Vorhang auf!

Wenn die Gesellschaft versagt

Susanne Pfeiffer inszeniert „Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“ am Theater Schloss Maßbach

veröffentlicht am 02.02.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Barbara Pittner

Probenfoto „Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens“: Sam Gerst, Yannick Rey, Jonas Stüdemann

Probenfoto „Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens“: Sam Gerst, Yannick Rey, Jonas Stüdemann, Foto © Sebastian Worch

Die Geschichte liegt über 200 Jahre zurück und ist aktuell wie eh und je. Die Rede ist von Caspar Hauser. „Ein Junge ohne Vergangenheit, ein rätselhaftes Verbrechen, ein Krimi ohne Auflösung, eine Gesellschaft, die einen Menschen nicht als Menschen anerkennen kann.“ So fasst Susanne Pfeiffer die Geschichte jenes Findelkindes zusammen, dessen Schicksal bis heute fasziniert. Für das Theater Schloss Maßbach hat die Schauspielerin und Regisseurin den Roman „Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“ von Jakob Wassermann überarbeitet und inszeniert. Premiere ist am 6. Februar 2026.

Der Umgang der Gesellschaft mit dem Unbekannten

Der Roman von Jakob Wassermann erschien 1908 und widmet sich den letzten Lebensjahren von Caspar Hauser. In ihrer Bearbeitung bindet Susanne Pfeiffer die Geschichte in eine gegenwärtige Rahmenhandlung ein. Besucherinnen und Besucher kommen in ein Museum, in dem eine Skulptur von Caspar Hauser steht, die mit einem Mal lebendig wird. Die Menschen werden dazu eingeladen, die Geschichte des jungen Mannes nachzuspielen und in die Rollen jener Personen zu schlüpfen, die Caspar Hauser in seinen letzten Lebensjahren begleitet haben.

In ihrer Inszenierung geht Susanne Pfeiffer der Frage nach, wie die Gesellschaft mit dem Fremden, mit dem für sie Unbekannten umgeht. „Caspar Hausers Existenz stellt unsere Vorstellung von Menschlichkeit auf den Kopf“, erklärt die Regisseurin, die in Freiburg Germanistik und Geschichte studiert hat. Denn der Verlauf der Geschichte zeigt, dass die Menschen nicht bereit sind, ihr Herz für das Fremde zu öffnen.

Caspar Hauser hat keine kulturelle Prägung erfahren und passt darum nicht in die Gesellschaft, in der er plötzlich auftaucht. Ihm fehlt die Gleichartigkeit mit der Gesellschaft. Er wird benutzt, dient als Projektionsfläche und gerät schließlich unter die Räder einer unbarmherzigen Gesellschaftsmaschine in Form von Kälte und einem „brutalen Umgang mit dem Menschen“.

Denkanstöße für das Publikum

Susanne Pfeiffer möchte mit ihrer Inszenierung „Denkanstöße“ geben. „Einfach nur die Handlung des Romans nachzuerzählen, wäre vermessen“, sagt die Regisseurin. Ihr geht es vielmehr um die Frage: „Wie verhalten wir uns selbst in bestimmten Situationen?“ Für sie ist diese Frage „brandaktuell“ und sie möchte die Zuschauerinnen und Zuschauer dazu einladen, eigene Analogien zu der Geschichte des Caspar Hauser zu finden.

Weitere Informationen zum Stück dazu finden sich unter www.theater-massbach.de

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