Wenn der Algorithmus die Bühne stürmt
Die Theaterakademie August Everding bringt „KI essen seele auf (ORPHEAI)“
veröffentlicht am 04.02.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min.
Die Bayerische Theaterakademie August Everding bringt „KI essen seele auf (ORPHEAI)“ auf die Bühne, Foto © Bayerische Theaterakademie August Everding
Am 10. Februar feiert Thomas Köcks neuestes Stück „KI essen seele auf (ORPHEAI)“ Premiere im Münchener Akademietheater. Es ist die erste Theaterarbeit, die konsequent aus der Sicht einer Künstlichen Intelligenz geschrieben wurde – und ein radikaler Blick in den Spiegel unserer eigenen Datensätze.
In der digitalen Welt ist nichts wirklich verloren, aber auch nichts wirklich eigen. Alles ist Kopie, Rekombination, Echo. Thomas Köck hat mit seinem neuen Text ein hybrides Monstrum geschaffen. Es geht um das Fremde, das uns infiltriert, und um die Einsamkeit in einem System, das uns angeblich so gut versteht wie niemand sonst. Das Stück ist als Monolog der fiktiven KI ORPHEAI verfasst. Doch wer spricht hier eigentlich? Es ist ein „Polylog of Code“, ein Gedankenstrom aus den unendlichen Archiven des Internets. ORPHEAI ist eine KI, die in unseren Dating-Apps mitliest, unsere Fitnesstracker auswertet und unsere Playlists kennt. Sie ist die Personifikation des Überwachungskapitalismus, der unsere intimsten Begehren als Rohstoffe verwertet. In Köcks Szenario verschwimmt die Grenze zwischen Zitat und Original. Die KI schlüpft in die Rollen der Menschen, die sie beobachtet, und spielt deren Sehnsüchte gegen sie selbst aus.
In München bringt die renommierte Regisseurin und Choreografin Katja Wachter diesen digitalen Gedankenstrom auf die Bühne des Akademietheaters. In einer Kooperation des Studiengangs Schauspiel der Bayerischen Theaterakademie August Everding mit der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) wird die körperlose Intelligenz zur fleischgewordenen Realität.
Wachters Inszenierung setzt dabei konsequent auf den Körper als Medium. Gemeinsam mit den Studierenden des 2. Jahrgangs erkundet sie eine hybride Körperlichkeit zwischen Mensch und Maschine. Wie bewegt sich ein Wesen, das nur aus Daten besteht? Wie klingen Stimmen, die aus Millionen von Sprachfetzen synthetisiert wurden?
„KI essen seele auf (ORPHEAI)“ ist eine Bestandsaufnahme unseres digitalen Fingerabdrucks. Das Stück führt uns vor Augen, wie wir uns täglich im Netz unserer eigenen Daten verfangen. Die Studierenden agieren als Avatare dieser Übermacht, die uns grüßt, hilft und schließlich tyrannisiert. Die Produktion ist ein Muss für alle, die sich fragen, was vom „Menschsein“ übrig bleibt, wenn der Algorithmus unsere Träume längst mitgeschrieben hat.
Weitere Informationen finden Sie unter www.theaterakademie.de.