Theaterwege durch die Region
Große Themen, starke Inszenierungen, bewegende Abende
veröffentlicht am 02.02.2026 | Lesezeit: ca. 7 Min. | von Nele Wicher
„Zones of Simulation“
Choreografien ziviler Körper im militärischen Training
Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Dorf irgendwo im Nirgendwo. Doch die Häuser sind Kulissen, die Bewohnerschaft Darstellende und der Alltag eine minutiös geplante Übung: Seit 1951 betreibt die US-Armee im oberpfälzischen Hohenfels ein riesiges Trainingsareal, in dem auf über 160 Quadratkilometern Kriegsszenarien für US- und NATO-Truppen simuliert werden. Menschen, die sich dort als Civilians on the Battlefield (COBs) engagieren, übernehmen Rollen aus erfundenen Konfliktzonen. Was bleibt von diesen Erfahrungen zurück – in ihren Körpern, in ihrer Wahrnehmung, in ihrem Verhältnis zu Gewalt und Fiktion?
„Zones of Simulation“ rückt die oft unsichtbaren Figuren in den Mittelpunkt. Die Tanz-Performance verbindet persönliche Berichte ehemaliger COBs, Recherchematerial und Fragmente aus Isabelle Lehns Roman „Binde zwei Vögel zusammen“ zu einer Choreografie, die Widerstand, Verletzlichkeit und soziale Einschreibungen sichtbar macht.
Am 13. und 14. Februar wird das Stück jeweils um 20 Uhr in der Tafelhalle Nürnberg gezeigt. Im Voraus finden Tastführungen statt.
„Die Tagebücher von Adam und Eva“
Ein satirisches Musical über die Ur-Liebe
Liebe auf den ersten Blick? Wohl kaum. Als Eva eines Tages im Garten Eden auftaucht, bricht für Adam eine Welt zusammen. Eva ist neugierig und gesprächig und beginnt alles um sich herum zu analysieren – sehr zum Unmut Adams. Eva hingegen fühlt sich von Adam vor den Kopf gestoßen, seine nüchterne Sachlichkeit verärgert sie. Doch die beiden müssen lernen miteinander auszukommen.
Mit lebendiger Musik, scharfsinnigem Humor und einem originellen Blick wird die Geschichte von Adam und Eva neu erzählt und auch den Fragen rund um den Mythos neue Kraft verliehen: Gab es wirklich eine Schlange? Hat Adam noch alle Rippen? Wer braucht einen Dinosaurier als Haustier?
Am 12. Februar führt das Theater Hof „Die Tagebücher von Adam und Eva“ nach dem bekannten Roman von Mark Twain im Rosenthal Theater Selb auf. Ein unterhaltsamer, origineller Blick auf die Geschichte von Adam und Eva, der nicht nur die Bibel, sondern auch die Gesellschaft hinterfragt.
„Malala - Mädchen mit Buch“
Malala Yousafzais Lebenswerk im Blick
„Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. Bildung ist die einzige Lösung“, erklärt Malala Yousafzai 2013 vor den Vereinten Nationen. Geboren 1997 im Swat-Tal/Pakistan, wächst Malala in einer Zeit auf, in der Frauen der Schulbesuch verboten wird. In einem Online-Blog der BBC berichtet sie mit gerade einmal 11 Jahren über ihren Alltag unter der Herrschaft der pakistanischen Taliban. Mit fünfzehn überlebt sie knapp einen Mordanschlag der Taliban.
Ihre Geschichte verbreitet sich rund um die Welt. Doch während sie im Westen als Heldenfigur gefeiert wird, wird sie in ihrer Heimat Pakistan immer noch mit dem Tod bedroht.
Mit „Malala - Mädchen mit Buch“ nimmt das Theater in Kempten die Geschichte der Friedensnobelpreisträgerin in den Blick. Über 80-mal wurde die T:K-Eigenproduktion bereits im deutschsprachigen Raum gespielt, nun kommt sie auch ans Landestheater Dinkelsbühl. Termine sind der 8. und 12. März 2026.
