Maskeraden, Magische Töne und ein Frühlingsopfer
Die fränkischen Symphonieorchester und anderen Veranstalter symphonischer Konzerte gehen mit Verve in ihre Frühlingsprogramme
veröffentlicht am 28.03.2026 | Lesezeit: ca. 10 Min. | von Martin Köhl
Vox Luminis ist am 16. Mai in Weikersheim zu Gast, Foto © Thijs de Lange-Gent Festival van Vlaanderen
Die Bamberger Symphoniker freuen sich nach den Gastspielen in Österreich auf die Rückkehr ihres Ehrendirigenten Christoph Eschenbach, der am 19. April die „Unvollendete“ Franz Schuberts dirigieren wird. Zwei Ouvertüren von Carl Maria von Weber („Freischütz“) und Gioachino Rossini („Wilhelm Tell“) umrahmen das Programm. Das Solokonzert, Reinhold Glières Hornkonzert B-Dur, wird von Andreas Kreuzhuber bestritten, einem Solohornisten des Orchesters. Am 24./25. April stehen Beethovens Violinkonzert, Béla Bartóks Tanz-Suite und Maurice Ravels „La valse“ auf dem Programm. Solist: Frank Peter Zimmermann, Dirigent: Juraj Valčuha. Der Monat endet am 29./30. April mit Manuel de Fallas „Nächte in spanischen Gärten“ (Klaviersolist ist Javier Perianes), Maurice Ravels "Boléro" und Claude Debussys „La mer“.
Der Mai wartet zunächst mit allerlei Sonderformaten auf, u.a. mit „Video Games in Concert“ und Schul- und Kindergartenkonzerten. Nach einer Konzertreise ins Oberitalienische mit Dirigent Manfred Honeck kommen am 22./23. Mai das dritte Klavierkonzert Beethovens sowie Werke Debussys und Bizets unter der Stabführung Kazuki Yamadas zur Aufführung. Zur Wiedereröffnung der Bamberger Michaelskirche am 24. Mai erklingt dort die 4. Symphonie Anton Bruckners unter der Leitung des Chefdirigenten Jakub Hruša. Der Monat endet mit einem Auftritt beim Würzburger Mozartfest und dem teilweise programmgleichen Abo-Konzert am 30. Mai, in dem Bruckners 7. Symphonie von Susanna Mälkki dirigiert wird. Das 23. Klavierkonzert A-Dur Wolfgang A. Mozarts spielt Bertrand Chamayou.
Das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg begibt sich anlässlich seines 5. Sinfoniekonzertes in „Seelenstürme“. Das Stichwort lautet „tragisch“, denn zunächst wird die „Tragische Ouvertüre“ von Johannes Brahms stehen. Es folgt Franz Schuberts Sinfonie Nr. 4 c-moll, die ebenfalls den Namenszusatz „Tragische“ zu tragen pflegt. Nach der Pause dann der „Wunderbare Mandarin“ von Béla Bartók. Am Dirigentenpult geht es um die GMD-Kandidatur, lassen wir uns also überraschen. Termin: 11./12. April im Globe Coburg.
Das 6. Sinfoniekonzert am 23./24. Mai am gleichen Ort sieht als Ouvertüre eine „Masquerade“ der englischen Komponistin Anna Clyne vor. Am Ausgang des Konzertes steht die zweite Symphonie D-Dur von Johannes Brahms, im Mittelpunkt das leider viel zu selten gespielte 1. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow. Solist ist der pianistische Lokalmatador Frankens, Bernd Glemser. Abermals wird am Dirigentenpult ein Kandidat für die GMD-Nachfolge stehen. Oder eine Kandidatin?
In Erlangen holt sich der dortige gVe mit der Tschechischen Philharmonie den berühmten symphonischen Nachbarn aus Böhmen ins Haus, will heißen: in die Heinrich-Lades-Halle. Unter der Leitung ihres Noch-Chefdirigenten Semyon Bychkov (Nachfolger wird Jakub Hruša!) spielt die Weltvioloncellistin Sol Gabetta Edward Elgars Konzert für Violoncello und Orchester e-moll, präludiert von Antonín Dvořáks „Karneval“-Konzertouvertüre. Nach der Pause lauert Igor Strawinskis gefährlicher „Sacre du printemps“ auf die Zuhörerschaft.
