Vorhang auf!

Bühnen, die wandern – Theater zu Gast

Eine Vorschau auf bewegende Gastspiele im Dezember und Januar

veröffentlicht am 29.11.2025 | Lesezeit: ca. 10 Min. | von Nele Wicher

Das Staatstheater Meiningen gastiert mit „Jekyll & Hyde“ am Stadttheater Aschaffenburg

Das Staatstheater Meiningen gastiert mit „Jekyll & Hyde“ am Stadttheater Aschaffenburg, Foto © Christina Iberl

„Mother's ship“

Eine Performance über das Mutter-Sein im Kulturforum Fürth

Am 11. Dezember 2025 lädt Katharina Simons aka Cutty Shells im Kulturforum Fürth dazu ein, die verschiedenen Facetten von Mutter-Sein zu enthüllen. Präsentiert wird ein künstlerisches Projekt über das Mutter-Sein als Kraft – doch Vorsicht! Hier geht es keinesfalls um Mutterschaft, Elternschaft oder Kindererziehung, sondern um das Mutter-Sein als robustes und vielstimmiges Phänomen, welches über das alltägliche Bild herausgehoben wird. MOTHER’S SHIP ist eine Einladung, unter den Schleier mütterlicher Archetypen zu blicken und zu fragen: Kann jede:r Mutter sein?

Entstanden aus einer Recherchetrilogie – MOTHER’S TALE, MOTHER’S SCREAM, MOTHER’S MILK – trägt MOTHER’S SHIP deren Material als vielschichtige Collage in sich. Stimmen aus der Tiefe flüstern von einer Urmutter. Intime Momente und Unbehagen erzeugen Spannung, rohe Schreie bringen verborgene Geschichten an die Oberfläche. Ein Fluss aus Milch überschreitet Grenzen von Körper, Identität und Fürsorge und eröffnet Perspektiven auf neue Formen des Zusammenlebens. Die Mutter erscheint nicht als Rolle. Ihre Vielschichtigkeit wird auf künstlerische Art und Weise nach und nach freigelegt.

MOTHER’S SHIP ist eine Koproduktion der Tafelhalle Nürnberg und dem Kulturforum Fürth. Bereits im Juni wurde die Performance in der Tafelhalle als Preview gezeigt, nun feiert sie am 11. Dezember im Kulturforum Fürth Premiere. Weitere Termine sind der 13. und 14. Dezember.

Weitere Informationen zur Performance und zum Ticketkauf findet man unter www.cuttyshells.com, www.kunstkulturquartier.de/tafelhalle oder www.kulturforum.fuerth.de.


„Das kunstseidene Mädchen“

Das beliebte Chanson-Musical am Theater der Stadt Schweinfurt

Am 17. und 18. Dezember 2025 wartet auf der Bühne des Theaters der Stadt Schweinfurt eine ganz besondere Produktion auf alle Musical-Fans. Das theater für niedersachsen ist mit dem Publikumsliebling „Das kunstseidene Mädchen“ nach dem gleichnamigen Roman von Irmgard Keun zu Gast und entführt die Zuschauerschaft in die glanzvolle und zugleich raue Welt Berlins der 1930er Jahre.

Die Geschichte folgt Doris, die ihr Leben im Rheinland hinter sich lässt, um in Berlin „ein Glanz zu werden“. Ihr Traum: Schauspielerin sein, im Überfluss leben. Doch die Realität ist geprägt von Arbeitslosigkeit und Enttäuschung. Doris verdient ihren Lebensunterhalt mit kleinen Gaunereien und wechselnden Beziehungen zu wohlhabenden Männern – Beziehungen, die selten von Dauer sind. Als sie Ernst begegnet, einem Angestellten, der ihr ohne Gegenleistung Obdach gewährt, scheint ein glückliches Ende möglich. Doch Ernsts Bindung zu seiner Exfrau wirft Zweifel auf und stellt Doris’ Träume infrage.

Die Bühnenfassung von Bielfeldt und Golbeck, erstmals 2014 am Renaissance-Theater Berlin aufgeführt, ist die erste vertonte Interpretation des Romans. Unter der Regie von Melanie Schweinberger und der Musikalischen Leitung von Andreas Unsicker verschmelzen Bühne, Kostüme und Musik zu einem sinnlichen Bild jener Zeit. Katharina Wollmann verkörpert Doris, Andreas Unsicker spielt Conrad und begleitet am Klavier.

