Alpensinfonie, Schéhérazade und Schicksalsklänge
Die fränkischen Symphonieorchester und anderen Veranstalter symphonischer Konzerte trotzen mit Ideenreichtum dem Hornung
veröffentlicht am 28.01.2026 | Lesezeit: ca. 10 Min. | von Martin Köhl
Die Bamberger Symphoniker frönen seit Saisonbeginn der Aufforderung „Komm, wir spielen“. Spielfreude ist insbesondere angesagt, wenn das Orchester Ende März zum prominenten Auftritt nach Wien reist und im berühmten goldenen Saal des Musikvereins gastiert. Zuvor ist aber noch einiges los in Bamberg und in der Region. Am 7./8. Februar dirigiert Nikolaj Szeps-Znaider Robert Schumanns „Rheinische“ Symphonie sowie dazu passend „Rheinische Kirmestänze“ für 13 Bläser. Wen Xiao Zheng, der Solobratschist der Bamberger, interpretiert die Violapartie in Hector Berlioz‘ „Harold in Italie“. Eine Woche später kommt wieder Jörg Widmann nach Bamberg und musiziert als Klarinettist wie als Dirigent. Werke Mendelssohns stehen im Vordergrund, aber eine Paraphrase Widmanns ist auch dabei.
Ende des Monats singt die begnadete Sopranistin Julia Lezhneva Arien von Rossini, Bellini und Paisiello, Giovanni Antonini dirigiert dazu eine Haydn-Sinfonie. Am 7./8. März steht Richard Strauss im Vordergrund, doch Robert Treviño dirigiert außerdem die „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky. Krzysztof Urbanski dirigiert eine Woche später die dritte Symphonie von Mieszyslaw Weinberg (eine Entdeckung!) und führt mit der Geigerin Nemanja Radulovic das Violinkonzert Tschaikowskis auf. Ein Sonderkonzert im Livestream der Deutschen Welle sieht am 18. März die Moderatorin Annekatrin Hentschel und den Chefdirigenten Jakub Hruša vor.
Das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg begibt sich am 1. Februar (18.00 Uhr!) mit dem 3. Sinfoniekonzert nach Amerika. Es ist dem 250. Jubiläum der Gründung der USA gewidmet und steht unter der naheliegenden Devise „I Like to be in America“. Da liegt man natürlich nicht falsch, wenn Werke von Bernstein („West Side Story“) und Gershwin (Klavierkonzert) sowie eine Ellington-Hommage zu erwarten sind. Daniel Carter dirigiert, Frank Dupree wagt sich an das virtuose Klavierkonzert. Die Nummer vier der symphonischen Konzertreihe findet am 28. Februar und am 1. März statt, steht unter der ebenso knappen wie klaren Überschrift „Beethoven“ und sieht neben des Meisters 7. Symphonie auch das Tripelkonzert op. 56 vor sowie ein Stück von Unsuk Chin namens „Subito con forza“.
In Erlangen holt der dortige gVe am 24. Februar mit der Staatsphilharmonie Nürnberg den direkten symphonischen Nachbarn ins Haus, will heißen: in die Heinrich-Lades-Halle. In diesem „Exkursionskonzert“ unter Roland Böers Leitung steht ausschließlich die „Jupitersinfonie“ von Wolfgang A. Mozart auf dem Programm. Die Bamberger Symphoniker zählen natürlich auch zur benachbarten symphonischen Exzellenz und werden am 8. März einmal mehr ihre Visitenkarte abgeben. Ihr Solooboist János Wollenweber wird Richard Strauss' Oboenkonzert interpretieren, Roberto Treviño weitere Werke von Strauss, Charles Ives und Modest Mussorgsky dirigieren. Die Amsterdam Sinfonietta gastiert am 24. März in Erlangen und bringt Noten von Béla Bartók, Giuseppe Tartini, Pietro Locatelli und Astor Piazzolla mit. Candida Thompson dirigiert, Ray Chen spielt die Geige. In diversen Schul- und Familienkonzerten wird es außerdem um den Klassiker „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjew gehen.
