Anton Bruckner, Symphonie Nr. 9

London Symphony Orchestra, Bernard Haitink (LSO Live)

Anton Bruckner, Symphonie Nr. 9

Zu den ganz großen Bruckner-Deutern zählt, lange schon, und ganz ohne Frage, der mittlerweile sechsundachtzig Lenze zählende Niederländer Bernard Haitink. Einen Gesamtzyklus der Symphonien, einschließlich der sogenannten Nullten, hat Haitink bereits in den sechziger und frühen siebziger Jahren eingespielt, mit dem Königlichen Concertgebouw Orchester, dessen Chefdirigent er von 1961 bis 1988 war. Mit dem London Symphony Orchestra hat Haitink sämtliche Symphonien von Beethoven (als Referenzaufnahme gefeiert) und von Brahms vorgelegt; jetzt ist, nach einer Aufnahme der Vierten, der „Romantischen“, Bruckners Neunte bei dem hauseigenen LSO-Label in einem Konzertmitschnitt herausgekommen. Nun ist es ja so, dass es, beispielsweise von Carlo Maria Giulini und den Wiener Philharmonikern oder von Daniel Barenboim am Pult der Staatskapelle Berlin bereits hervorragende Einspielungen von Bruckners dem lieben Gott gewidmeten Spätwerk gibt. Hören lassen aber können sich die Engländer und Haitink allemal. Die Tempi stimmen, die Phrasierungen, einschließlich der Atempausen. Haitink hat das Ganze im Blick. Und auch technisch spielt das London Symphony Orchestra hier groß auf (was vielleicht nicht immer so war). Makellos strahlende Blechbläser, einnehmend singendes Holz, flexible Streicher und kernig prägnante Pauken bescheren einem einen Schönklangteppich, auf welchem man gern in Anton Bruckners urgewaltigen Klangkosmos entschwebt. Vor kurzem haben die Londoner in Ingolstadt geglänzt, mit Mahlers Dritter und Strawinskys „Sacre“. Bruckners Neunte kann man im Bamberger Konzertsaal am 26. September hören. Dann allerdings mit der Jungen Deutschen Philharmonie und Jonathan Nott am Pult.

Jürgen Gräßer
28.07.2015

Eure Meinung? Leserbrief verfassen