Welt in Punkten
Römer + Römer zeigen im Kunstverein Coburg eine vielstimmige Malerei globaler Gegenwart
veröffentlicht am 08.02.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha präsentiert der Kunstverein Coburg mit „Die große Laterne“ eine umfangreiche Werkschau des international renommierten Künstlerduos Römer + Römer. Seit 1998 arbeiten Nina Römer und Torsten Römer gemeinsam an einer Malerei, die sich konsequent dem zeitgenössischen Leben in seiner globalen Vielgestaltigkeit widmet. Ihre Bilder entstehen kollaborativ, Punkt für Punkt, in einem arbeitsintensiven Verfahren, das Nähe zur digitalen Bildlogik ebenso erkennen lässt wie zur Tradition der Malerei.
Die Ausstellung vereint über 60 Gemälde aus zwölf Werkgruppen. Sie führen den Blick in unterschiedliche kulturelle Räume: zu Straßenfesten in Palermo, zu den Menschpyramiden der Castellers in Barcelona, auf Pride-Paraden, Cosplay-Events, in Regenwälder oder auf temporäre Gemeinschaften internationaler Festivals. Grundlage dieser Arbeiten sind umfangreiche Recherche- und Reisetätigkeiten, bei denen die Künstler zigtausende Fotografien anfertigen. Diese dienen im Atelier nicht als bloße Vorlagen, sondern als Rohmaterial für eine malerische Verdichtung von Wahrnehmung, Erinnerung und Atmosphäre.
Römer + Römer arbeiten seriell und denken ihre Projekte in Zyklen. So entstanden Werkgruppen über urbane Räume, politische Versammlungen, religiöse Rituale oder temporäre Ausnahmezustände kollektiven Erlebens. Besonders prägend sind ihre Bildserien zu Großereignissen wie dem brasilianischen Karneval, dem Fusion Festival in Mecklenburg oder dem Burning Man in den USA. Hier interessiert sie weniger das Spektakel als vielmehr die soziale Dynamik: das Zusammenspiel von Individuum und Masse, von Ekstase, Ordnung und Auflösung.
Die Gemälde von Römer + Römer zeigen Menschen fast nie isoliert. Figuren verschränken sich zu dichten Bildfeldern, Farben flirren, Konturen lösen sich auf. Der einzelne Körper wird Teil eines größeren Gefüges. Trotz der Fülle bleibt der Blick präzise; jedes Bild ist sorgfältig komponiert und entzieht sich eindeutiger Wertung. Dokumentation und Interpretation, Nähe und Distanz stehen in einem spannungsreichen Gleichgewicht.
Die Ausstellung versteht sich damit als Panorama einer Welt in Bewegung. Sie macht sichtbar, wie Römer + Römer globale Gegenwart nicht illustrieren, sondern malerisch durchdringen: als offenes Archiv kollektiver Erfahrungen, als visuelle Anthropologie unserer Zeit. In Coburg wird diese Malerei als das erfahrbar, was sie ist – ein genauer, empathischer und zugleich kritischer Blick auf die sozialen Bilder unserer Welt.
„Römer + Römer. Die große Laterne“ ist vom 1. Februar bis zum 26. April im Kunstverein Coburg e. V., Park 4a, 96450 Coburg zu sehen. Mehr Informationen gibt es unter www.kunstverein-coburg.de.