Warten auf Gegenwart II

Alicja Kwade in der Kunsthalle Nürnberg

Warten auf Gegenwart II

 Des britischen Mathematikers, Photographen und Schriftstellers Lewis Carroll (der mit bürgerlichem Namen bekanntlich Charles Lutwidge Dodgson hieß) Kinderbuchklassiker „Alice im Wunderland“ von 1865 hat in allen Bereichen der Kunst Spuren hinterlassen, etwa bei James Joyce und Stephen King, bei den Beatles und Jefferson Airplane, Chick Corea und Tom Waits, bei Max Ernst, der gebürtigen Nürnbergerin Kiki Smith und, das liegt auch aufgrund des Vornamens nahe, bei der 1979 in der polnischen Bergbaustadt Kattowitz geborenen Alicja Kwade, deren Photographien, Videoarbeiten, Skulpturen und Installationen noch bis zum 24. Mai in der Kunsthalle Nürnberg zu sehen sind.

 

„Ich interessiere mich“, sagt Kwade, „für Wissenschaft genauso wie für Philosophie und Religion, da alle drei Bereiche versuchen, die gleichen Fragen nach unserem Dasein und unserer Realität, oder das was wir so nennen, zu beantworten. Ich versuche, diese Fragen in eine künstlerische Geste umzuwandeln, immer aus der Sehnsucht heraus, etwas zu erfahren.“ In ihrem Schaffen stellt Kwade Fragen nach dem, was Realität ausmacht, welche (scheinbaren) Gewissheiten lediglich ein Konstrukt sind, ob es parallele Realitäten gibt und ob Kunst diese zu visualisieren vermag.

 

Kwade hinterfragt vermeintliche Wahrheiten, stellt Sehgewohnheiten auf den Kopf. Das gelingt ihr durch Doppelungen, durch Spiegelungen, Verformungen und eine ungewohnte Kombinatorik. Thematisch steht in ihrer Schau die Zeit im Zentrum, wie bereits deren Titel offenbart. Kwade hat an der Universität der Künste Berlin studiert und stellt fast zeitgleich – nämlich bis zum 14. Juni – in der Frankfurter Schirn aus. Im April erscheint ein Ausstellungskatalog in Verlag der Kölner Buchhandlung Walther König, die in Nürnberg eine Dependance unterhält.

 

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Alicja Kwade, „Fahrrad“ 2014, Foto © Alicja Kwade

Jürgen Gräßer
02.04.2015

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