Opernklassiker mit historischem Hintergrund
Katharina Kastening inszeniert „Ein Maskenball“ am Theater Erfurt
veröffentlicht am 01.02.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Elke Walter
Opern von Giuseppe Verdi gehören zum festen Repertoire vieler internationaler Opernhäuser. Der große Erfolg seiner Werke war aber nicht von Anfang an garantiert. Am Theater Erfurt steht ab 7. Februar 2026 unter der Regie von Katharina Kastening Verdis „Maskenball“ (Un ballo in maschera) auf dem Spielplan. Die musikalische Leitung hat Hermes Helfricht, Generalmusikdirektor am Theater Erfurt.
Der Titel lässt auf den ersten Blick ein fröhliches Treiben erwarten, was allerdings täuscht. Denn die Oper erzählt eine dramatische Geschichte um politische Intrigen, Liebe, Leidenschaft, Eifersucht, Verrat, Treue und Mord. Stoff, aus dem man dramatische Opern schreibt. Brisanter allerdings ist dabei, dass Verdi sich auf eine historische Begebenheit bezieht. Der Komponist hatte die Ermordung des schwedischen Königs Gustav III., der auf einem Maskenball im Opernhaus 1792 einem Attentat zum Opfer gefallen war, zum Anlass für seine Oper genommen. Mehrmals von der Zensur abgelehnt, in der Folge umgearbeitet, wurde das Geschehen letztlich nach Boston verlegt. Das historische Vorbild sei, so Kastening, ein polarisierender Reformer und Kunstmäzen gewesen, hin und her gerissen zwischen persönlicher Sehnsucht und öffentlicher Verantwortung. Uraufgeführt wurde „Der Maskenball“ 1859 am Teatro Apollo Rom, zunächst mit wenig Zuspruch. Der große Erfolg des Werkes folgte erst viel später – und hält bis heute an. Als literarische Vorlage für das Libretto von Antonio Somma diente das Drama „Gustave III ou Le bal masqué“ von Eugène Scribe.
Der Stoff, den Verdi hier als Basis für seine Oper wählte, enthalte, so Regisseurin Katharina Kastening, im Kern so relevante menschliche Themen, dass sie völlig zeitlos immer wieder gespielt werden könne. Es gehe nicht um eine veraltete Gesellschaft, sondern spiegle ganz Menschliches. „Auch zeitgenössische Filme und Serien“, ergänzt sie, „arbeiten mit solchen Bausteinen.“
Oper mit historischem Hintergrund
Riccardo, Gouverneur der Stadt Boston, wird von seinem engsten Berater und Freund Renato vor einem politischen Komplott gewarnt. Aber Riccardo denkt nur an den bevorstehenden Ball, bei dem er auf ein Wiedersehen mit Amelia, der Ehefrau Renatos, die er heimlich liebt, hofft. Eine Wahrsagerin sagt ihm voraus, dass er durch die Hand eines Freundes sterben würde. Unter der Maske könne er unerkannt bleiben, glaubt er. Als Renato erfährt, dass auch seine Frau Riccardo zugetan ist, will er Amelia töten. Von diesem Plan kommt er ab und schließt sich den Verschwörern an. Im Treiben des Maskenballs ersticht Renato seinen Freund und Widersacher aus Eifersucht, der ihn sterbend um Verzeihung bittet und schwört, dass seine Frau ihm stets treu geblieben sei.
Musik als Spiegel in die Psyche der Figuren
Für Katharina Kastening ist es die erste allein verantwortete Verdi-Inszenierung. Als Regieassistentin oder Co-Regisseurin habe sie Verdi-Inszenierungen, etwa „Otello“ mit dem renommierten britischen Opernregisseur Keith Warner, schon begleitet, erzählt sie. Das Libretto sei so geschrieben, dass die Handlung auch gut auf der Bühne umzusetzen sei. Die Musik, mit der Verdi die Psyche der einzelnen Charaktere ausleuchtet, trage einen großen Anteil am Erfolg der Oper.
Die Figuren, so Kastening, seien impulsiv und widersprüchlich, bereit zu schnellen Entscheidungen, im Zwiespalt zwischen loyal und doch nicht loyal, von eigenen Wünschen überrollt, was auch zur Rücknahme von Entscheidungen führe. Die Personen erschienen innerlich tief zerrissen. „Was mich dabei beschäftigt hat“, so die Regisseurin, „war etwa die Frage, welche gesellschaftlichen Kräfte zu so einer inneren Spaltung getrieben haben könnten.“ Das erratische Verhalten der Personen führe zu einem Schlingerkurs, ohne stringentes Handeln.
Leben in einer dystopischen Unterweltkulisse
Für die Inszenierung wählt Kastening einen dystopisch düsteren Raum in der Zukunft, aber dennoch nur wenige Schritte vom Heute entfernt. „Es ging darum“, sagt sie, „einen Rahmen zu finden, der das Verhalten dieser Figuren erklärt.“ Die Erde ist verkommen, für die Menschen nicht mehr bewohnbar. „Die Gesellschaft“, so die Regisseurin, „lebt unter der Erde.“ Die Reichen und Privilegierten ließen es sich noch immer gut gehen, sagt sie, während die Armen in einem darunter liegenden Bereich leben müssten. Eine düstere Welt mache sich da auf, die eine ehemals blühende Natur nur noch als Zeichnungen an den Wänden erahnen ließe. „Dieses Szenario“, ergänzt sie, „also die Fiktion einer negativen Zukunftswelt, soll aber nicht als Gag gesetzt sein, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik ermöglichen. Sehr dankbar ist Kastening für die Unterstützung von Hank Irvin Kittel, Ausstattungsleiter am Theater Erfurt, der die technischen Möglichkeiten des Hauses kennt und die Unterwelt so auch wirksam nach oben fahren kann.
Die Proben liefen sehr gut, Ensemble, Chor und Orchester seien voll dabei, schwärmt Kastening. Es sei so toll, wenn alle mit vollem Einsatz dabei sind.
Weitere Informationen zur Inszenierung und den einzelnen Terminen findet man unter www.theater-erfurt.de.