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JEWISH MUSIC TODAY Fürth

Die Kleeblattstadt feiert jüdische Traditionen mit einem Live-Music-Festival

veröffentlicht am 25.02.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Andreas Bär

Gal Klein präsentiert am 12. März „Meine Niggunim“

Gal Klein präsentiert am 12. März „Meine Niggunim“, Foto © Hans Joachim Winckler

Das Jewish Music Today Festival hat die Kleeblattstadt Fürth in der Zeit vom 6. bis 15. März 2026 einmal mehr komplett unter Kontrolle. Unter dem Festivalmotto „Tsuzamen“ gilt es, gemeinsam die Vielfalt jüdischer Musik in mitreißenden Konzerten von Fiddle-Klezmer bis Balkan-Fusion zu feiern. Das Kulturamt der Stadt Fürth bringt zehn Tage lang jüdische Kultur in die Kleeblattstadt. Internationale Gäste aus den Vereinigten Staaten von Amerika, aus Kanada, Polen, Israel und den Niederlanden erobern die Bühnen des Kulturforums, der Kofferfabrik und des Fürther Stadttheaters. Führungen, Filme, ein christlich-jüdischer Gottesdienst und ein Klezmer-Brunch runden das vielseitige Programm ab.

Die Marchin‘ Klezmer Band Klezmaniaxx bläst dabei am 6. März vor dem Fürther Rathaus zum Start-Tusch und geleitet das Publikum musizierend durch die Fürther Altstadt zum Kulturforum. Dort übergibt sie den Staffelstab an die internationale Tanzband und die wunderbare New Yorker Tanzanleiterin Sarah Myerson. Es gilt, gemeinsam beim vielgeliebten Tants-Hoyz jiddische Kreis- und Reihentänze auszuprobieren – und das bei freiem Eintritt.

Tags darauf sorgt die kanadische Band Kleztory im Kulturforum Fürth mit ihrem neuesten Album „Meeting Point“ für ein musikalisches Zusammenkommen zu traditionellem Klezmer mit Einflüssen aus Folk, Jazz, Country und Weltmusik. Im Anschluss bringen Abigale Reisman & Jake Shulman-Ment, zwei virtuose Violinisten aus den USA, die ursprüngliche Klezmer-Musik begleitet von Multi-Instrumentalist Ilya Schneyveys auf die Bühne.

Am 8. März feiert eine Auftragsproduktion des veranstaltenden Kulturamtes Premiere im Kulturforum: Musiker, DJ und Kolumnist Yuriy Gurzhy, ein langjähriger Freund des Festivals, hat sich 2022 mit seinem Buch „Richard Wagner und die Klezmerband“ die Frage gestellt, was jüdische Musik eigentlich ausmacht. Diese unendliche Suche nach der typisch jüdischen Musik verfolgt er gemeinsam mit dem preisgekrönten Orchester Ventuno und dem Kölner nö-theater in Form eines szenischen Konzertes mit bekannten und überraschenden Melodien zahlreicher Weltstars. Auch ein Streichquartett von Jakob Schönberg, einem gebürtigen Fürther und entfernten Verwandten Arnold Schönbergs, ist im Programm! In die neue Woche startet dann am 9. März das DiGasnTrio aus Israel in der Kofferfabrik. Die vier Musiker begeistern mit neuer israelischer Volksmusik.

Mit Magi ist am 10. März eine Musikerin im Kulturforum zu Gast, die das scheinbar Unvereinbare in ihrem Leben und in ihrer Musik vereint: Die in Israel geborene Tochter jemenitischer und irakischer Einwanderer bringt jüdisch-arabischen Groove mit. Tags darauf hält die sephardische Musik Einzug, wenn die aus den World Music Charts bekannte Musikerin Nani Vazana aus den Niederlanden der bedrohten Ladino-Sprache neues Leben einhaucht.

Am 12. März präsentiert Tausendsassa Gal Klein – vielen bekannt durch seine Hardcore-Klezmer-Band Ramzailech, die ebenfalls beim Festival zu Gast sein wird (13. März) – die Weltpremiere seines neuesten Projektes „Meine Niggunim“ im Kulturforum. Nachdenklich, spirituell und tiefgründig teilt er persönliche Eindrücke in hebräischer Sprache. Am Freitag, den 13., heißt es in unbestuhlten Konzerten wieder: Feiern und ausgelassen mittanzen, wenn die polnische Band NeoKlez mit Klezmer-Fusion auf dicken Beats und Sythesizer einheizt und die vielgeliebte Band Ramzailech um 22 Uhr Hardrock zelebriert. Mit baltisch-jüdischen Volksliedern bezaubert am 14. März die Black Rooster Kapelye, danach paart der Tsirk Dobranotch jiddischen Humor mit purer Energie, Akrobatik und Tanz.

Das große Finale am 15. März bestreitet die legendäre amerikanische Band The Klezmatics im Stadttheater Fürth, die ihr 40-jähriges Bestehen mit einer Jubiläums-Welttournee feiert. Zum finalen Festivalsonntag gibt es in der Kofferfabrik wieder den beliebten Klezmer-Brunch, bei dem Bohai aufspielt.

Auch für Kinder ist viel geboten: Das vom Kulturamt Fürth zum Festival 2022 in Auftrag gegebene Kindermusical Ben&David lädt ein, in eine märchenhafte jüdische Welt einzutauchen. Am 8. März findet die Familienvorstellung statt.

Ein wichtiger Baustein des Festivals sind die Musikworkshops. Gemeinsam entsteht das Fürther Klezmerorchester, das am 8. März zum Konzert einlädt und die Freude am gemeinsamen Musizieren der Öffentlichkeit präsentiert. Auch das kultur.lokal.fürth ist wieder als Spielort dabei und wartet mit einer hochinteressanten Ausstellung zu hebräischer Kalligraphie auf. Der Künstler Gabriel Wolff lässt sich während des gesamten Festivalzeitraums beim Arbeiten über die Schulter gucken.

Zahlreiche Kooperationspartner wie das Jüdische Museum Franken, Kino Uferpalast, israelitische Kultusgemeinde, Tourist Information, Geschichte für alle e.V., die evangelische Kirchengemeinde Auferstehungskirche, tragen mit Gottesdiensten, Führungen und Filmvorführungen dazu bei, dass das Festival im gesamten Stadtleben präsent ist. Neu dabei ist in diesem Jahr der Happy Hippie Jew Bus, dessen Insassen mit viel Humor Wissen über das Judentum vermitteln.

Mehr Informationen zu den einzelnen Terminen findet man unter www.jewish-music-today.de.

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