Ein Fest von Farbe, Form und Beschaffenheit

Sarah Duley (und Charles Bukowski) im Fürther ARTroom

Ein Fest von Farbe, Form und Beschaffenheit

 Bukowski, Charles Bukowski, Mitte August 1920 in Andernach – dem rheinland-pfälzischen Städtchen, dem auch der richtungsweisende Kunsthistoriker und Medientheoretiker Hans Belting (der sich wiederum, aber das führt hier zu weit, den Geburtstag mit Gustav Mahler teilt; oder auch nicht, denn Bukowski liebte klassische Musik, vor allem auch die Mahlers, wovon seine Gedichte zeugen) und der Romancier Jan Wagner entstammen – als Heinrich Karl Bukowski geboren, ist derzeit in aller Munde. Allenthalben erinnert man an sein Ableben vor zwei Dekaden in Los Angeles, beispielsweise im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg, das noch bis in den Januar hinein die von der Bamberger Bukowski-Koryphäe Roni kuratierte Ausstellung „All about Hank“ in seinen Räumen beherbergt, aber auch im ARTroom Fürth.

 

Dort, in der in unmittelbarer Bahnhofsnähe gelegenen Galerie in der Gebhardtstraße 2, wird der Nürnberger Markus Kröner am Sonntag, 14. September, von 18 Uhr an Bukowski lesen. Die Auswahl ist groß, hat doch der Schriftsteller, dessen Nachlass sich in der Huntington Library befindet, Seite an Seite mit vorzüglichen Shakespeare- und Chaucer-Sammlungen, und dem noch immer der Ruf des Hurenbocks und begnadeten Trinkers anhaftet, Tausende von Gedichten, sechs Romane und Hunderte von Kurzgeschichten zu Papier gebracht. Man darf mithin gespannt sein, welche Texte Kröner aus dem gewaltigen Bukowski-Kosmos vortragen wird.

 

Selbstverständlich besteht dabei auch die Gelegenheit, die aktuelle Schau in dem erst in diesem März von den Galeristen Markus Stoiber und Rainer Schott ins Leben gerufenen ARTroom in Augenschein zu nehmen. Schott&Stoiber präsentieren – noch bis zum 4. Oktober – Arbeiten der gebürtigen Frankokanadierin Sarah Dudley, die seit 2010 ihre Zelte in Berlin aufgeschlagen hat. Gezeigt werden farbenfrohe Lithographien aus der Serie „Forbidden Fruits“, hier eine Mango, dort eine Feige, eine Avocado, zudem Beispiele aus Dudleys Schultafel-Reihe, die Bild und Wort (mittels Tagebucheinträgen, etwa „I must be absolutely perfect in every little thing that I do.“) vereint.

 

In ihren Arbeiten, sagt Dudley, begrüße sie den „Prozess von Wechsel, Loslassen, Verlust und Erneuerung, der sich überall in unserem Leben wiederfindet“, sie transponierten ihn, diesen Prozess, in eine „jubilierende Lobpreisung, indem sie den Beobachter dazu einladen, die Schönheit im Alltag zu genießen und die Kostbarkeit der Vergänglichkeit zu betrachten“. Es ist Dudleys dezidiertes Ziel, Schönheit in Dingen zu finden, welche häufig unbemerkt im Abseits bleiben. Dabei lässt sie sich verführen von Details, die „gerade die verborgenen Seiten der Welt verraten und offenlegen“.

 

Auf das Abseitige, auf die verborgenen Seiten dieser Welt, auf die Schönheit des Alltäglichen, verstand sich auch Charles Bukowski. Ach, wenn wir die Künstler nicht hätten, die Maler und Zeichner und Bildhauer, die Tonsetzer und Musiker, die Steller der Schrift. Die Welt – und wir, die wir darin zu leben versuchen – wäre ärmer ohne sie. Bukowski, dessen Lebenselixier das Schreiben war, bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Writing’s the only edge we’ve got against the bullshit. I’m glad it’s there.“

 

Geöffnet ist die Galerie am Bahnhof dienstags bis freitags zwischen 16 Uhr und 20 Uhr, an Samstagen von 15 Uhr bis 19 Uhr sowie jederzeit nach zuvoriger Vereinbarung unter der Rufnummer 0911 / 976 17 485. No bullshit!

 

Fotos Copyright: © Katrin Dittmann

Jürgen Gräßer
11.09.2014

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