Ordnung im Staunen
Die Kunst- und Wunderkammer in der Kunstsammlung Jena verbindet historische Sammeltradition mit zeitgenössischer Leidenschaft
veröffentlicht am 30.01.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Mark Dion, BLOOD CORAL, 2011, Kunstharz-Korallenbaum auf Bronzesockel mit angehängten fossilen Original-Haizähnen und 1 Bärenkralle (Kunstharz), Sammlung Gerhard Theewen, Foto © Kunstsammlung Jena
Kunst- und Wunderkammern gelten als frühe Vorläufer moderner Museen. Hervorgegangen aus Raritäten- und Kuriositätenkabinetten, vereinten sie Objekte aus Natur, Wissenschaft, Geschichte und Kunst zu ebenso gelehrten wie staunenswerten Weltmodellen. Diese Sammlungen dienten der Inspiration, der Repräsentation und nicht zuletzt der Lust am Unbekannten.
Die Ausstellung „Kunst- und Wunderkammer. Sammlung Gerhard Theewen & Werke aus der Sammlung Opitz-Hoffmann“ knüpft an diese Tradition an und übersetzt sie in die Gegenwart. Wunderkammern erscheinen hier als Orte der Vielfalt und der offenen Ordnung, als Reallabore, in denen sich Geschichte und Gegenwart, Systematik und Intuition produktiv durchdringen. Das Prinzip der „kombinationsreichen Unordnung“ eröffnet Freiräume für ästhetische Entdeckungen und neue Denkbewegungen.
Im Zentrum steht die Sammlung des Verlegers und Künstlers Gerhard Theewen, dessen Salon Verlag seit vielen Jahren mit Künstlerbüchern, Editionen und Monografien Maßstäbe setzt. Zahlreiche dieser Werke sind seit über einem Jahrzehnt Bestandteil der Kunstsammlung Jena. Sie dokumentieren enge Kooperationen mit Künstlerinnen und Künstlern und spiegeln die Vielfalt aktueller Kunstproduktion im Mikrokosmos eines Verlagsprogramms.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Werke aus der Sammlung von Dorothee Opitz-Hoffmann und Klaus Hoffmann, die den Jenaer Bestand seit Jahren prägen. Beide Sammlungen verbindet die Offenheit gegenüber zeitgenössischem Kunstschaffen und eine Leidenschaft für das Entdecken. Theewens Sammlung folgt dabei keiner Typologie, sondern einem künstlerischen Eigenwillen – sie ist Kunstkammer und Wunderkammer zugleich: ein Spiegel kultureller Vielfalt und gelebter Sammelleidenschaft.
Noch bis zum 8. März ist die Ausstellung in der Kunstsammlung Jena zu sehen. Weitere Informationen unter www.kunstsammlung-jena.de.