Am 8. Mai kommt die Camerata Salzburg mit einem sehr ausgefallenen Programm nach Erlangen. Es beginnt mit Richard Dubugnons „Piccolo concerto grosso“ op. 87, gefolgt von Francesco Geminianis „La Fiolla“. Nach einem „Concerto for String Orchestra“ von Nino Rota endet das Konzert mit Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Janine Jansen ist die Soloviolinistin, doch auch der Dirigent Gregory Ahss greift zur Violine.
Bei den Hofer Symphonikern steht am 17. April das 8. Symphoniekonzert an, und das mit einem Programmtitel, der eindeutiger nicht sein könnte: „Symphonie fantastique“ steht über dem Konzert, und das meint natürlich die gleichnamige Symphonie von Hector Berlioz. Eingangs wird die „Unvollendete“ von Franz Schubert gespielt. In der Mitte steht Ermanno Wolf-Ferraris „Idillio-Concertino“ A-Dur mit seinem mediterranen Flair. Albrecht Mayer wirkt sowohl als Dirigent wie als Oboist.
Am 22. Mai geht's dann „Von Berlin bis Hollywood“, und es erwartet die Zuhörerschaft eine „Musikalische Reise durch das Leben von Kurt Weill“. Außerdem auf dem von Martijn Dendievel geleiteten Konzert: die Symphonie in Fis von Erich Wolfgang Korngold. Solistin des Abends ist die Sopranistin Katharina Persicke. Aufführungsort ist wie stets der Festsaal der Freiheitshalle Hof.
Hörtnagel Konzerte in Nürnberg greift bekanntlich immer nach den Sternen. Der erste Stern im Mai ist das BRSO aus München unter der Leitung von Simon Rattle, die sich um die zweite Schumann-Symphonie und den „Feuervogel“ von Igor Stravinsky kümmern werden. Termin: 10. Mai. Der zweite am 30. Mai hört auf weibliche Namen, und zwar auf die Pianistin Alice Sara Ott und die Dirigentin Joana Mallwitz, die „ihr“ gastierendes Konzerthausorchester Berlin durch Gustav Mahlers klangliches Gebirge der 5. Symphonie leitet. Ott interpretiert einen Klassiker: Beethovens 3. Klavierkonzert c-moll.
NürnbergMusik kündigt für den 18. April „Magische Töne“ mit Jonas Kaufmann an. Er wird mit der Philharmonie Baden-Baden unter Jochen Rieders Leitung Evergreens des Tenor-Repertoires präsentieren. Da können lustige Witwen, beschwingte Gräfinnen (Mariza) und sogar Fürstinnen (Csárdás) nicht fehlen. Ort: Meistersingerhalle.
Die Nürnberger Symphoniker sind am 19. April beim 17. Symphonischen Konzert angelangt. Ein Liszt-Klavierkonzert wird geboten und die „Pathétique“ Tschaikowskys. Beim 18. Konzert am 25. April sind Gustav Holsts „Die Planeten“ dran und ein Schlagzeugkonzert. Die Nummer 19 lockt das Publikum mit Schumann und Brahms in die Meistersingerhalle, in der Chefdirigent Jonathan Darlington den Taktstock schwingen und die Ausnahmegeigerin Baiba Skride die Violine in die Hand nehmen wird.
Die Philharmonischen Konzerte des Staatstheaters Nürnberg machen am 24. April Station bei Johannes Brahms und bei einem Komponisten unserer Zeit, Detlev Glanert.
Von Brahms erklingen im 6. Philharmonischen Konzert die 4. Symphonie, die „Nänie“ nach Friedrich Schiller und das „Schicksalslied“ nach Friedrich Hölderlin. Die letztgenannten Werke sind für Chor und Orchester vertont. Diese Partien übernimmt selbstverständlich der Chor des Staatstheaters Nürnberg. Von Detlev Glanert erklingt „Weites Land“, eine „Musik mit Brahms“, die von GMD Roland Böer dirigiert wird.
Das 7. Konzert der philharmonischen Reihe wendet sich drei Komponisten zu, wobei das „Poème de l'extase“ Alexander Skrjabins im Mittelpunkt steht. Richard Wagners Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ gehört zu den Klassikern des Ouvertüren-Repertoires. Weniger bekannt dürfte das Konzert für Bratsche und Orchester von William Walton sein, dessen Solopartie von Timothy Ridout interpretiert wird. Am Dirigentenpult steht Patrick Hahn.
