Sebastian Kuhns "Delay"

Kalkulierte Materialschlachten bei Oechsner

Sebastian Kuhns

Die englische Vokabel „delay“ – erstmals gebraucht im 13. Jahrhundert und auf das altfranzösische „delaier“ zurückgehend, was sich wiederum aus dem Lateinischen „laxare“ (lockern, erleichtern, ausdehnen) herleiten lässt und dessen Wurzel hierzulande noch als „lax“ verbreitet ist, lässig, locker, lau, auch: schlaff – kann vielerlei bedeuten. Substantivisch gebraucht zum Beispiel „verlorene Zeit“, „Hemmnis“, „Verzug“, bei Gesetzesänderungen auch „Verschleppung“, oder schlicht „Aufschub“, „Verspätung“, „Verzögerung“.

 

So vielfältig in ihrer (Be-)Deutung wie der Ausstellungstitel – eben „Delay“ – so reich an Gehalt und Möglichkeiten des Betrachtens, des diesem sich anschließenden Deutens ist Sebastian Kuhns Kunst. Noch bis Mitte November kann man in der Nürnberger Oechsner Galerie diesen „kalkulierten Materialschlachten“ (so die Dresdner Kunsthistorikerin und Kuratorin Susanne Altmann über Kuhn) des Bildhauers gegenübertreten. Kuhn, aus dem bayerisch-schwäbischen Krumbach gebürtig und lange schon in Nürnberg zu Hause, hat dort an der Akademie bei Tim Scott Bildhauerei und Kunsterziehung bei Claus Bury studiert. Weitere Studien führten ihn nach Santiago de Chile, nach Hiroshima sowie an das Wimbledon College of Art im Südwesten Londons, wo er seinen Master in „Fine Art in Sculpture“ machte. Mit Auszeichnung. 2011/2012 war er Stipendiat der Bamberger Villa Concordia.

 

In seinem Schaffen greift Kuhn gern zu Plexi- und Acrylglas, zu Edel- und Chromstahl und baut Musikinstrumente (Schlagzeug, Flügel) oder deren Teile mit ein. Der Pariser Philosoph Gilles Deleuze ist ihm wichtig: „Wahrnehmen heißt, die Welt zu pulverisieren, aber auch ihren Staub zu spiritualisieren“ („Die Falte. Leibniz und der Barock“, Paris: Minuit, 1988).

 

Copyright Foto: © Sebastian Kuhn

Jürgen Gräßer
01.10.2014

Eure Meinung? Leserbrief verfassen