Vorhang auf!

Theaterherzog und Regienachwuchs treffen sich in Meiningen

Das Staatstheater Meiningen lädt anlässlich des 200. Geburtstags von Georg II zur „Woche der jungen Regie“ ein

veröffentlicht am 10.03.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Elke Walter

Die Woche der jungen Regie: „Ottosottosottosmops“

Die Woche der jungen Regie: „Ottosottosottosmops“, Foto © Richard Stöhr

Am 2. April 2026 feiert Meiningen den 200. Geburtstag von Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826 bis 1914), der als kunstsinniger Theaterherzog in die Geschichte der Stadt, aber auch in die Historie des modernen Regie- und Ensembletheaters eingegangen ist. Mit seinen zwölf „Meininger Prinzipien“ hatte der theaterbegeisterte Herzog zunächst für die Theater- und Orchesterarbeit des Hoftheaters viele Neuerungen eingeführt. Die tiefgreifende Reform Ende des 19. Jahrhunderts prägte fortan die Theaterarbeit auch über Thüringen hinaus und ist bis heute ein fester Bestandteil der Lehrpläne zur Schauspielausbildung, zum Beispiel in der Ernst-Busch-Schule in Berlin oder im Max-Reinhardt-Seminar in Wien. „Zeitgemäßes Theater sei Regietheater“, heißt es in dem Papier, in dem der Regisseur die Hauptverantwortung für eine Aufführung tragen soll. Er solle das Literarische, Akustische und Visuelle zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführen. Rollenmonopole oder Starkult lehnte er ab. Die Reform rückte unter anderem auch die historische Korrektheit, die Entwicklung eines Wertebewusstseins, die Bedeutung der dichterischen Vorlage, die Gestaltung des Bühnenbilds sowie die Finanzierung als gesellschaftlichen Auftrag in den Blick.

Regienachwuchs kommt nach Meiningen

Zum Jubiläumsjahr lädt das Staatstheater den Regienachwuchs zur „Woche der jungen Regie“ nach Meiningen ein. Aus rund 40 Bewerbungen wurden von einer Jury – das waren Schauspieldirektor Frank Behnke, die Dramaturginnen Katja Stoppa und Deborah Ziegler sowie Regisseur und Festival-Kurator Ronny Jakubaschk – sechs Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum ausgewählt. Vom 20. bis 26. März 2026 stellen die jungen Regisseurinnen und Regisseure ihre Stücke vor. Alle Aufführungen finden in den Kammerspielen des Staatstheaters statt und beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Los geht es am 20. März mit „Kostja“ von Sara Çalişkan. Ein Mensch stirbt. Was lässt er zurück? Habseligkeiten? Erinnerungen? Eine Lücke? Was kann man den Hinterbliebenen mitgeben? All dies fragt sich auch Kostja. Aus Textnachrichten, Ton- und Bildaufnahmen entstehen ChatBots und Avatare, um den Abschied zu erleichtern. Eine eigens entwickelte KI lässt Kostja mit seinem eigenen animierten Abbild kommunizieren und er beginnt ein zweites digitales Leben. Regie führt Alessa Bollak (Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, Ludwigsburg).

Die zweite Produktion „Being Jonas Weber“ (21. März) inszeniert Jonas Weber, der Autor des Stückes, selbst (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt am Main). Alle Mitwirkenden dieser Performance tragen dieselben Vor- und Zunamen: Jonas und Weber. Nachdem Jonas aus der Liste der Top Ten der Vornamen gerutscht ist, rangiert Weber noch immer unter den häufigsten Familiennamen. Unter dieser Prämisse treffen sich die vier „Jonas Weber“-Protagonisten: Was macht das Jonas-Weber-Tum aus? Wann wird etwas zur Normalität und wo liegen etwa Grenzen?

Am Folgetag (22. März) gibt es, frei nach Texten von Friederike Mayröcker sowie einem Lautgedicht von Ernst Jandl die Inszenierung von „Ottosottosottosmops“ zu sehen. Regieperson Juno Peter (HfMT Hamburg) lädt zu einer vergnüglichen Reise in Wort und Klang ein.

Uraufführungen bei der „Woche der jungen Regie“

Auch drei Uraufführungen hält das Programm bereit. Da ist zunächst „Aileen“, ein Recherchestück von Leena Schnack und Lori Brückner. Regie führt Brückner (HfMT Hamburg) selbst. Das Stück, so die Ankündigung des Theaters, beschäftigt sich mit Gewalt, vor allem patriarchaler Ausprägung, Prekariat, Sexarbeit und medialer Sensationssucht (24. März).

In Alex Cocotas‘ Vorlage „Die Hölle ist leer“ (25. März) wittert ein junger Journalist eine Sensationsstory, als er sich mit dem Enkel eines ehemaligen NS-Mannes auf die Reise zu einem Konzentrationslager begibt. Die Grenzen zwischen Recherche und Inszenierung, Schuld und Identität, Spiel und Realität verschwimmen allmählich. Der Journalist gerät zunehmend in ein Netz aus deutscher Erinnerungskultur, Geschichtsmythen sowie dem Verhältnis zum Judentum, in dem er allmählich selbst zum Protagonisten wird. Eine schwarze Komödie mit Bezügen zu Vergangenheit und Gegenwart. Regie führt Fabio Thieme (Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin).

Mit „Keine Hoffnung, Baby!“ von Jakob Leanda Wernisch geht die Woche der jungen Regie am 26. März zu Ende. Das vorausberechnete Datum des Weltuntergangs wirft Rike in tiefe Trauer. Auf der Suche nach Halt entscheidet sie sich, ihre Freundin zu heiraten, und plant eine Hochzeitsfeier mit zwei befreundeten Paaren. Die Feier ist in einem Schutzbunker in vollem Gang, bis eine ungeladene Person das Fest crasht.

Ein umfangreiches Zusatzprogramm mit Workshops oder auch Masterclasses bietet Raum für Begegnung, Diskussion und Austausch. Eine Jury begleitet und diskutiert die vorgestellten Produktionen und wählt unter allen Teilnehmenden eine Regieperson beziehungsweise ein Regieteam aus, das als Preis in der Spielzeit 2026/27 oder 2027/28 die Möglichkeit bekommen soll, eine Inszenierung am Staatstheater Meiningen zu erarbeiten.

Nähere Informationen zur Woche der jungen Regie gibt es unter www.staatstheater-meiningen.de.

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