Alles dreht sich um Orpheus
Die Gluck Festspiele verlegen heuer ihren Schwerpunkt nach Bayreuth
veröffentlicht am 28.04.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Martin Köhl
Kaum jemand kommt 2026 am großen Bayreuther Festspieljubiläum vorbei, auch nicht die als Biennale funktionierenden Gluck Festspiele, die ja ebenfalls in Franken verwurzelt sind. Nürnberg ist mit gutem Grund der Geburtsort dieses Festivals, und dort wird auch eine der Veranstaltungen stattfinden. Die anderen Aufführungen von Gluck-Opern finden ihre Verwirklichung an idealen Orten in Bayreuth, nämlich im vollständig erneuerten Friedrichsforum und im Prachtbau des Markgräflichen Opernhauses.
Das Motto der Festspiele lautet: „Amor und Psyche“. Dies bezieht sich auf die musikgeschichtliche Rolle von Christoph Willibald Gluck, der als führender Kopf im Sinne der Aufklärung eine bedeutende emotional-musikalische Ausdruckstiefe erschuf. Oper sollte nicht nur ein Ereignis für Augen und Ohren sein, sondern sich mit einer tieferen Bedeutung wesentlichen Seins-Themen zuwenden.
Start des Opern-Programms ist am 8. Mai im Friedrichsforum mit Richard Wagners Bearbeitung von Glucks „Iphigenie in Aulis“. Diese Produktion hat Seltenheitswert, weil nur wenige eingefleischte Wagner-Fans bzw. -Spezialisten um die Existenz des Stückes wissen. Deshalb gibt es auch eine Wiederholung im Rahmen des Wagner-Festspieljubiläums am 12. August.
Die zweite Premiere ist „Paride ed Elena“ (Paris und Helena) gewidmet, also der dritten der sogenannten Reformopern Glucks. Im Markgräflichen Opernhaus wird dieses noch wesentlich der Tradition der Barockoper verpflichtete Werk in einer Interpretation der Berliner Akademie für Alte Musik und unter Beteiligung einer hochkarätigen Gesangsbesetzung am 9. Mai aufgeführt werden. Erwähnen wir nur den männlichen Sopran Samuel Mariño als Paride und Roberta Mameli als Elena. Dieselbe Produktion wird übrigens am 7. Mai auch das Mozartfest Augsburg eröffnen.
Zur Aufführung als dritte eigene Opernproduktion kommt am 17. Mai im Historischen Rathaussaal Nürnbergs die Berlioz'sche Fassung des „Orpheus“. Dabei sind in den zentralen Partien Valer Sabadus als Orpheus und Julia Kirchner als Eurydike zu erleben. Regie führt Annegret Ritzel. Weitere Aufführungen dieses „Orpheus“ finden in Bayreuth (22. Mai), im Potsdamer Sanssouci (19. Juni), in Eisenach (20.6.) und in Gotha statt. Sämtliche Opernproduktionen werden von Michael Hofstetter geleitet.
Mit „Orpheus underground“ setzen die Gluck Festspiele die Bearbeitung des „Orpheus“ im 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert fort und spannen so eine Brücke vom Originalklang zur zeitgenössischen elektronischen Musik. Am 16. Mai präsentiert Kostia Rapoport gemeinsam mit dem Ensemble Nürnberg Barock im Kulturforum Fürth eine ganz neue Version des „Orpheus“.
Das vollständige Programm und weitere Infos zu einzelnen Terminen findet man unter www.gluck-festspiele.de.
Iphigenie in Aulis
Richard Wagner (Bearbeitung)
Freitag, 8. Mai 2026, 19.30 Uhr
Friedrichsforum, Bayreuth
Zwischen Licht und Dunkel
geistliche Musik von der Bach-Familie über Christoph Gluck bis heute
Chor des Bayerischen Rundfunks, Akademie für Alte Musik Berlin, Peter Dijkstra
8. Mai 2026, 18.30 Uhr
Reitstadel, Neumarkt
Paride ed Elena
Akademie für Alte Musik Berlin, Samuel Mariño (Paride), Roberta Mameli (Elena), Michael Hofstetter (Leitung)
Samstag, 9. Mai 2026, 19.30 Uhr
Markgräfliches Opernhaus, Bayreuth
Nachthelle: Kammermusik von Franz Schubert und Christoph Gluck
Aco Bišćević und Männerstimmen des Tölzer Knabenchores
Samstag, 9. Mai 2026, 20.30 Uhr
Pfarrkirche Christkönig, Fürth
Paride ed Elena (konzertante Oper)
Samuel Mariño, Roberta Mameli, Akademie für Alte Musik Berlin, Michael Hofstetter (Leitung)
Sonntag, 10. Mai 2026, 18 Uhr
Stadttheater, Fürth
Schwanengesang: Lieder von Franz Schubert und Christoph Gluck
Bo Skovhus (Bariton) und Stefan Vladar (Klavier)
Sonntag, 10. Mai 2026, 19.30 Uhr
Markgräfliches Opernhaus, Bayreuth
Orpheus underground
Kostia Rapoport und Ensemble Nürnberg Barock
Samstag, 16. Mai 2026, 21 Uhr
Kulturforum, Fürth
Nachthelle
Kammermusik von Franz Schubert und Christoph Gluck
mit Aco Bišćević und den Männerstimmen des Tölzer Knabenchores
Samstag, 16. Mai 2026, 20 Uhr
Dorfmühle, Lehrberg
Orpheus (Fassung von Hector Berlioz)
Valer Sabadus (Orpheus), Julia Kirchner (Eurydike), Michael Hofstetter (Leitung)
Sonntag, 17. Mai 2026, 18 Uhr
Historischer Rathaussaal, Nürnberg
Orpheus (Fassung von Hector Berlioz) – Gastspiel
Valer Sabadus (Orpheus), Julia Kirchner (Eurydike), Michael Hofstetter (Leitung)
Freitag, 22. Mai 2026, 19.30 Uhr
Markgräfliches Opernhaus, Bayreuth
Nachthelle: Kammermusik von Franz Schubert und Christoph Gluck
Aco Bišćević und Männerstimmen des Tölzer Knabenchores
Freitag, 22. Mai 2026, 22 Uhr
Schlosskirche, Bayreuth
Melodramen mit Anja Silja
Anja Silja, Melodramen von Anton Arenski mit anschließendem Künstlergespräch
Samstag, 23. Mai 2026, 15 Uhr
Steingräber-Haus, Bayreuth