Dave McMurray – „I Love Life Even When I‘m Hurting“
Blue Note Rec.
veröffentlicht am 26.02.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Oliver Will
„I Love Life“ ist ein Album, das sofort spürbar macht, warum Dave McMurray zu den markantesten Cats des modernen Jazz gehört. Sein Saxofon ist verspielt, aufmüpfig, aber erfahren und voller schräger Schönheit. Ebenso zeigt er auf der Querflöte dieselbe Genialität, was der Musik zusätzliche Farbigkeit und Tiefe verleiht. Rhythmisch vielseitig von Ballade bis Stomper gibt sich das Album treibend – hot! Die vintagemäßige Gesamtinstrumentierung kommt seiner Musik besonders zugute: Jeder Ton, jede Nuance wirkt handgemacht und zeitlos, zugleich warm und dynamisch in Szene gesetzt.
McMurray ist ein Meister des Abdriftens in den roten Bereich: Er überschreitet Grenzen, improvisiert waghalsig und lässt das Saxofon glühen, nimmt die Zuhörer aber immer wieder sicher mit ins Wohlgefallen zurück. Jeder Track wirkt wie ein lebendiger Dialog. Kleine Abweichungen, überraschende Wendungen und ausgiebige Soli wie erstklassige Melodien halten Spannung und Leichtigkeit im Gleichgewicht.
Besonders bemerkenswert: Don Was, Blue-Note-Chef, ist als Gast am Bass zu hören und verleiht dem Album mit seinem Spiel zusätzliche Tiefe und Wärme. Sänger Kem besorgt einzigartige Vocals für die Soul-Ballade „We Got By“. Unbedingter Anspieltipp! „I Love Life“ ist nicht zuletzt eine Hommage: McMurray widmet das Album seiner Heimatstadt Detroit, deren Groove und Seele in jeder Note mitschwingen. Jazz, Soul und Rhythmik verschmelzen zu einer lebendigen Einheit, die Körper und Geist gleichermaßen bewegt. Ein Album, das man nicht nur hört, sondern erlebt – vital, elegant, mutig, zeitlos und mitreißend, durch zahlreiche kulturelle Einflüsse hindurch.