Johann Sebastian Bach, Peteris Vasks

"Distant Light“, Violinkonzerte (ERATO)

Johann Sebastian Bach, Peteris Vasks

Zeitgenössische Musik hat es, abseits von den großen ihr gewidmeten Festivals wie etwa denen in Donaueschingen und Darmstadt, schwer, und auf dem Plattenteller zumal. Eine gute Möglichkeit, sie auch dem größeren (Abonnement-)Publikum schmackhaft zu machen ist es, Kompositionen von heute mit Ohrwürmern aus der Vergangenheit zu kombinieren. Dies hat nun der französische Geiger Renaud Capuçon gemacht. Beide, Bach wie den 1946 in Lettland geborenen Peteris Vasks, verbindet eine Reinheit der musikalischen Phrasen, eine scheinbare Einfachheit und himmlische Harmonien. Einer antwortet dem anderen. „Distant Light“, fernes Licht, hat Vasks sein Violinkonzert genannt, das aus elf Episoden besteht, die in einen einzigen weitschweifigen Satz eingebunden sind. Es lebt von großen Kontrasten, ist, etwa im Mosso, aufgeladen von gleißender Spannung und dann wieder, in den Andante- und den Cantabile-Passagen, ruhig und melancholisch, sanft und meditativ. Drei hochvirtuose Kadenzen stellen höchste Ansprüche an den Solisten, die Capuçon glänzend erfüllt. Vasks voraus gehen Bachs Violinkonzerte BWV 1042 und BWV 1041, federnd leicht gespielt (und einfühlsam begleitet vom Chamber Orchestra of Europe, das Capuçon selbst leitet). Zwei muntere Antidepressiva, mit denen sich gut in den Tag starten lässt.

Jürgen Gräßer
04.08.2014

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