„DIN A4“ in der Villa Dessauer

Jahresausstellung des BBK Oberfranken

„DIN A4“ in der Villa Dessauer

 1922, das war die Hochzeit der literarischen Moderne, das war auch das Jahr, in welchem, eine Idee Georg Christoph Lichtenbergs aufgreifend, das fast überall gebräuchliche Papierformat DIN A4 festgelegt wurde. Unter dem Titel „DIN A4“ präsentiert der Berufsverband Bildender Künstler Oberfranken vom 22. März (die Vernissage ist am Abend zuvor) bis zum 2. Mai in der Stadtgalerie Villa Dessauer seine Jahresausstellung. Gezeigt werden ein halbes Tausend Werke von 55 Künstlern, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit der thematischen Vorgabe auseinandergesetzt haben.

 

Die Exponate führen vor Augen, wieviel Freiheit der kreative Umgang mit der Norm zu schaffen vermag. Susanne Braun, die in Bamberg eine Keramikwerkstatt unterhält, hat eine „Metamorphosen“ betitelte Installation eingereicht: Schubladen eines blechernen Bürocontainers, angefüllt mit DIN-A-4-Bögen verschiedenster Couleur, mal zerknüllt, mal gefaltet, als Locherinhalt, leerer Bogen, Reißwolfschnipsel. Mit dem Format, schreibt Braun, verbinde sie Behörden, Beamte, Akten, Anträge, Bescheide, Ablehnung, Amtsstubentristesse, Enge, Frust und Ennui.

 

Brigitte Böhler, Mistelbach, stellt bemalte Kaffee-Filtertüten aus, Klaus Borowietz (Sassanfarth) nähert sich, mit Tusche und Pigment, den Liebesgedichten Rilkes, Christa Pawlofsky aus Bayreuth bringt Bratwurst und DIN A4 zusammen, Erhard Schütze (Ludwag) hält es mit „Fingerübungen“, aus denen sich „Gemälde und Wandgestaltungen zu übergroßen Dimensionen entwickeln“ mögen. Der in Nürnberg lebende Matthias Höppel zeigt die Serie „Shots“, Strichzeichnungen in Tinte auf genormten Zielscheiben, die von Sportschützen beschossen wurden. Frei zu sein bedarf es wenig. NB: Sonntags um 15 Uhr Künstlerführungen.

 

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Bernd Schaible, Foto © Bernd Schaible

Jürgen Gräßer
02.04.2015

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