Ein Urwaldmaler aus dem Umkreis Humboldts

F. Bellermann in Erfurt

Ein Urwaldmaler aus dem Umkreis Humboldts

Bellermann? Was heutzutage wie ein fehlerhafter Vokaltausch anmuten mag, trifft, nimmt man die Kunstgeschichte im 19. Jahrhundert in den Blick, ins Schwarze: Am 14. März 1814 wurde in Erfurt Ferdinand Bellermann geboren. Noch bis zum 18. Januar erinnert das Angermuseum seiner Heimatstadt mit der Ausstellung „Beobachtung und Ideal“ an den sogenannten Urwaldmaler aus dem Kreis um (Alexander von) Humboldt.

 

Bei der Vorbereitung zu dieser Jubiläumsschau wurden bislang unbekannte Dokumente aufgespürt, darunter Briefe Humboldts – dessen Vita und Reisen vor jetzt just einem Jahrzehnt Daniel Kehlmann bekanntermaßen den Erfolgsroman um die „Vermessung der Welt“ gewidmet hat – an Bellermann sowie dessen Autobiographie. Darin erinnert sich der Maler an die ländlich geprägte Kindheit auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide, an seine Erfurter Jugendzeit und die Ausbildung zum Zeichner in Weimar, der sich von 1833 an das Studium an der Akademie der Künste in Berlin anschloss, wo er sich bei Carl Blechen und Wilhelm Schirmer in die Landschaftsmalerei vertiefte.

 

Entscheidend für die künstlerische Entwicklung Bellermanns war der Aufenthalt in Venezuela in den Jahren 1842 bis 1845, den ihm ein von von Humboldt und dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. gefördertes Reisestipendium möglich machte. In akkuraten, detailfreudigen Zeichnungen (etwa „Baumfarn und Palmen auf Galipan“, wohl 1845, Bleistift) und teils erst Jahre später gefertigten Ölgemälden hielt Bellermann die exotische Vegetation ebenso fest wie die tropische Landschaft. In Tagebüchern schwärmt der Urwaldmaler von dem „herrlichen Kontrast, den die Palmen, Baumfarne und Bambusse gegen die gewaltigen Bäume bilden“ und reitet, als im September 1845 der Abschied naht, „langsam, Schritt für Schritt genießend“ in die „herrliche Frische des Morgens“ hinein.

 

Copyright Ausschnitt „Wasserfall“ © F. Bellermann

Jürgen Gräßer
26.11.2014

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