Lese- & Hörstoff

Eine Geschichte in der Geschichte

Martin Beyer schenkt uns mit seinem neuen Roman „Elf ist eine gerade Zahl“ eine prägende Geschichte über die Kraft des Erzählens

veröffentlicht am 05.02.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Nele Wicher

Buchcover Martin Beyer: „11 ist eine gerade Zahl“

Buchcover Martin Beyer: „11 ist eine gerade Zahl“, Foto © List Verlag

Martin Beyer erzählt mit seinem neuen Roman die Geschichte von Katja und Paula, Mutter und Tochter. Paula, erst 14 Jahre alt, ist schwerkrank. Sie hat den Krebs bereits einmal besiegt, nun ist er zurückgekehrt und wirft das Leben der beiden Protagonistinnen aus den Fugen. Katja, alleinerziehend, steht vor der Herausforderung, ihre Tochter durch diese schwere Zeit zu begleiten. Doch auch an ihr geht der Krebs nicht ungeschoren vorbei: Katja gibt sich die Schuld an der Krankheit ihrer Tochter. Sie droht, an diesem Widerspruch zu zerbrechen. Aus der Not heraus und eventuell auch, um selbst vor der Realität zu fliehen, beginnt sie, Paula eine Geschichte zu erzählen, über einen Fuchs und ein Mädchen.

Die Geschichte, beide Geschichten, sind packend und überaus berührend, werden im Erzählfluss zur Einheit. Mit schwerem Herzen verfolgt man eine Beziehung zwischen Mutter und Tochter, in die Sorge und Verzweiflung tiefe Löcher gefressen hat. Nach und nach erlebt man, wie diese mit einer Erzählung gefüllt werden. Einer Erzählung, die Trost spendet, aber auch opponiert. Mit ihr verarbeitet Katja die Situation ihrer Tochter und auch ihre eigene – eine schön gewählte Analogie, die nicht nur eine lang ersehnte Leichtigkeit in die Erzählung bringt, sondern auch neue Verständnisebenen für Mutter und Tochter öffnet. Sie verdeutlicht, wie heilsam Geschichten sein können, versöhnlich, sinnstiftend und gemeinschaftsbildend. Und: Wie sie Worte an Orte bringen kann, an denen sie bisher gefehlt haben.

Wenn Martin Beyer seinen neuen Roman mit den Worten „Für Leser:innen von Mariana Leky, Jasmin Schreiber und Petra Pellini“ auf seinem Instagramkanal ankündigt, so lügt er nicht. Besonders die Vielschichtigkeit und die poetische Feinheit, mit der er Figuren und Handlung miteinander verwoben hat, erinnern an Lekys Meisterwerke. „Elf ist eine gerade Zahl“ ist eine tief berührende Geschichte, die sehr durchdacht und klug mit den großen Themen der Menschheit verhandelt. Sie ist für alle, die an kleine Gesten mit großer Wirkung und an die Macht von Worten glauben.

Martin Beyer: Elf ist eine gerade Zahl, Roman, List Hardcover, 320 Seiten, 22,99 Euro. ISBN: 978-3-471-36085-9.

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