Bach und „die da oben“
Die Thüringer Bachwochen 2026 wagen sich mit dem Motto „Herrschaftszeiten“ an Johann Sebastian Bachs Verhältnis zur Obrigkeit
veröffentlicht am 17.03.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Martin Köhl
Die Augustiner Kantorei Erfurt gastiert am 28. März in der Erfurter Thomaskirche, Foto © Christiane Claus
Es ist ein ebenso originelles wie mutiges Motto, unter dem sich die Thüringer Bachwochen ab Ende März dem Publikum vorstellen. Wahrscheinlich ist dem Thomaskantor zu Lebzeiten mehr als ein herzhafter Fluch entglitten, wenn es im Umgang mit Politik und Verwaltung hakte. Herrschaftszeiten! Als Untertan von Geburt an rieb er sich zeitlebens an denen, die über ihn bestimmten. Aber erfuhr zugleich die Förderung seiner Musik. Deshalb nimmt das Festivalprogramm 2026 Bachs barocke Fürsten ins Visier.
Zwar gibt es zuvor schon zahlreiche Veranstaltungen im Bachland Thüringen, aber der kapitale Auftakt der Bachwochen ist am 28. März in der Erfurter Thomaskirche mit der Matthäuspassion. Ingrid Kasper, die aus Bamberg leider entfleuchte Landeskirchenmusikdirektorin Thüringens, wird ihre Augustiner Kantorei und das Andreas-Kammerorchester leiten.
Schon einen Tag später – die Passionszeit verpflichtet! – ist die Johannespassion im Erfurter Theater zu hören. Zwei Berliner Spitzenensembles treten zur Interpretation unter Justin Doyles Leitung an: der Rias Kammerchor sowie die Akademie für Alte Musik. Aus der Solistenriege wollen wir hier nur den Evangelisten Benedikt Kristjánsson und die fabelhafte Sopranistin Katharina Konradi erwähnen.
Mit dem Titel „Der Lautenist des Königs“ kommt man so richtig im Festivalthema an, denn es war Bachs Freund Silvius Leopold Weiss, der Kammerlautenist Augusts des Starken, der dem König die Abendstunden mit zarten Klängen versüßte. Am 8. April ist es Gabriel Rignol, der im Dornburger Rokokoschloss eine erlesene Besucherschar mit Werken von Weiss, Robert de Visée und J.S. Bach überrascht.
Auch Schloss Ettersburg mit seinem Festsaal wird für Bach als Mitglied der ernestinischen Hofkapelle ein Wirkungsort für das Musizieren vor adligem Publikum gewesen sein. Daniel Heide macht es ihm am 10. April unter der Überschrift „Der lyrische Salon“ nach und spielt Virtuoses von J.S. Bach. Fürstliches Vergnügen mit herkulischer Anmutung verspricht die capella arnestati am 12. April in Arnstadt.
Bach in Sanssouci darf beim Thema „Herrschaftszeiten“ natürlich nicht fehlen, denn es war ein Gipfeltreffen, als der alte Bach 1747, auf Besuch in Potsdam, vor Friedrich dem Großen spielte und die Kollegen seines Sohnes Carl Philipp Emanuel von der dortigen Hofkapelle kennenlernte. Dorothee Oberlinger lässt am 18. April mit ihrem Ensemble 1700 diese Zeit wieder lebendig werden.
Das vollständige Programm der Thüringer Bachwochen gibt es unter www.thueringer-bachwochen.de.