Weitere Infos zum Chanson-Musical und zum Ticketkauf findet man unter www.theater-schweinfurt.de und www.tfn-online.de.


„Eine Mords-Freundin“

Das Theater Hof bringt die Erfolgskomödie ins Rosenthal Theater Selb

Wie wird man höflich seine Urlaubsbekanntschaft wieder los? Eine Frage, die sich so manch einer bereits gestellt haben dürfte. Und obwohl die Antwort so einfach scheint – freundlich abwinken und getrennte Wege gehen – gestaltet es sich in der Realität manchmal nicht ganz so einfach. Das beweist auch die Komödie „EINE MORDS-FREUNDIN“ von Steven Moffat, dem preisgekrönten Autor hinter der „Sherlock“-Serie und „Dr. Who“. Am 22. Januar 2026 dürfen sich Gäste des Rosenthal Theaters Selb auf humorvolle Treffsicherheit freuen, wenn das Theater Hof auf der hiesigen Bühne steht.

Was als harmlose Urlaubsbekanntschaft beginnt, entwickelt sich schnell zum turbulenten Albtraum. Peter und Debbie treffen im Urlaub auf Elsa, eine rüstige Witwe aus Finsterwalde. Elsa ist charmant, schrill und unangepasst. Man verspricht sich in Kontakt zu bleiben, so wie es Knigge ist. Doch wer macht das schon wirklich? Nun ja, Elsa macht das wirklich! Als sie unangekündigt vor der Tür steht und sich für ein paar Tage anmeldet, gerät die Situation ins Wanken. Peter und Debbie versuchen mehr über ihre Urlaubsbekanntschaft herauszufinden und dabei wird ihnen klar: Elsa könnte eine Serienkillerin sein! Jetzt ist sie jedoch bereits da und auch mit ihren Kindern in Kontakt. Wie also können Peter und Debbie ihre Liebsten und sich selbst vor tödlichen Gefahren schützen, ohne dabei unhöflich zu wirken? Eine ultimative Herausforderung, die Witz, Tempo und unerwartete Wendungen der Extraklasse verspricht.

Weitere Informationen zur Performance und zum Ticketkauf findet man unter www.theater-selb.de oder www.theater-hof.de.


„Alice – Spiel um Dein Leben“

Alice Herz-Sommer am Stadttheater Fürth

Der 20. und 21. Januar steht im Stadttheater Fürth ganz im Zeichen der Pianistin und Musikpädagogin Alice Herz-Sommer. Die Schauspielerin Natalie O’Hara beehrt die Bühne des großen Hauses mit ihrem Ein-Personen-Stück „Alice – Spiel um Dein Leben“. In über 20 Rollen wird die wahre Geschichte der jüdischen Pianistin erzählt – einer Frau, die im Ghetto Theresienstadt überlebte und die Kraft der Musik als Lebenselixier bewahrte. Natalie O’Hara verkörpert ihre Erinnerungen und Begegnungen, und bringt zugleich live am Klavier Werke von Bach, Chopin, Beethoven bis Gershwin zum Erklingen.

Alice Herz-Sommer (1903–2014) wurde bekannt durch ihre Biografie und Dokumentationen, die ihre Lebensgeschichte als Zeugnis von Widerstand, Optimismus und Menschlichkeit sichtbar machten. Das Stück verwebt Schauspiel, Biografie und Klaviermusik zu einem vielschichtigen Theatererlebnis. Es schildert Alice’ Zeit in Theresienstadt, ihre Konzerte im Ghetto und ihren täglichen Kampf ums Überleben mit ihrem sechsjährigen Sohn. Das macht die Diskrepanz zwischen der Schönheit der Musik und dem Schrecken der Realität spürbar.

Die Recherche für das Stück dauerte zwei Jahre. Die Autorin Kim Langner und Natalie O’Hara reisten nach Prag, Theresienstadt und Tel Aviv und trafen sich mit Schüler:innen, Freund:innen und Familie von Alice, um Alice Herz-Sommer Geschichte erzählen zu können. Für ihre schauspielerische Leistung in „Alice – Spiel um Dein Leben“ ist O’Hara für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2023 nominiert wurden.

