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Der Netflix-Roboter Cassandra verstärkt im Zukunftsmuseum Nürnberg die Debatte um KI, Kontrolle und Verantwortung
veröffentlicht am 06.02.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Zwei große Augen, ein scheinbar wacher Blick: Mit dem humanoiden Roboter Cassandra zieht ein Objekt in die Dauerausstellung des Deutschen Museums Nürnberg – Das Zukunftsmuseum – ein, das die Grenze zwischen Science-Fiction und technischer Gegenwart bewusst verschwimmen lässt. Als Leihgabe von Netflix ist Cassandra ab sofort im Ausstellungsbereich „Arbeit und Alltag“, im Themenfeld „Kontrolle“, zu erleben.
Cassandra entstammt der gleichnamigen sechsteiligen Serie und verbindet eine 1970er-Jahre-Retroästhetik mit gegenwärtigen Fragen an künstliche Intelligenz. Ihr metallischer Körper trifft auf ein weibliches Gesicht, das auf einem Röhrenbildschirm erscheint – vertraut und zugleich irritierend. In der Erzählung entwickelt der Roboter ein eigenes Bewusstsein, denkt, fühlt und trifft Entscheidungen. Damit verschiebt sich die Grenze zwischen Mensch und Maschine und wirft Fragen nach Macht, Abhängigkeit und Kontrollverlust auf.
Im Museum wird Cassandra bewusst nicht als reines Medienobjekt präsentiert, sondern als Impulsgeberin für eine technikethische Debatte. „Mit Cassandra holen wir ein Objekt aus der Science-Fiction in unsere Ausstellung“, erklärt Museumsleiterin Marion Grether. Während andere humanoide Roboter im Haus vor allem Kommunikation oder Intimität thematisieren, verdichtet sich hier die Diskussion um Kontrolle, Autonomie und Verantwortung. Welche Rollen sollen Roboter künftig einnehmen – Helfer, Richter, Begleiter?
Die Installation lädt Besucherinnen und Besucher ein, Position zu beziehen und die eigene Haltung sichtbar zu machen. Cassandra wird so zur Projektionsfläche gesellschaftlicher Ängste und Hoffnungen in einer zunehmend automatisierten Welt. Ihr Name verweist auf die mythologische Seherin Kassandra – eine Figur, deren Warnungen wahr sind und dennoch ungehört bleiben.
Mehr Informationen zu Cassandra gibt es unter www.deutsches-museum.de/nuernberg.