Vorhang auf!

Die Welt der Verstoßenen

Das ETA Hoffmann Theater Bamberg bringt „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann auf die Bühne

veröffentlicht am 07.03.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Barbara Pittner

ETA Hoffmann Theater Bamberg, Außenansicht

ETA Hoffmann Theater Bamberg, Außenansicht, Foto © Elke Walter

Murat Yeginer ist Schauspieler, Autor, Regisseur. Das Stück „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann kennt er in- und auswendig. Spielte er doch 2015 die Rolle des Theaterdirektors Hassenreuter in der Inszenierung von Jan Christoph Gockel am Staatstheater Mainz.

In dieser Spielzeit erzählt er am ETA Hoffmann Theater in Bamberg diese „Großstadtdichtung“ komplett neu, ergänzt mit musikalischen und choreografischen Elementen. Neu ist auch der Einsatz einer Puppenspielerin aus dem Ensemble des ETA Hoffmann Theaters. Sie übernimmt die Rolle eines Mädchens, das seinerseits sprachlos geworden ist. So wird die Puppe zum Sprachrohr seiner Worte.

Wie gelingt es nun, ein Drama, das 1911 am Berliner Lessing-Theater uraufgeführt wurde und im Berlin des vergangenen Jahrhunderts spielt, gegenwartsrelevant auf die Bühne zu bringen? Für John von Düffel, den Intendanten des Bamberger Theaters, ist das Stück „zeitlos“. Hier begegnen sich Theaterwelt und der soziale Rand der Gesellschaft und zugleich erzählt es „starke soziale Außenseitergeschichten“. Es geht um Mord und Abstieg, um unerfüllte Wünsche, um den Schmerz aus der Vergangenheit und die Wunden der Gegenwart. Es geht um den Versuch, ein gutbürgerliches Leben zu führen, der jedoch kläglich scheitert.

Für John von Düffel liegt die Antwort in der Neubearbeitung und Neuerzählung der Geschichte von Murat Yeginer. Er ist für ihn der „zeitgemäße Autor und Regisseur“. Murat habe eine „Schreibfeder“ für diese Geschichten und für „Außenseiterfiguren“. Bei aller Schwere und Düsternis der Schicksale bringt Murat mit erzählerischer Leichtigkeit ihre Geschichten auf die Bühne, verleiht ihnen eine „eigene Würde und Schönheit“.

Murat Yeginer nutzt das Theater als „poetischen Raum“. Der Theaterfundus auf dem Dachboden der Mietskaserne ist eine eigene Welt, formt einen eigenen Kosmos: Hier begegnen sich das Leid und der Schmerz der Figuren und er bietet ebenso Platz für eine große Liebesgeschichte.

John von Düffel bezeichnet Murat Yeginer als einen „großen Verzauberer“, der dem Stück eine „zirkushafte und leichte Atmosphäre“ verleiht. Die Bühne, das Theater wird zu einem magischen Ort. Mehr noch: Das Theater ist ein analoger Ort, zu dem man aus Isolation und Einsamkeit kommen kann. Und so ist das Theater bei aller Tristesse ein Ort der Hoffnung.

„Die Ratten“ von Murat Yeginer frei nach Gerhart Hauptmann hat am 13. März 2026 Premiere. Weitere Informationen zum Stück gibt es unter www.theater.bamberg.de.

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