Das Philharmonische Orchester Regensburg ist am 16. und 20. April beim 6. Konzert seiner Reihe angelangt und wird sich unter dem Titel „Spiegel“ um die Musik von Gabriel Fauré und Claude Debussy zum Thema „Pelléas et Mélisande“ kümmern. Quasi als Intermezzo erklingt das Concertino für Harfe und Orchester von Germaine Tailleferre, der einzigen Frau in der legendären „Groupe des six“. Daniel Huppert dirigiert. Das 7. Konzert am 18. und 21. Mai im Neuhaussaal steht unter der Leitung von Tom Woods, der Robert Schumanns vierte Sinfonie dirigieren wird. Die fabelhafte Violoncellistin Harriet Krijgh spielt Edward Elgars Cellokonzert e-moll; als Ouvertüre dient die Orchesterlegende „Sawitri und Satiawan“ von Wolfgang A. Schultz. Es handelt sich um eine Uraufführung.
Beim Theater der Stadt Schweinfurt sind in den beiden Monaten April und Mai zwei Fahrten zu den Bamberger Symphonikern angesagt. Die erste am 24. April ist leider bereits ausverkauft, bei der zweiten am 30. Mai stehen Mozart und Bruckner auf dem Programm. Susanna Mälkki dirigiert Anton Bruckners 7. Symphonie E-Dur, Bertrand Chamayou spielt Wolfgang A. Mozarts Klavierkonzert A-Dur.
Die TauberPhilharmonie in Weikersheim ist so beliebt, dass sie oft „ausverkauft“ melden muss. Deswegen weisen wir nur schüchtern auf die „Night of the Oscars“ am 19. April hin – Motto „Hollywood an der Tauber“ – und genauso zurückhaltend auf die „Carmina Burana“ mit über 180 Mitwirkenden am 9. Mai. Aber für die Messe in h-moll von J.S. Bach am 16. Mai gibt's noch Karten, und das Freiburger Barockorchester sowie das Vokalensemble Vox Luminis unter der Leitung von Lionel Meunier werden sich über das Label „ausverkauft“ ebenso freuen. Strahlender Abschluss der Sinfoniekonzerte dieser Saison ist am 30. Mai mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. Beethovens 7. Symphonie wird von Joseph Bastian dirigiert werden, Niklas Liepe spielt das Violinkonzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Das Philharmonische Orchester Würzburg gibt am 4. April im Kleinen Haus Einblicke in die Musik Anton Weberns. Das Werkstattkonzert wird von GMD Mark Rohde geleitet und moderiert. Am 9./10. April steht das 5. Sinfoniekonzert an mit Beethovens 1. Sinfonie, dem Divertimento für Kontrabass und Orchester von Nino Rota und der „Danse macabre“ von Camille Saint-Saëns. Dominik Wagner spielt die Violine. Der sinfonische Schlusspunkt wird erst Ende Juni gesetzt.
Die Würth Philharmoniker beginnen den April mit einem „Abend mit Richard Strauss“. Am 4. April gastiert die gefeierte Sängerin Kristine Opolais im Carmen Würth Forum mit den vier „letzten Liedern“ für Sopran und Orchester. Chefdirigent Claudio Vandelli präsentiert einleitend das Vorspiel zu „Capriccio“ und beschließt den Strauss-Abend mit der sinfonischen Fantasie „Aus Italien“, op. 16. Am 26. April gibt es ein Familienkonzert zum Thema „Don Quixote“, das von Elisabeth Fuchs geleitet wird. Der Mai ist geprägt von Gastspielen, beginnend am 9. Mai mit einem Auftritt im Forum am Schlosspark Ludwigsburg. Hans-Christoph Rademann dirigiert Werke von Mendelssohn, Emilie Mayer und Fanny Hensel. Von Letzterer erklingt das Post-Cholera-Oratorium nach Bildern der Bibel in großer Besetzung. Die Gaechinger Kantorei und der Chor der Bachakademie Stuttgart wirken mit. Zurück in Künzelsau widmen sich die Philharmoniker am 16. Mai unter der Leitung Kent Naganos der "Liedkunst und Sinfonik". Julian und Christoph Prégardien singen die Tenorpartien.