40 Jahre Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg
Ein Museum, das Kunst bewahrt und Zukunft gestaltet
veröffentlicht am 09.03.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min.
Aussenansicht Museum Lyonel Feininger, Foto © Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Museum Lyonel Feininger, Foto: Ray Behringer
Quedlinburg gehört zu jenen Orten, an denen Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen, ohne sich zu verdrängen. Die Altstadt, seit 1994 UNESCO-Welterbe, wirkt wie eine gebaute Chronik: ein Netz aus Gassen, Brücken, Plätzen und über zweitausend Fachwerkhäusern. Inmitten dieses kulturellen Reichtums steht ein Haus, das weit über seine Mauern hinausstrahlt. Das Museum Lyonel Feininger ist weltweit das einzige Museum, das sich ganz einem Künstler widmet, dessen Blick auf die Welt Architektur und Licht zusammenführt.
2026 feiert dieses Haus seinen vierzigsten Geburtstag. Vier Jahrzehnte voller Mut, Wandel und beharrlichem Glauben an die Kraft der Moderne. Was als Galerie begann, entwickelte sich zu einem Museum mit internationaler Anerkennung, einem Ort, der Wissen bewahrt und zugleich Neues hervorbringt. Dieses Jubiläum wird nicht begangen, es wird gelebt und zwar mit drei großen Ausstellungen, einem klaren Profil sowie einem offenen Blick in die Zukunft.
Das Jubiläumsjahr
Das Jahr 2026 spannt einen erzählerischen Bogen: vom neuen Blick auf Feininger über sein künstlerisches Netzwerk bis hin zu einer Moderne, die nicht auf eine einzelne Stimme beschränkt bleibt, sondern Vielfalt als Stärke begreift.
Mensch, Meister, Modernist | Feininger im Fokus
ab Ende Februar 2026
Die erste Ausstellung des Jubiläumsjahres widmet sich dem Protagonisten des Hauses: Lyonel Feininger. Die Neupräsentation der Sammlung ist keine Wiederholung der Vergangenheit, sondern ein neugedachter Zugang zu einem Leben zwischen den Welten.
Die Ausstellung zeigt Skizzen, Druckgrafik, Aquarelle, Fotografien und Gemälde. Und sie erzählt die eng verwobene Geschichte zwischen Feininger und Hermann Klumpp. Ein eigener Bereich widmet sich Klumpps Biografie, der Geschichte des Museums und seinem Gebäude.
Digitale Medien und eine zeitgemäße Präsentation schlagen eine Brücke zwischen Feiningers Zeit und der Gegenwart. Kunst wird nicht erklärt, sondern erlebbar – nahbar, sinnlich, lebendig.
Vier machen Blau | Feininger · Jawlensky · Kandinsky · Klee
Ende März – 13. Juli 2026
Die zweite Ausstellung führt in das geistige Netzwerk Feiningers. 1924 schloss er sich mit Wassily Kandinsky, Paul Klee und Alexej von Jawlensky zur Künstlergruppe Die Blaue Vier zusammen – angestoßen und unermüdlich vertreten von Galka E. Scheyer. Die Ausstellung zeigt die unterschiedlichen Handschriften und die Energie ihres Austauschs. Für Feininger wurde diese Gruppe Fenster und Resonanzraum zugleich: Hier konnte er über Grenzen hinweg wirken, sich messen, wachsen, gehört werden. Und Galka Scheyer gab dieser Vision ein Zuhause – in Ausstellungen, Vorträgen und in ihrem unerschütterlichen Glauben, dass Kunst dort wirken muss, wo Menschen bereit sind, sich berühren zu lassen.
Frauen sind..! Kerstin Grimm · Grita Götze · Kat Menschik · Luise Neupert · Tanja Pohl
20. August 2026 – 11. Januar 2027
Die Ausstellung zeigt fünf Künstlerinnen mit ostdeutscher Herkunft, deren Werke selbstbewusst, sinnlich, subversiv sind. Grita Götze macht Keramik zu autonomer Kunst, ihre mit Tusche und Engobe bemalten Gefäßkörper verbinden opulente Ornamentik mit einem selbstbewussten, weiblichen Bildprogramm.
Kerstin Grimm entwirft in Zeichnung und Grafik poetische, traumartige Bildwelten, in denen Figuren und Naturmotive zu psychologischen Räumen verschmelzen.
Kat Menschik entwickelt eine unverkennbare Bildsprache zwischen Literatur und Illustration, in der präziser Strich und erzählerische Tiefe ein eigenes Universum formen.
Luise Neupert-Keil erschafft in ihren virtuosen Scherenschnitten filigrane Szenarien von großer erzählerischer Kraft, in denen die Genauigkeit der Form die poetische Wirkung noch verstärkt.
Tanja Pohl arbeitet experimentell mit Malerei, Druck, Collage und Plastiken; durch starke Kontraste und vielschichtige Bildräume untersucht sie Prozess, Material und Bedeutung gleichzeitig.
Diese Ausstellung erweitert bewusst den Blick über Feininger hinaus und schärft das Profil des Museums als Ort der Moderne, der Gegenwart und der offenen Kunstdebatte.
Lyonel Feininger – ein Leben für die Kunst
Feininger selbst bleibt der Fixpunkt. 1871 in New York geboren, kam er 1887 nach Deutschland und begann zunächst als Karikaturist. Bald aber fand er zur Malerei, wurde 1919 einer der ersten Bauhaus-Meister in Weimar und prägte mit seiner klaren, kristallinen Formensprache die Kunst der Moderne. Seine Stadt- und Kirchenbilder, in denen Licht und Spiritualität eine zentrale Rolle spielen, zählen heute zu den Ikonen der Moderne. Feininger war ein Künstler zwischen den Welten: amerikanischer Herkunft, geprägt von Deutschland, international anerkannt – ein Kosmopolit, dessen Werk bis heute strahlt.
Ein Museum mit Profil
Das Museum Lyonel Feininger bewahrt nicht nur Werke, sondern vermittelt Wissen, inspiriert Begegnungen und fördert Forschung. Es knüpft an seinen Gründungsgedanken an: Feiningers Werk lebendig zu halten. Mit der barrierefreien Wiedereröffnung und den Jubiläumsausstellungen unterstreicht das Haus seinen Anspruch, auch in Zukunft eine zentrale Adresse für die Kunst der Moderne zu bleiben.
Einladung nach Quedlinburg
Wer 2026 nach Quedlinburg reist, erlebt eine Stadt voller Geschichte – und ein Museum, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Lyonel Feininger hat mit seinen Werken Welten geschaffen, die bis heute faszinieren. Das Museum lädt ein, diese Welten zu entdecken: in Originalen, in Geschichten, in Dialogen.
www.museum-feininger.de
museum-feininger@kulturstiftung-st.de
Schlossberg 11
06484 Quedlinburg,
Tel. 03946-689593-80