Auf den Spuren eines frühen mittelfränkischen Naturforschers

Unterwegs auf dem Amazonas

Auf den Spuren eines frühen mittelfränkischen Naturforschers

Spix? „Spex“, das inzwischen von Torsten Groß verantwortete, in Berlin beheimatete Magazin für Popkultur ist bekannt. Was, oder wer, aber mag sich hinter dem Namen Spix verbergen? Geboren im Februar 1781 als siebtes von elf Kindern in Höchstadt an der Aisch, gestorben im Mai 1826 in München, hat sich Johann Baptist Ritter von Spix als Naturforscher und Zoologe hervorgetan. Eine seit 1977 unter der Obhut der Zoologischen Staatssammlung München erscheinende Zeitschrift für Zoologie wird ihm zu Ehren „Spixiana“ geheißen.

 

Über Spix‘ frühe Jahre ist nicht allzu viel bekannt. In Bamberg hat Spix nach dem Besuch der Domschule jedenfalls Philosophie studiert und erlangte, schwächlich, mittellos, aber hochbegabt, als einer der Besten seines Jahrgangs anno 1800 am Aufseßschen Studienseminar den Doktortitel. Hernach ging er nach Würzburg, um sich zunächst der Theologie zu widmen, ehe er sich – unter dem Einfluss Schellings – der Medizin und den Naturwissenschaften zuwandte. 1806 promovierte Spix ein zweites Mal zum Doktor der Medizin und praktizierte dann kurze Zeit in Bamberg als Arzt bei Adalbert Friedrich Marcus in St. Getreu.

 

Im Oktober 1810 stellte ihn König Maximilian I. Joseph als Adjunkt an der Königlichen Akademie der Wissenschaften an und beauftragte Spix damit, „zur Ordnung und Vollständigmachung des mit der Akademie verbundenen Naturalienkabinetts, besonders des zoologischen Theils desselben beizutragen“. Geforscht und veröffentlicht hat Spix schon früh beispielsweise über den Blutegel („Darstellung des gesammten inneren Körperbaues des gemeinen Blutigels“, 1814) und über Affen („Abhandlung über die Affen der alten und der neuen Welt“, gleichfalls 1814 publiziert) sowie, in Sachen Paläontologie, über die „unterirdische Thier- und Pflanzenkunde Bayerns“. Doch Spix sollte sich auch in fernen Landen naturwissenschaftlichen Studien widmen.

 

König Maximilian forderte ihn auf, Brasilien zu erkunden. Und so machte sich Spix im Februar 1817 über Wien und Triest nach Südamerika auf, gemeinsam mit dem Botaniker Carl Friedrich Philipp Martius. Zunächst erkundeten die Beiden die Umgebung von Rio de Janeiro und waren von der Vielfalt der brasilianischen Flora und Fauna arg angetan. Sie sammelten, für München, Steine und Mineralien, Tiere, Pflanzen und ethnologische Alltagsgegenstände. Spix und Martius waren die ersten Naturforscher überhaupt, die im wilden, noch unerschlossenen Nordosten Brasiliens unterwegs waren und die Tier- und Pflanzenwelt der Staaten Piauhy und Maranhão systematisch erfassten. Ihre Expedition ins Amazonasgebiet gilt als die erfolgreichste, die jemals in Südamerika unternommen worden ist, und dies, obgleich sie lediglich zu zweit waren und nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung hatten.

 

Sie berichten, dass sie noch viel mehr hätten erreichen können, „wären wir nicht auf vier Hände beschränkt und müßte nicht Akademiker Spix als Zoologe zugleich den Jäger, Ausstopfer und Skelettierer, Dr. Martius den Botaniker und Gärtner machen und soviele kostbare Zeit dem Mechanismus opfern“. Die Strapazen auf der 10 000 Kilometer (meist zu Fuß oder im Boot zurückgelegt) weiten Expedition waren enorm, Hunger, Durst und Krankheit nicht selten. Im Juli 1819 schrieb Spix an König Maximilian: „Es fehlen uns die Worte, um die Leiden zu schildern, welche wir auf dem Wege durch diese menschenleeren Certaos [also Dornbuschsteppen] auszustehen hatten. Fünf bis sechs Tage war auch nicht eine einzige Cisterne mit Wasser zu finden, und wir waren gezwungen, Tag und Nacht zu reisen, um dem Tode zu entgehen.“

 

Vor allem Spix hatte die Reise sehr mitgenommen, auf der er sich eine tropische Erkrankung, einen „nervösen Typhus“, zugezogen hatte. Spix unternahm eine Erholungstour nach Meran und machte 1825 eine Kur in Aachen. Er starb im Folgejahr am 13. Mai und wurde auf dem Alten Münchner Südfriedhof beigesetzt. Auf Spix‘ nicht mehr vorhandenem Grabmal war, in lateinischer Sprache, zu lesen: „Seine Kräfte und sein ganzes Leben hat er für die Erforschung der Formen und der Gesetze der Natur hingegeben, wie keiner hat er die Zonen der neuen Welt erforscht und die wunderbaren Gebilde des heißen Himmelsstrichs gesammelt, geordnet und beschrieben.“ Auch habe er sich selbst durch seine „unsterblichen Schriften und durch die Gründung des brasilianischen zoologischen Museums ein Denkmal gesetzt, das alle Zeiten überdauern“ werde. Die zoologischen Sammlungen in München sind ohne Spix und Martius nicht zu denken. Und es mag sein, dass auch das ein oder andere Exponat in Bamberger Naturkundemuseum von Spix stammt. Das sagt zumindest dessen Direktor, Matthias Mäuser, dem wir herzlich für Hinweise und Literatur danken.

 

Copyright Fotos: Spix, © Gerald Raab, Staatsbibliothek Bamberg

Jürgen Gräßer
27.07.2015

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