Bei den Hofer Symphonikern steht am 14. Februar nichts weniger als „The Sound of James Bond“ im Fokus, und das Versehen mit dem deutlichen Hinweis „Licenced to Thrill“. Dann werden die Hofer Symphoniker, eine Band und Gesangssolisten die legendären Soundtracks von „Goldfinger“, „Liebesgrüße aus Moskau“, „Diamantenfieber“ etc. im Konzertsaal der Freiheitshalle erklingen lassen. „Hauptsache romantisch“ lautet das Motto am 27. Februar, wenn das 6. Symphoniekonzert das kapitale Klavierkonzert Nr. 2 von Johannes Brahms auf dem Programmzettel stehen hat, interpretiert von Fabian Müller. Zuvor dirigiert Chefdirigent Martijn Dendievel die dritte Symphonie g-moll von Louise Farrenc, der ersten Frau, die es ab 1842 zur Klavierprofessorin am Pariser Konservatorium brachte.
„Schicksalsklänge“ ertönen am 20. März im 7. Symphoniekonzert, das unter demselben Dirigenten russische Musik in den Mittelpunkt stellt. Werke von Alexander Borodin („Steppenskizze“) und Peter Tschaikowsky (5. Symphonie) rahmen das Hornkonzert B-Dur op. 91 von Reinhold Moritzewitsch Glière ein, das vom Solohornisten der Bamberger Symphoniker, Christoph Eß, interpretiert wird.
Die Hörtnagel Konzerte Nürnberg präsentieren am 3. März ein Gastspiel des Orchestra della Svizzera italiana, das von Julian Rachlin geleitet wird. Der ist bekanntlich auch ein begnadeter Geiger und spielt neben dem Dirigat von Werken Fritz Kreislers und Felix Mendelssohns auch das dritte Violinkonzert G-Dur von Wolfgang A. Mozart.
NürnbergMusik kündigt für den 28. März die „Musik der Giganten“ an, will heißen Filmmusik von John Williams und Hans Zimmer, gespielt vom Pilsen Philharmonic Orchestra unter der Leitung Chuhei Iwasakis. Ort: Meistersingerhalle.
Die Nürnberger Symphoniker sind am 8. Februar beim 13. Symphonischen Konzert angelangt, das mit Rimsky-Korsakow (Schéhérazade) und Rachmaninow (Klavierkonzert Nr. 2) russisch geprägt ist. Eduard Topchjan dirigiert, Dmitry Masleev spielt Klavier. Russisch geht's auch weiter am 28. Februar mit Borodin (Fürst-Igor-Ouvertüre), Tschaikowsky (2. Klavierkonzert G-Dur) und Schostakowitsch (9. Symphonie). Sheng Cai spielt das Klavier, die Leitung obliegt Thomas Sanderling. Das 15. Konzert feiert mit Haydns „Schöpfung“ das 80-jährige Bestehen der Nürnberger Symphoniker, Gratulation! Natürlich dirigiert mit Jonathan Darlington der Pultchef in der Meistersingerhalle.
Die Philharmonischen Konzerte des Staatstheaters Nürnberg machen am 13. Februar Halt bei der Programmmusik, die wir leider mit drei „m“ schreiben müssen. Arnold Schönbergs Tondichtung „Verklärte Nacht“ erklingt zunächst im 4. Philharmonischen Konzert, anschließend dirigiert GMD Roland Böer die „Alpensinfonie“ von Richard Strauss. Am 13. März wird's nordisch: Der schwedische Dirigent Tobias Ringborg bringt zwei Komponisten aus Nordeuropa nach Nürnberg. Von Jean Sibelius, dem bekannteren, erklingt die 2. Sinfonie D-Dur, vom unbekannteren Wilhelm Stenhammar stammt das Klavierkonzert Nr. 2, das von Martin Sturfält interpretiert wird.
Im Stadttheater Fürth sind die Auftritte des „Ukulele Orchestra of Great Britain“ zu einem Fixpunkt des Programms geworden. Es handelt sich zwar nicht um astreine Symphonie, doch dieser sensationelle Londoner Klangkörper beweist mit seiner musikalischen Perfektion stets von Neuem, dass jedes Musikstück dieser Welt es wert ist, auf der Ukulele neu interpretiert zu werden. „The Good, the Bad and the Ugly“ heißt am 5. Februar das Motto. Nichts wie hin!
