Risiko Sommernovelle bei WortWärts

Neudecker, Kopetzky und mehr in Nürnberg

Risiko Sommernovelle bei WortWärts

Im Gegensatz zum Roman, inzwischen auch (wieder) im Gegensatz zur Lyrik, macht sich die Novelle, machen sich Erzählungen bis auf wenige Ausnahmen (etwa Birgit Vanderbeke, Josef Winkler, Julya Rabinowich, Hermann Burger) in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur eher rar. Auch Christiane Neudecker, 1974 in Erlangen geboren, versteht sich auf die kleine große Form. Das hat sie vor einer Dekade mit „In der Stille ein Klang“, dann, 2010, mit dem „Unheimliche Geschichten“ versprechenden Buch „Das siamesische Klavier“ gezeigt, und jetzt wieder mit der „Sommernovelle“. Aus diesem kurz vor der Wende auf der Vogelstation einer Nordseeinsel verorteten, um die Schülerinnen Lotte und Panda – sie wollen, wie das in diesem Alter so ist, nichts weniger als die Welt verändern – kreisenden Luchterhand-Band wird Neudecker am 9. August beim Literaturfest WortWärts auf der Lesebühne des Nürnberger Kulturzentrums KUNO (Kultur Nord) in der Wurzelbauerstraße 29 lesen.

 

Steffen Kopetzky, nach Stationen in München, Paris und Berlin wieder in seiner Heimatstadt Pfaffenhofen an der Ilm angekommen, wird seinen umjubelten Abenteuerroman „Risiko“ vorstellen, der von einer legendären Afghanistan-Expedition handelt. „Wie der Müll geordnet wird“ (Graz: Droschl, 2015) weiß, glaubt man dem Buchtitel, Iris Hanika, 1962 in Würzburg geboren, aber schon seit dreieinhalb Jahrzehnten dort zuhause, wo ihr Roman um die Liebe und das Leben spielt: in Berlin. Michael Zeller hat lange gebraucht, um sich einem heiklen Thema, dem Suizid eines Bruders (auch Lukas Bärfuss‘ Roman „Koala“ von 2014 spricht von diesem Nochimmertabu), anzunähern. Bei WortWärts wird er aus der autobiographischen Erzählung „BruderTod. Ein Kinderleben“ (Bochum: Brockmeyer, 2014) lesen.

 

Auf ihren Auftritt freuen sich zudem die diesjährigen Trägerinnen des Literaturpreises der Nürnberger Kulturläden: Lara Sielmann, Sonja Medicus und Hanna Quitterer (alle drei aus der Noris-Stadt) sowie die Erlangerin Karolin Berg, die die Jury, der unter anderen der Lyriker Christian Schloyer angehörte, mit skurrilen Fragmenten für sich einzunehmen wusste. Begleitet wird WortWärts von einer Ausstellung im Galeriehaus Nord, die unter dem Heraklit entlehnten Titel „the same river twice“ Zeichnungen und Fotos von Cherith Lundin versammelt, eröffnet mit einem von Dirk Kruse moderierten Podiumsgespräch am 8. August, das sich dem Jugendbuch annehmen soll.

 

Copyright Fotos:

Steffen Kopetzky, © Marijan Murat

Iris Hanika, © Ele Krekeler

Jürgen Gräßer
27.07.2015

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