Weitere Informationen zur Performance und zum Ticketkauf findet man unter www.stadttheater.de oder www.hamburger-kammerspiele.de.


„Jekyll & Hyde“

Der Horrorklassiker am Stadttheater Aschaffenburg

Das fesselnde Musiktheater „Jekyll & Hyde“, das bereits seit 35 Jahren die Herzen aller Horrorfans weltweit begeistert, wird am 14. Januar 2026 auf die Bühne der Stadthalle am Schloss gebracht. Das Musical von Frank Wildhorn, mit Buch und Liedtexten von Leslie Bricusse, basiert auf Robert Louis Stevensons berühmter Erzählung über die gespaltene Persönlichkeit des Menschen.

Im Zentrum steht Dr. Henry Jekyll, ein Wissenschaftler, der verzweifelt versucht, das Böse aus der menschlichen Seele zu trennen. Verbote und Zweifel treiben ihn zu einem riskanten Selbstversuch: Er erschafft Edward Hyde – sein dunkles Alter Ego. Zunächst fasziniert von dieser neuen Macht, verliert Jekyll bald die Kontrolle. Während er tagsüber an der Perfektion seines Experiments arbeitet, vernachlässigt er seine Verlobte Lisa. Nachts lässt er sich in dunkle Fantasien mit der Prostituierten Lucy treiben. Doch als Hyde einen Mord begeht, gerät Jekylls Versuch letztlich auf die schiefe Bahn. Hyde übernimmt die Oberhand – und ein tödlicher Kampf um Identität und Menschlichkeit beginnt.

Unter der musikalischen Leitung von Kens Lui, mit Regie und Choreografie von Cusch Jung, bringt das Staatstheater Meiningen dieses musikalische Meisterwerk in einer eindringlichen Inszenierung auf die Bühne. Mit einem starken Ensemble, Chor und der Meininger Hofkapelle wird „Jekyll & Hyde“ zu einem intensiven Theaterabend, der fesselt, erschüttert und lange nachklingt.

Weitere Informationen zur Performance und zum Ticketkauf findet man unter www.stadttheater-aschaffenburg.de oder www.staatstheater-meiningen.de.


„Andorra“

Ein Schauspiel in zwölf Bildern von Max Frisch

Wie sehr kann eine Gesellschaft sich in Angst verlieren? Dieser zeitlosen Frage kann sich das Publikum am 13. Januar 2026 stellen, wenn die Burghofbühne Dinslaken das Schauspiel „Andorra“ nach Max Frisch auf die Bühne des Stadttheaters Amberg bringt.

An dem kleinen Ort Andorra lebt Andri, der Pflegesohn des Lehrers. Die Bevölkerung akzeptiert ihn, solange er „anders“ bleibt – weil er ja „Jud“ sei. Man schreibt ihm bestimmte Eigenschaften zu: ein gutes Händchen fürs Geld, Feigheit im Blut. Und Andri beginnt, diese Zuschreibungen zu glauben. Für ihn gelten andere Regeln, alles ist ein wenig schwerer, ein wenig fremder.

Darüber hinaus liebt Andri die Tochter seines Pflegevaters, Barblin, und will sie heiraten. Doch der Lehrer verbietet es – und damit kommt eine tiefere Wahrheit ans Licht: Andri ist der leibliche Sohn des Lehrers, Halbbruder von Barblin und gar kein Jude. Andorra wird über Nacht von „den Schwarzen“ angegriffen und sie verkünden: Alle, die keine Juden sind, haben nichts zu befürchten. Andri, der ja keiner ist, will jetzt aber einer sein.

Frischs „Andorra“ ist eine Parabel über Ausgrenzung, Alltagsrassismus und die Mechanismen von Vorurteilen. Schonungslos wird dargelegt, wie Ausgrenzung und Angst eine Gesellschaft zerstören. Mit klarer Sprache, starker Bildsprache und einem engagierten Ensemble fordert „Andorra“ zum Nachdenken über Verantwortung, Schuld und Menschlichkeit heraus.

Weitere Informationen zur Performance und zum Ticketkauf findet man unter www.stadttheater.amberg.de oder www.burghofbuehne-dinslaken.de.

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