Eindringlinge (1571 bis 1650) bis hin zum Abgang der Osmanen (1900 bis 1918) und in das nahe Jetzt (2010; ein Jahr später ist die Originalausgabe erschienen). Abulafia ist eine meisterhafte Monographie gelungen, die ihresgleichen sucht.

 

David Abulafia, Das Mittelmeer. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2013. 960 Seiten, 34 Euro.

 

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Jürgen Gräßer
04.08.2014

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