Lass´ Blumen sprechen

Naturkunden aus Berlin

Lass´ Blumen sprechen

Zu den Glücksfällen auf dem sonst doch oft gebeutelten Buchmarkt der letzten Jahre zählt die von der Schriftstellerin und Buchgestalterin Judith Schalansky verantwortete Reihe „naturkunden“ im Berliner Matthes & Seitz Verlag. Fünfzehn Bände sind dort inzwischen herausgekommen, die Geschichten erzählten. Geschichten von der Natur, von Krähen und Eulen, vom Wandern in den Bergen, von Pilzen oder von ‚“Sprechenden Blumen“. In ihrem ABC der Pflanzensprache nimmt die Berliner Literaturwissenschaftlerin die Leser mit auf eine wundersame Bildungsreise in die Welt der Blumen. Kranz untersucht Klassiker der Weltliteratur wie Goethes „Wahlverwandtschaften“ (Stichwort: Augentrost) auf ihren floralen Gehalt, vergisst dabei aber Trivialliteratur genauso wenig wie Filme (bei „Kirschblüten“, klarer Fall, Doris Dörries „Hanami“, mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner, 2008; bei „Vergissmeinnicht“ erstaunlicherweise, Kranz kennt sich eben aus, Hitchcocks „Vertigo“, mit James Stewart und Kim Novak, ein halbes Jahrhundert vor „Kirschblüten“). Noch die Musik. „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ liegt der Ohrwurm von 1928 nahe. Aber wer hätte gewusst, dass diese Blume aus der Gattung der Ölbaumgewächse für das Erwachen der Liebe steht und ihre Krone „trichterig-tellerförmig“ ist? Die Bilder dazu sprechen Bände.

 

Isabel Kranz, Sprechende Blumen. Ein ABC der Pflanzensprache. Mit zahlreichen farbigen Illustrationen. Berlin: Matthes & Seitz, 2014. 172 Seiten, 32 Euro.

Jürgen Gräßer
01.10.2014

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