Ausstellungen

Wenn die Wahrheit Hauspantoffeln trägt

Sechs künstlerische Positionen zwischen Ironie, Nostalgie und digitaler Verunsicherung in der kunst galerie fürth

veröffentlicht am 30.01.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Sebastian Tröger: Die Wahrheit trägt bequeme Pantoffeln, 2025, Tusche auf Papier, 21 x 15 cm

Sebastian Tröger: Die Wahrheit trägt bequeme Pantoffeln, 2025, Tusche auf Papier, 21 x 15 cm, Foto © Sebastian Tröger, Courtesy Oechsner Galerie

Leise, beiläufig und ohne Pathos: So nähert sich diese Ausstellung der Wahrheit. „Die Wahrheit trägt bequeme Pantoffeln“ – der Titel umkreist die Gruppenschau in der kunst galerie fürth wie ein stiller Kommentar zur Gegenwart. Sechs künstlerische Positionen aus Sachsen und Franken treten in einen Dialog, der Ironie und Ernst, Alltägliches und Abgründiges miteinander verschränkt.

Jan Kummer zeigt erzählerische Hinterglasbilder und fragile Modellhäuser, deren absurde Architektur der Wirklichkeit näher ist, als man ahnt. Zwischen Dada-Ironie und stiller Melancholie entsteht eine Bildsprache, die Mangel in poetische Beharrlichkeit verwandelt.

Tabitha Rub bevölkert ihre Leinwände mit fellbedeckten, gesichtslosen Wesen, die dennoch zutiefst menschlich wirken. In ihren Gesten spiegeln sich soziale Rollen, Verletzlichkeit und groteske Überzeichnung.

Sebastian Tröger präsentiert Gemälde an Holzgestängen wie Fahnen. Die große Geste wird dabei selbst befragt: Pathos trifft auf eine Malerei, die bewusst flüchtig bleibt und die Wirksamkeit von Symbolen infrage stellt.

Nina Kummer arbeitet mit Textbildern im Linolschnitt, roh und direkt. Geschlechterrollen und Identität erscheinen als tastende Selbstbefragung, wie hastig eingeritzte Gedanken zwischen Zweifel und Widerstand.

Im Kontrast dazu steht die altmeisterliche Malerei von Steve Viezens, der künstliche Intelligenz in seine Bildfindung einbezieht. Realität wird zur Simulation, Wahrheit zur instabilen Größe.

Henriette Grahnert verbindet Malereitraditionen, Collage und gestische Eingriffe zu Bildräumen, die Alltägliches und Kunstbetrieb mit feinem Spott durchleuchten.

Gemeinsam entwerfen die Werke ein Panorama unserer Zeit: widersprüchlich, verspielt und ernst zugleich. Vielleicht liegt die Wahrheit näher, als wir glauben – man muss ihr nur die Tür öffnen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 29. März in der kunst galerie fürth zu sehen. Weitere Informationen unter www.kunst-galerie-fuerth.de.

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