Spitzentanz auf Spitze

Neues Tanz-Abo im Stadttheater Fürth

Spitzentanz auf Spitze

Ballettfreunde in Franken können sich glücklich schätzen, denn das in der Region zu findende Angebot an Tanz auf hohem Niveau macht staunen. Da ist, beispielsweise, die famose Compagnie am Staatstheater Nürnberg und deren Ballettdirektor Goyo Montero, der in der neuen Spielzeit als Uraufführung „Cyrano“ (mit Musik von Rameau, Charles Ives und Owen Belton) auf die Bühne bringt. Da ist aber auch, und um diesen Schatz soll es hier gehen, das Tanztheaterprogramm des Stadttheaters Fürth.

 

Dort hält man sich zwar keine hauseigene Compagnie, lädt aber immer wieder Spitzenensembles aus Nord- und Südamerika und aus Europa zu Gastspielen in die Kleeblattstadt ein. Die Nachfrage ist derart groß, dass man sich in dem von Intendant Wolfgang Müller geführten Haus in der Königstraße von der Saison 2014/2015 an entschlossen hat, eine weitere, die insgesamt fünfte, Abonnement-Reihe anzubieten. So können sich Tanz-Aficionados über ein zusätzliches halbes Tausend Plätze freuen. Im Übrigen handelt es sich dabei um nagelneue Sitzgelegenheiten, denn mit Beginn der Spielzeit kann man sich auf bequemen Theatersesseln niederlassen, die lang ersehnte Neubestuhlung ist vollendet.

 

Am 3. Oktober steht mit dem Tanztheaterstück „Moira“ die Premiere des dritten Teiles der Trilogie „No Control“ von Eric Trottier an. Das griechische Wort „Moira“ bezeichnet das persönliche Los, welches schon bei der Geburt feststeht und nicht mehr geändert werden kann. Dieser Tanzabend geht einen Schritt weiter als „Vertigo“, der zweite Teil der Trilogie, und beschäftigt sich mit der Unberechenbarkeit des persönlichen Lebens, mit Katastrophen und Schicksalsschlägen. Begleitend hierzu wird am 4. Oktober im Stadttheater ein theaterpädagogischer Workshop für Menschen ab 15 Jahren mit dem Choreografen Eric Trottier angeboten.

 

Der Fürther Themenschwerpunkt in dieser Spielzeit heißt „Jahrhundert Frauen“. Hierzu passt Jutta Czurdas Stück für sechs Frauen, „Voices“, das am 6. November zur Uraufführung kommt. Sechs Frauen sitzen in gepflegten Vorstadthäusern. In ihnen flüstert es unaufhörlich. Stimmen, die aus dem Aquarium in ihre Gedanken steigen, fremde Bilder, die unentwegt auf sie einströmen. Makellose Körper lächeln von Plakatwänden, verführerische Münder feilschen auf dem Fleischmarkt. In ihnen rast eine Unruhe, die sie mit Valium zum Schweigen bringen. Ganze Industrien träufeln Gift in die Venen. Leere stellt sich ein, weitermachen, funktionieren ist angesagt: Das nagende Gefühl des Nichtgenügens weglächeln. Nach drei Jahrzehnten arbeitet Czurda wieder mit Tänzerinnen ihres ehemaligen Ensembles zusammen. „Uns bewegt die Frage, was hinter den Einflüsterungen und Fassaden der Normalität zum Vorschein kommt“, sagt die in Coburg geborene Choreografin und fragt: „Was wäre eigentlich, wenn alle Frauen morgen früh aufwachen und sich in ihren Körpern wohl fühlen würden?“

 

Im Dezember ist die brasilianische Grupo Corpo zu Gast, vom 18. bis zum 22. Februar das Apollo Theater New York und die Philadelphia Dance Company mit der europäischen Erstaufführung von „James Brown – Get on the Good Foot“. Ende März kommt mit der Compañía Nacional de Danza die bedeutendste Compagnie Spaniens nach Fürth. Sie zeichnet die kontinuierliche Suche nach neuen Ausdrucksformen und kulturellen Auseinandersetzungen aus, die in einer bildhaften Sprache resultiert, deren Ziel es ist, globale Kunsträume zu schaffen.

 

Bereits mehrere Male tanzte die Kibbutz Contemporary Dance Company aus Israel in Franken, zuletzt vor fünf Jahren. Vom 19. bis zum 23. Mai zeigt sie „If at All“, eine atemberaubende Choreografie, die mit ihrem Treiben, Schweben, Bersten und Innehalten für die Zuschauer den „Kampf des Lebens“ erkennen lässt.

 

Den Abschluss der Tanztheater-Reihe bilden vom 17. Juli bis zum 26. Juli Aufführungen der Bad Boys of Dance von Rasta Thomas und Adrienne Canterna. Sie bringen die vielleicht romantischste Liebesgeschichte der Welt auf die Tanzbühne und bedienen sich dabei klassischer Musik wie Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, ohne die Righteous Brothers, Alphaville, David Guetta, Lady Gaga und Katy Perry zu vergessen. Tanztheater-Abos sind übrigens, wie Intendant Wolfgang Müller mitteilt, noch zu haben.

 

Copyright Fotos: © Jesus Robisco (Compania Nacional De DDanza, Nippon-Koku), José Luiz Pederneiras (Grupo Corpo, Sem Mim) und Uri Nevo (Kibbutz If It All)

Jürgen Gräßer
29.09.2014

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