Blues ohne Grenzen
Joe Bonamassa über sein neues Album, B. B. King und die Zukunft eines Genres
veröffentlicht am 16.03.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Andreas Bär
Joe Bonamassa gilt in Blues-Kreisen als einer der Vorreiter der neuen Generation. Der 48-Jährige aus dem Bundesstaat New York verkörpert den Blues-Lifestyle dabei wie kaum ein Zweiter. In eleganter Lässigkeit spielt er seine Riffs und so erarbeitete er sich in seiner mittlerweile 25-jährigen Karriere den Ruf als Titan. In den USA kommt er auf eine schwindelerregende Anzahl von 25 Nummer-1-Alben in den Billboard Blues Charts. Doch auch wenn er mit seinen Alben so erfolgreich ist, bleibt die Bühne der perfekte Ort für den Sänger und Gitarristen. Am 2. Mai 2026 kommt Joe Bonamassa nach dreijähriger Wartezeit auch wieder in die Nürnberger PSD-Arena. Im Gepäck wird der dreimal für den renommierten Grammy nominierte Ausnahmekünstler sein neues Album haben. Art. 5|III hatte die Gelegenheit, mit dem stets authentisch gebliebenen Superstar der Szene zu sprechen.
Joe, nach drei Jahren bist du endlich wieder in Nürnberg. Erzähl uns: Was ist seitdem passiert?
Ich bin unter anderem nach Griechenland und Ägypten gereist, um mein neuestes Album aufzunehmen. Außerdem haben wir eine fantastische Hommage anlässlich des 100. Geburtstags von B.B. King auf die Beine gestellt. Darüber hinaus habe ich unzählige Konzerte auf der ganzen Welt gespielt.
Du hast gerade ein neues Album veröffentlicht. Auf welche Weise wirst du deine Fans überraschen, und wo werden sie sich sofort zu Hause fühlen?
Mit „Breakthrough“ habe ich versucht, mithilfe von Co-Autoren meinen musikalischen Horizont zu erweitern. Nichtsdestotrotz ist die Grundlage natürlich der Blues.
Lass uns ein wenig über andere Musikschaffende sprechen. Du bist dafür bekannt, Kollaborationen zu schätzen – nicht zuletzt mit der brillanten Beth Hart. Gibt es jemanden, mit dem du besonders gern arbeiten würdest, vielleicht sogar außerhalb des Blues-Genres?
Absolut. Für das Album B. B. King Blues Summit 100, das im Februar erscheinen wird, habe ich mit Eric Clapton, Chaka Khan, Slash, Myles Kennedy, George Benson, Aloe Blacc, Joanna Shaw Taylor, Kenny Wayne Shepherd und vielen anderen zusammengearbeitet. Es hat sehr viel Spaß gemacht.
Welche Art von Musik hört Joe Bonamassa privat? Und was befindet sich auf deiner Playlist, das deine Fans wahrscheinlich überraschen würde?
Ich bin mit amerikanischem Blues und dem englischen Blues-Rock-Revival aufgewachsen. Heute mache ich selbst Musik, bin etwa 250 Tage im Jahr auf Tour und verbringe viele Stunden im Studio. Das lässt mir heutzutage keine Zeit, andere Musik zu hören.
Gibt es ein Gitarrenriff, bei dem du immer noch denkst: „Verdammt, ich wünschte, ich hätte das geschrieben“?
Nein, nicht wirklich. Ich bin kein neidischer Typ. Wenn mir ein Riff wirklich gefällt, begegne ich dem Künstler mit Respekt statt mit Neid.
Welches war das letzte Konzert, das du selbst ganz einfach als Fan besucht hast?
Wie gesagt: Bei der Anzahl an Konzerten, die ich selbst spiele, habe ich keine Zeit, Konzerte zu besuchen. Die einzige Gelegenheit, die ich jedes Jahr wahrnehme, sind meine eigenen Keeping The Blues Alive-Kreuzfahrten in der Karibik und im Mittelmeer, bei denen ich immer einigen der vielen Gäste zuhöre und sogar gern mit ihnen jamme.
Du bist seit deiner Kindheit mit der Gitarre aufgewachsen. Hat dir das früh Türen geöffnet, oder brauchte es trotzdem noch viel mehr, um dorthin zu kommen, wo du heute bist?
Als ich zwölf Jahre alt war, hatte ich die Gelegenheit, eine Show für B. B. King zu eröffnen. Mir war früh klar, dass Musik mein Lebensweg sein würde. Am Anfang war es als junger Mann sehr hart. Ich habe praktisch auf der Straße gelebt und mich von Dosenravioli ernährt. Am Ende haben sich harte Arbeit und Durchhaltevermögen ausgezahlt.
Wie reagierst du, wenn dir jemand sagt, der Blues sei ein altmodisches Genre?
Ich kann jeden sehr schnell vom Gegenteil überzeugen. Man muss sich nur ansehen, wie viele neue Bluesmusiker es heutzutage gibt. Und einige von ihnen sind inzwischen ziemlich erfolgreich.
Ich nehme an, du siehst das genauso. Was ist deiner Meinung nach der Schlüssel, um den Menschen klarzumachen, dass sich der Blues immer mit der Zeit weiterentwickelt hat – und das auch weiterhin tun wird?
Man muss sich einfach die verschiedenen Künstler anhören.
Fühlst du manchmal eine Art Verantwortung für die Zukunft des Genres, oder projizieren andere das auf dich?
Natürlich fühle ich mich verantwortlich. Deshalb habe ich nicht nur meine eigenen Labels Journeyman und KTBA Records gegründet, sondern auch Journeyman LLC ins Leben gerufen – ein Full-Service-Unternehmen für Künstlermanagement, Plattenlabel, Konzertpromotion und Marketing – und außerdem Keeping The Blues Alive etabliert, eine Stiftung für Musiker in Not sowie Bildungsprojekte an Schulen.
Zum Abschluss ein kleiner Blick hinter die Kulissen: Was können die Fans von deiner neuen Show hier in Nürnberg erwarten?
Ich habe für die 2026er-Shows noch keine Setlist erstellt. Aber Songs aus meinem aktuellen Album „Breakthrough“ werden auf jeden Fall erstmals dabei sein.