„Die Goldfische“
Eine Komödie zum Thema Inklusion
Der Banker Oliver lebt bislang auf der Überholspur – doch ein schwerer Verkehrsunfall verändert alles. Während seiner Reha stößt er zur Wohngruppe „Die Goldfische“: Dort leben die sehbehinderte Magda, der schweigsame Michi, der autistische Rainman und die lebenslustige Franzi mit Down-Syndrom. Für Oliver ist das die perfekte Crew für seinen Plan: In Gestalt eines harmlosen Gruppenausflugs will er sein Schwarzgeld über die Grenze schmuggeln. Wer überprüft schon einen Bus voller Menschen mit Behinderung? Doch die Mitfahrenden haben eigene Ideen, was mit dem Geld geschehen soll …
Mit viel Witz, Tempo und einer herrlich unkonventionellen Sicht auf alles, was als „normal“ gilt, entwickelte sich die Inklusions-Komödie zu einem Kino-Erfolg im Jahr 2019 und wurde mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. Die Bühnenfassung der Comödie Dresden wurde 2023 mit dem Publikumspreis der Privattheatertage geehrt.
Ein Theaterstück, das berührt, überrascht, zum Lachen bringt und einen unkonventionellen Blick auf Inklusion und Gemeinsamkeit ermöglicht. Am 24. Februar 2026 ist die Comödie Dresden in Kooperation mit den Hamburger Kammerspielen zu Gast am Stadttheater Amberg.
„Der Theaterdirektor in Nöten“
Ein Blick hinter die Kulissen des Opernbetriebs
In einer Koproduktion des Liebhabertheaters Schloss Kochberg – Theater an der Klassik Stiftung Weimar und der lautten compagney BERLIN wird Goethes verschollenes Lieblings-opera-buffa wieder zum Leben erweckt: „Der Theaterdirektor in Nöthen“ oder „Die theatralischen Abenteuer“ von Domenico Cimarosa. Seine Fassung von 1791 ist verschollen, nun wird das Stück nach mehrjähriger Forschung in eigener Fassung neu aufgeführt.
Das Stück ist eine bissige, gleichwohl lebensnahe Satire auf den Opernbetrieb. Die Handlung bringt das Geschehen hinter den Kulissen einer Opernproduktion auf die Bühne und gewährt Einblicke in den Theateralltag, aber auch die sozialen Verhältnisse der damaligen Zeit. Ein Direktor, ein Dichter, ein Kapellmeister und drei Primadonnen sind allesamt bestrebt, möglichst viel Vorteil aus dem Opernbetrieb zu ziehen. Allianzen, Intrigen und Liebesaffären sind Abbilder ihrer festgefahrenen Egoismen. Ein Streit um Liebe, Ruhm und Karriere bricht aus und die Dinge spitzen sich zu ...
Am 7. und 8. März ist der „Theaterdirektor in Nöten“ im Theater im Gemeindehaus in Schweinfurt zu sehen.
„Herr Lem“
Futurologische Begegnungen der Gegenwart
Stanisław Lem zählt zu den Ikonen der Science-Fiction - geboren 1921, beeinflusste er mit seinen scharfsinnigen und oft humorvollen Visionen unsere Sicht auf Zukunft und Gegenwart gleichermaßen. Er starb 2006 in Krakau.
In „Herr Lem“ kehren der Autor und seine literarischen Figuren auf die Bühne zurück: Trurl, Klapauzius und Ijon Tichy erscheinen, hinterfragen Wirklichkeit, Rolle und Verantwortung - und verhandeln, was es heißt, Welt und Zukunft zu gestalten.
Was bedeutet es, wenn Schöpfer und Geschöpf gleichzeitig auf einer Bühne stehen? Wenn ein toter Autor zum Leben erwacht und seine Geschichten sich selbst erfinden? Diese Metaebene, dieses Spiel mit Identität und Existenz, wird zum Ausgangspunkt eines Abends, der nachdenklich macht, überrascht und unterhält.
Die Inszenierung vom Theater Chemnitz unter Regie von Bogdan Koca wird am 12. und 13. Februar 2026 am Stadttheater Aschaffenburg aufgeführt. Ein Abend der Spiellust, Poesie und des philosophischen Witzes!