Zwischen Abdruck und Widerstand
Jakob Limmer und Tobias Molitor erkunden Material, Macht und Körper im Spannungsfeld von Konsum und Struktur
veröffentlicht am 13.03.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Es ist die Begegnung zweier künstlerischer Handschriften, die aus unterschiedlichen Richtungen auf denselben Kern zielen: Transformation. In der Ausstellung „Druck und Zug“ treffen Jakob Limmer und Tobias Molitor im Kronacher Kunstverein aufeinander und eröffnen ein Spannungsfeld zwischen Körper, Material und gesellschaftlichen Kräften.
Molitor entnimmt seine Motive der Welt der Massenproduktion, des Konsums und der medialen Zirkulation. Alltagsprodukte, benutzt, weggeworfen, weitergereicht, werden in einem forschenden Prozess dokumentiert und in den Siebdruck überführt. Was flüchtig erscheint, gewinnt Dauer, wird Bild und zugleich Kommentar zu den Kreisläufen, in die der Mensch eingebunden ist. Der Konsum hinterlässt Spuren – nicht nur auf Dingen, sondern auch in Wahrnehmung und Verhalten.
Limmer hingegen rückt den Körper selbst in den Fokus. Seine Arbeiten zeigen, wie Autorität, Struktur und Widerstand sich in Material und Form einschreiben. Weiche, taktile Stoffe treffen auf starre, unnachgiebige Konstruktionen. Druck wird sichtbar, Zug spürbar. Was bleibt, ist der Abdruck eines Moments, in dem Kräfte aufeinandertreffen und Verformung zur Aussage wird.
Gemeinsam ist beiden Positionen das Festhalten eines Übergangs: als Spur, als Deformation, als stille Evidenz eines Eingriffs. Unterschiede in Motiv und Form verweisen auf unterschiedliche Haltungen zu Macht, Individualismus und Kontrolle, ohne diese Gegensätze aufzulösen. Vielmehr entfaltet sich ein Dialog, in dem das Politische im Material und das Gesellschaftliche im Körper sichtbar wird.
„Druck und Zug“ ist damit weniger eine Gegenüberstellung als eine präzise gesetzte Konfrontation zweier Perspektiven, die sich gegenseitig schärfen. Die Ausstellung lädt dazu ein, in scheinbar nüchternen Oberflächen die stillen Konflikte zu erkennen, die unseren Alltag prägen.
Die Ausstellung ist vom 8. März bis zum 12. April im Kronacher Kunstverein e.V. zu sehen. Mehr Infos unter www.kunstverein-kronach.de.