One Station – Poesie der Bahnhöfe

Christian Höhns Photos im DB Museum Nürnberg

One Station –  Poesie der Bahnhöfe

 Von der „Poesie der Bahnhöfe“ zeugen etliche Gedichte, von denen uns ad hoc beispielsweise welche von Nicolas Born und Jürgen Theobaldy in den Sinn kommen. Das Poetische, das Bahnhöfen innewohnt, fängt aufs Schönste auch die fast gleichnamige Sonderausstellung ein, die bis zum finalen Maitag im Nürnberger DB Museum (Lessingstraße 6) in Augenschein genommen werden kann (und, in der Tat: werden sollte).

Mit „One Station – Poesie der Bahnhöfe“ präsentiert sich der Fotokünstler Christian Höhn in seiner Heimatstadt. Im Auftrag des DB-Museums machte er sich auf, um auf fünf Kontinenten Bahnhofsbauten in seinen dem Hyperrealismus verpflichteten fotografischen Blick zu nehmen. Vornehmlich sind es Bahnhöfe, die entweder an legendären Linien liegen und/oder solche, die ihren Niederschlag in der Weltliteratur gefunden haben.

Höhns Aufnahmen werden von Textauszügen begleitet, etwa jene der Grand Central Station von Passagen aus Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“. Mark Twain ist vertreten mit der Episode von der Besteigung des Riffelbergs am Fuß des Matterhorns. Im späten Sommer 1878 weilte er in Zermatt; die Gornergrat-Bergbahn indes wurde erst zwei Dekaden später eröffnet.

Höhns Reisen führten ihn auch nach Dresden und St. Petersburg, nach Kapstadt, Mailand, Mumbai und Peking. Das Großformat steht selbst der kleinen Bergbahn-Station gut an. Eine überaus beeindruckende Schau, die Geschichte und Geschichten, Mythos, Raum und Zeit verbindet: „In den regenbewachsenen Bahnhöfen / schwillt Zeit noch mal auf“, heißt es bei Born. Und: „O der verlorene Blick ins Schöne, ins Freie“. Gleise schimmern und blinken, und nachts geht das Licht aus. Dann greife man zum Begleitkatalog, der im Verlag für moderne Kunst erschienen ist.

Grand Central, 2014, Foto © Christian Höhn / Gornergrat, 2014, Foto © Christian Höhn

Jürgen Gräßer
03.02.2015

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