Das Philharmonische Orchester Regensburg hat, wie das gesamte Theater Regensburg, seine Spielzeit unter das Motto „Existenzen“ gestellt. Das 4. Philharmonische Konzert am 19./20. Februar unter der Überschrift „In memoriam“ gedenkt mit der „Elegie für Anne Frank“ von Lukas Foss und Alban Bergs Violinkonzert mit dem Untertitel „Dem Andenken eines Engels“ zweier Mädchen, die jung verstarben bzw. ermordet wurden. Vom Totenreich erzählt auch Jean Sibelius‘ „Der Schwan von Tuonela“, der in der Sage die Toteninsel umkreist. Abschließend dirigiert Christopher Lichtenstein die dritte Sibelius-Symphonie. Violinsolistin ist Anna Agafia.
Am Theater der Stadt Schweinfurt ist am 19. März das Polish Chamber Orchestra mit einer kleineren Besetzung zu Gast. „Antonio Vivaldi meets Astor Piazzolla“ lautet das Motto, und die Idee ist, die Versionen für die Vier Jahreszeiten der beiden Komponisten zum Vergleich vorzustellen. Jurek Dybal dirigiert, Tamaki Kawakubo spielt die Violine.
Die TauberPhilharmonie in Weikersheim präsentiert am 6. März die venezolanische Pianistin Gabriela Montero mit ihrem eigens komponierten Klavierkonzert „Latin Concerto“, in dem sich Anklänge an Tango, Mambo, Salsa & Co. finden. Nach diesen südamerikanischen Rhythmen dirigiert Andrey Boreyko die Stuttgarter Philharmoniker in der unsterblichen „Symphonie Fantastique“ von Hector Berlioz. Im diesjährigen Passionskonzert am 27. März ist die Deutsche Radio Philharmonie unter der Leitung Masato Suzukis zu hören. Auf dem Programm stehen Joseph Haydn Sinfonie Nr. 44 („Trauersinfonie“), das Requiem von Tōru Takemitsu und das „Stabat Mater“ von Giovanni Battista Pergolesi.
Das Philharmonische Orchester Würzburg bietet am 12./13. März sein 4. Sinfoniekonzert in der Hochschule für Musik an. Der bekannten „Linzer“ Sinfonie KV 425 stellt das Konzert unter der Leitung von Alexander Merzin zwei originelle Werke gegenüber: György Ligetis „Concert Românesc“ und das Konzert für Klarinette und Streichorchester mit Harfe und Klavier von Aaron Copland. Victor Díaz Guerra spielt die Klarinette.
Die Würth Philharmoniker erstaunen immer wieder durch den Klang nicht nur des Orchesters, sondern auch durch den der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler. Anne-Sophie Mutter besitzt einen solch klangvollen Namen, und am 14. Februar wird man sie im Carmen Würth Forum mit einem Programm unter dem Titel „Virtuose Poesie“ erleben können. Mit von der Partie ist mit Jan Josef Liefers als Sprecher ein höchst bekannter Schauspieler, natürlich auch das Orchester unter Claudio Vandellis Leitung. Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ wird zu hören sein, außerdem Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur, gespielt natürlich von der berühmten Geigerin.
Am 14. März, also genau einen Monat später, wird mit Hélène Grimaud, eine nicht minder berühmte Pianistin, zu hören sein. Unter dem Motto „Unsterbliche Klänge“ wird sie George Gershwins Klavierkonzert in F-Dur spielen, das nur ein Jahr nach der kultigen „Rhapsody in Blue“ entstanden ist. Eingangs erklingt das „Solemn Prelude“ von Samuel Coleridge-Taylor, das nach seiner Uraufführung 1899 lange als verschollen galt und sich nun großer Beliebtheit erfreut. Abschließend dirigiert Maurice Cohn die 6. Symphonie D-Dur von Antonín Dvořák.