29000 Mann und kein bisschen leise

Ein HUK Open Air-Sommer für die Annalen

29000 Mann und kein bisschen leise

 

"I'll be gone, In a day or two". Als Morten Harket, Kultsänger der norwegischen Pop-Band a-ha am Mittwoch die letzten Töne ihres Welthits "Take on me" in den lauschigen Coburger Nachthimmel trällerte, da war er vorbei. Der HUK Open Air Sommer 2018. Einer der bislang spektakulärsten der Geschichte.

 

Nicht nur, dass die Macher des Versicherungskonzernes und des Veranstaltungsservice Bamberg erstmals fünf Bands ins Rennen schickten, macht dieses Superlativ aus. Vielmehr präsentierten sich alle fünf Bands und Sänger auf glanzvollem Niveau, standen dem prächtigen Wetter in Nichts nach. Stichwort Wetter: Kein Thema, dass 2018 als das Jahr mit dem Jahrhundertsommer in die Geschichte eingehen wird. Aber was Wettergott Petrus ablieferte, verdient allerhöchsten Respekt. Mehr Glück kann man als Veranstalter bei einem mehrtägigen Event fast nicht haben - insgesamt 29.000 Zuhörer fanden den Weg nach Coburg. Bis auf einen deftigen Wolkenguss in den finalen Minuten der Kelly Family fühlte man sich eher an einem romantischen und geschichtsträchtigen Ort in Mittelmeernähe als im beschaulichen Coburg. Der wunderbare Schlossplatz des Ehrenhofes tat dabei sein übriges. Nur wenige Locations deutschlandweit schaffen ein solch prächtiges Flair. Sowohl für die Zuhörer als auch für die Künstler ist Coburg so etwas wie das Paradies auf Erden. Die Lobeshymnen der singende Akteure bewiesen das eindrucksvoll.

 

 

 

Strate "on fire"

 

 

 

Johannes Strate, Sänger der Hamburger Band Revolverheld, lieferte dabei die spektakulärste Performance. Tags zuvor auf einem Berliner Festival für gerade einmal fünf Lieder gebucht, präsentierte sich auf höchstem Niveau. Er und seine Kombo lieferten ein Glanzstück an Spielfreude, humoresken Einlagen und Unterhaltung für die gut 5000 Fans. Das toppte die Kelly Family leicht. Die alternden Stars aus den 90er-Jahren ziehen noch immer. Und wie! Schon Monate vor dem Auftaktkonzert zur Open Air-Reihe vermeldete man ein ausverkauftes Haus. Und Angelo, Patrica, Joey und Co. wurden den Vorschußlorbeeren in allen Belangen gerecht. Mit überwiegend Klassikern aus alten Zeiten verzückten sie ihr Publikum: Wenig überraschend, dass es viele waren, die aus der früheren Zeit übrigblieben und ihre Stars von damals feierten. Davon, so lange im Geschäft zu sein, ist James Blunt weit entfernt. Doch auch er ließ sich von der guten Laune auf dem Schlossplatz gerne infizieren. Eineinhalb Stunden lang sang und entertainte er, bewies einmal mehr seine Qualitäten als einer der angesagtesten Pop-Größen der Neuzeit.

 


 

Santiano rocken den Schlossplatz

 

 

 

Bärenstark auch der Auftritt von Santiano. Die Seemanns-Rocker aus dem Norden der Republik, oftmals zwischen Klamauk und ernsthafter Rockmusik wandelnd, präsentierten sich immens spielfreudig, ließen den Schloßplatz beben: Kaum einer, der nicht tanzend, schunkelnd oder singend wehmütig an die weite See denken musste. Und dann wären da ja noch a-ha. Sie, seit inzwischen über 30 Jahren auf den weltweiten Bühnen aktiv, lieferten ein gigantisches Set ab. Mitunter wird man als Zuhörer das Gefühl einer gewissen Routine nicht los: Aber sind wir ehrlich. Nach über drei Dekaden dürfte das wohl für die meisten zutreffen. Und: Viel mehr Weltstar auf bodenständiger Ebene geht kaum. Wie Harket, Pal Waktaar und Magne Furuholmen ihre zweistündige Show abspulen, das nötig ziemlichen Respekt ab. Welthit jagt da Welthit. Und für den scheinbar nicht alternden Frontmann Morten, inzwischen stolze 59 Lenze zählend und mit einem Körper ausgestattet, der so manch 30-jährigen erblassen lässt, und seine Mitstreiter ist es völlig normal, mit ihrem Publikum herumzualbern. Großer Sport!

 

 

 

Der Blick geht nach vorne

 

 

Das gilt auch für den Veranstalter. Egal, wo man das Chefteam um Gaby und Wolfgang Heyer, Ulf Schabacker und die vielzähligen Mitarbeiter zu sehen bekam. Strahlend wurde gequatscht, gefachsimpelt und organisiert. Ein Festival, das längst einen großen Namen hat, bekommt dadurch noch den nötigen Feinschliff. Man kann es nicht zu oft erwähnen: Was die Macher in der Vestestadt zelebrieren, dürfte - zumindest bayernweit - konkurrenzlos sein. Und das in der oberfränkischen Peripherie Coburg. Hoffentlich kommen sie wieder. Nicht wie a-ha. Die plötzlich gingen. Und nicht erst in einem oder zwei Tagen. Man könnte es im nächsten Jahr ja dann auch mit Revolverheld halten. "Lass uns gehen", sangen die Hamburger umjubelt. Gemünzt auf das HUK Open Air 2019. Lass uns hingehen. Der Vorverkauf dafür startet bereits am 6. September.
 

Fotocredits:

James Blunt, a-ha, Santiano, Kelly Family, Revolverheld, Fotos © Andreas Bär

Andi Bär
25.08.2018

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