Ausstellungen

Ein Ort des Staunens

Die Kunstsammlung Jena zeigt Hiroyuki Masuyamas poetische Erforschung von Zeit, Raum und Veränderung

veröffentlicht am 29.12.2025 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Hiroyuki Masuyama, 0, 2018 Holz und Glasfaser

Hiroyuki Masuyama, 0, 2018 Holz und Glasfaser, Foto © Hiroyuki Masuyama

Der Sternenhimmel ist seit jeher Projektionsfläche für Träume, Mythen und Erkenntnisse – ein Ort des Staunens, aber auch der Erkenntnis über die eigene Vergänglichkeit. In seiner neuen Ausstellung „Freundschaft mit Außerirdischen schließen“ widmet sich der japanische Künstler Hiroyuki Masuyama dieser Doppelbewegung von Faszination und Reflexion. Vom 6. Dezember 2025 bis 8. März 2026 verwandelt die Kunstsammlung Jena ihre Räume in ein Universum aus Licht, Zeit und Veränderung.

Masuyama begreift den Blick ins All nicht als Flucht, sondern als Spiegel menschlicher Erfahrung. Der scheinbar unveränderliche Sternenhimmel wird zum Sinnbild des Wandels: Was uns als konstant erscheint, ist in Wirklichkeit in steter Bewegung. Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch Masuyamas Werk. Der Künstler agiert mit der forschenden Neugier eines Naturwissenschaftlers und der Sensibilität eines Poeten. Mit gleicher Hingabe richtet er seine Aufmerksamkeit auf das große Ganze wie auf das kleinste Detail – das Weltall ebenso wie ein Stück Rasen vor seiner Haustür.

Bekannt wurde Masuyama mit seinen Leuchtkästen, in denen er Gemälde Caspar David Friedrichs aus Hunderten von Fotografien neu zusammensetzt. Während diese Arbeiten parallel im Romantikerhaus Jena gezeigt werden, konzentriert sich die Kunstsammlung auf Werke, die den Begriff der Veränderlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Herzstück der Schau ist eine begehbare Kugel von drei Metern Durchmesser, in deren Innerem rund 30.000 Lichtleiter den Sternenhimmel zum Leuchten bringen – ein immersives Erlebnis, das Wissenschaft, Kunst und kontemplative Erfahrung verbindet.

Der Ausstellungshintergrund fügt sich in ein bemerkenswertes Jubiläum: Den 400. Geburtstag des Astronomen Erhard Weigel, dessen visionäre Erfindungen im 17. Jahrhundert ähnlich staunenswert waren wie Masuyamas Werke heute. Beide verbindet der Mut zum grenzüberschreitenden Denken – Weigel als Mathematiker, Philosoph und Pädagoge, Masuyama als Künstler, der mit Fotografie, Objektkunst, Malerei und Zeichnung das Werden und Vergehen in Natur und Gesellschaft erforscht.

Seine leiseren Arbeiten, etwa eine Serie über das Wachsen und Vergehen einer Inkalilie, sind zarte Meditationen über Zeit und Endlichkeit. Der Ausstellungstitel schließlich ist poetische Einladung und philosophische Geste zugleich: Vielleicht bedeutet „Freundschaft mit Außerirdischen schließen“ nichts anderes, als Veränderung zu akzeptieren – als Möglichkeit, das Unbekannte zu umarmen.

Die Ausstellung „Hiroyuki Masuyama. Freundschaft mit Außerirdischen schließen“ ist noch bis 8. März 2026 in der Kunstsammlung Jena zu sehen. Weitere Informationen findet man unter www.kunstsammlung-jena.de.

Schlagworte:

Ähnliche Artikel: