Here, There and Everywhere

Appleton (Personality Records)

Here, There and Everywhere

Der Erfolg eines Musikers, eines Komponisten, einer Band lässt sich ablesen auch an deren jeweiliger (Nach-)Wirkung und Rezeption. Allererste Sahne in dieser Hinsicht dürften die Beatles sein. Soeben ist etwa ein Kriminalroman herausgekommen, der ohne die (Musik der) vier Pilzköpfe aus Liverpool nicht hätte geschrieben werden können – was keinen großen literarischen Verlust darstellen würde (wer sich davon nicht schrecken lässt, voilà: Beate Baum, „Die Ballade von John und Ines“, Meßkirch: Gmeiner, 2015) – und Legion ist natürlich die Zahl der Singer-Songwriter, die sich bei den Ohrwürmern der Fab Four bedienen, Legion ist auch die Zahl der Cover-, Revival- und Tributebands. Obgleich sie auf ihrem aktuellen Album ausschließlich Beatles-Nummern interpretiert, ist die zumindest hier neunköpfige nordirisch-belgisch-niederländisch-deutsche Groove-und-Jazz-Formation Appleton weit mehr als eine schnöde Coverband. Denn zu eigen, zu famos, zu, ja: großartig ist das, was uns aus den Boxen in die Ohren dringt, seien es nun die wunderbar satten Posaunentöne und –soli (etwa in „Nowhere Man“, auch in „Come Together“) des als musikalischer Leiter firmierenden Chris Perschke, der gemeinsam mit dem wandelfähigen Trompeter Thomas Siffling und dem Saxophonisten Andreas Pompe einen stupenden Bläsersatz bildet, sei es Harald Terkowskys entspanntes Gitarrenspiel, seien es die hinreißend phrasierenden und, naturgemäß, hinreißend singenden Barbara Drennan und Caroll Vanwelden, seien es die so geschmackvollen wie überraschenden Arrangements (wiederum, allesamt: Chris Perschke). „Blackbird singing in the dead of night“, superb. Appleton kann man nicht nur in der tiefsten Nacht, vielleicht mit einem „Taste of Honey“ auf der Zunge (oder an der Seite) lauschen, sondern zweifelsohne „Here, there and everywhere“. Und: immer wieder. Auf ein baldiges Da capo!

Jürgen Gräßer
22.06.2015

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