1meter20

Ein Fenster in die Seelen der 1920er

Das Stadtmuseum Erlangen zeigt Kinderzeichnungen aus der Zwischenkriegszeit

veröffentlicht am 10.01.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Kinderzeichnung, Schulmuseum Nürnberg, Sammlung Wilhelm Daiber, 1920er Jahre

Kinderzeichnung, Schulmuseum Nürnberg, Sammlung Wilhelm Daiber, 1920er Jahre, Foto © Erich Malter

Wie verarbeitet ein Kind die Schrecken eines Krieges? Diese Frage bewegte Lehrkräfte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zutiefst. Einer, der ungewöhnliche Antworten fand, war Wilhelm Daiber, Volksschullehrer in Stein bei Nürnberg. In einer Zeit, in der Kunstunterricht kaum Raum hatte, setzte er genau darauf. Er gab Kindern die Möglichkeit, mit Stift und Papier ihre Welt zu deuten – und ihre Gefühle auszudrücken. Zwischen 1924 und 1929 entstanden so rund 4.500 Zeichnungen: einfache Linien, kräftige Farben, stille Geschichten voller Sehnsucht, Angst und Hoffnung.

Diese Blätter sind mehr als Schularbeiten. Sie sind ein eindrucksvolles kulturhistorisches Dokument einer Generation, deren Kindheit von Not und Umbrüchen geprägt war. Heute gehört die Sammlung Daiber zu den bedeutendsten Beständen der Schulgeschichtlichen Sammlung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Im Frühjahr 2025 wurden die Zeichnungen von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt.

Das Stadtmuseum Erlangen präsentiert nun erstmals eine Auswahl dieser einzigartigen Werke. Die Ausstellung eröffnet nicht nur neue Perspektiven auf die 1920er Jahre, sondern wirft auch Fragen nach Bildung, Erinnerungskultur und Empathie auf – aktueller denn je.

Die Ausstellung „Kinderzeichnungen vor 100 Jahren“ läuft noch bis zum 1. März 2026. Weitere Informationen findet man unter www.stadtmuseum-erlangen.de.

Schlagworte:

Ähnliche Artikel: